Wolf, Otto Isidor

Wolf, Otto Isidor

header image

Stolperstein-Biographien im Westend

Wolf, Otto Isidor

Otto Isidor Wolf wurde in Herxheim in der Pfalz geboren. Seine Eltern, Moses und Rosalia Wolf, gründeten 1860 eine Leinen- und Sackweberei, die später ein gut gehendes großes Unternehmen wurde. Sie verkauften diese 1883 an den jüdischen Mitarbeiter Benedikt Engel und zogen von Herxheim weg. Später kam die Familie nach Frankfurt. Otto Wolf war noch sehr jung, als sein Vater starb und er allein mit seiner Mutter Rosalia und seinem jüngeren Bruder lebte. Er erlernte den Beruf eines Goldschmieds.

 

Er heiratete Nelly Horkheimer, geboren am 30.10.1897. Sie lebten in deren Familienhaus in der Savignystraße 55. Dort kamen auch ihre beiden Söhne Robert und Max zur Welt. Später zogen sie in die Mendelssohnstraße 44, in der Otto Wolf ein Juweliergeschäft besaß, das in den 30er-Jahren in Konkurs ging. Die Familie war aus finanziellen Gründen gezwungen, in die Kronbergerstraße 5 umzuziehen.

 

kronbergerstraße_5_wolf_otto_4__300x400
Wolf, Otto 4 © privat/Katharine Wolf, Foto: keine Angaben

 

Nelly Wolf-Horkheimer starb bereits im Alter von 38 Jahren am 04.03.1936 an Krebs und wurde auf dem Hauptfriedhof in einem großen Urnengrab der Familie Horkheimer bestattet. Nelly Wolfs Bruder Paul Horkheimer konnte nach Kenia flüchten, wo er kurz nach Kriegsende starb. 1938 wohnte Otto Wolf in der Kronberger Straße 5, zuletzt nur noch mit seinem Sohn Max Wolf (Jg. 1920), der nach dem Novemberpogrom am 13.11.1938 nach Buchenwald verschleppt wurde. Ende 1938 flüchtete Otto Wolf in die vermeintliche Anonymität der Großstadt Berlin. Dort war er bei der Volkszählung am 17.05.1939 in der Paulsborner Straße 2 in Wilmersdorf zur Untermiete bei Kaethe Heimann, geb. Blumenthal, gemeldet. Sein Sohn Max wurde am 07.01.1939 aus Buchenwald entlassen und fuhr zu seinem Vater nach Berlin. Mit Hilfe eines Sponsors gelang es Otto Wolf, seinen Sohn Max, dem am 23.03.1939 ein Ausweis ausgestellt wurde, nach England zu schicken. Er hat sein ganzes restliches Leben darunter gelitten, dass er seinen Vater allein zurück ließ und nie wieder gesehen hat.

 

In Berlin fühlte Otto Wolf sich sehr einsam ohne Kontakt zu seinen Söhnen, was er in einem noch vorhandenen Schreiben, 1941, kurz nach seinem 60. Geburtstag, ausdrückte. In der Vermögenserklärung vom 17.05.1942 unterschrieb Otto Wolf, dass all sein restliches Vermögen an den deutschen Staat gehe.

kronbergerstraße_5_wolf_otto_3__300x400
Wolf, Otto 3 © privat/Katharine Wolf, Foto: keine Angaben

"Ich erkläre ausdrücklich, daß ich meine vorstehenden Angaben nach bestem Wissen gemacht und dabei insbesondere keinerlei Vermögenswerte verschwiegen habe. Ich versichere weiterhin, außer für meine Ehefrau und meine Kinder, deren Vermögen ich besonders angegeben habe, für andere Personen nur solche Vermögenswerte zu verwalten oder in Gewahrsam zu haben, die von mir ausdrücklich in dieser Vermögenserklärung (falls nicht anderweitig, in der letzen Spalte unter Verschiedenes) als fremde bezeichnet worden sind. Ich bin mir bewußt, dass falsche oder unvollständige Angaben geahndet werden".

 

In dem Dokument musste er angeben, wo seine Kinder leben. Er vermerkte: Max-Erich Wolf- England und Robert Friedrich Wolf- Holland. Am 13.06.1942 wurde Otto Wolf verhaftet und von der Pension Ebstein in der Gneiststraße 8 in Wilmersdorf zum Sammellager in der Synagoge in der Levetzowstraße 7-8 gebracht. Von dort aus wurde er zusammen mit 740 Menschen aus Berlin und 260 aus Potsdam und Umgebung mit dem 15. Osttransport nach Sobibor deportiert und ermordet.

kronbergerstraße_5_wolf_otto_2__4c
Wolf, Otto 2 © privat/Katharine Wolf, Foto: keine Angaben

Seinen jüngeren Sohn Robert Wolf (Jg. 1922) hatte Otto Wolf über die Quäker nach Eerde in Holland in ein englischsprachiges jüdisches Internat geschickt. Nach der deutschen Invasion in Holland (Mai 1940) wurde er bei einem Grenzübertritt nach Deutschland - er wollte über die Schweiz nach England emigrieren - verhaftet und in ein Gefängnis nach Nordhorn gebracht. Im Januar 1943 kam er in das Gefängnis Osnabrück und wurde von dort später nach Auschwitz verschleppt. 1944 ging es auf die Todesmärsche mit den Stationen Stutthof, Stuttgarter Lufthafen Echterdingen und Ohrdruf, einem Außenlager von Buchenwald. Am 03.04.1945 wurden die Häftlinge Richtung Tirol in Marsch gesetzt, Robert Wolf flüchtete und wurde von einem Bauernehepaar versorgt und bis zur Befreiung versteckt. Er kehrte nach Holland zurück. Er starb am 09.05.1997.

 

kronbergerstraße_5_wolf_otto_1__300x439
Wolf, Otto © privat/Katharine Wolf, Foto: keine Angaben

 

Der Stolperstein wurde initiiert von der Enkelin Katherine Wolfe/London. Sie nahm mit Sohn Max, Jeannette und Mark Rosenberg/London und der Enkelin Sibylle Wolf/Mannheim an der Verlegung teil.

wolf_otto_isidor
Stolperstein Kronberger Straße 5 Otto Isidor Wolf © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

inhalte teilen