Oppenheimer, Elias

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Stolperstein-Biographien im Westend

Oppenheimer, Elias

 

Elias Ludwig Oppenheimer wurde in Kirchheim (Rheinpfalz) als einziges Kind seiner Eltern geboren. Da der Vater schon früh verstorben war, lebte Elias allein mit der Mutter, die als Händlerin ihren Lebensunterhalt verdiente. Er war jüdischen Glaubens. Elias Oppenheimer war von Kind an körperlich gebrechlich, er hatte keinen Beruf erlernt und betätigte sich zunächst auch als Händler. Er versorgte zudem die kranke Mutter, die nach einem Schlaganfall 1912 starb. Von 1918 bis 1933 hatte er Arbeit beim Posthilfsdienst in Kirchheim und später wieder als Händler. Dann erkrankte er und wurde arbeitsunfähig. Auf Vermittlung des Vorstandes der jüdischen Gemeinde wurde er 1937 in das jüdische Altersheim in der Wöhlerstraße 6 in Frankfurt aufgenommen.

 

Am 18. September 1941 wurde er nach einer Anzeige eines Reichsbahninspektors Schwarz wegen angeblicher unzüchtiger Handlung und Beleidigung in der Straßenbahn verhaftet. Er soll den Zeugen im Gedränge „über den Kleidern“ unsittlich berührt haben. Obwohl Elias Oppenheimer dies bestritt und zuvor weder strafrechtlich noch als homosexuell in Erscheinung getreten war, glaubte man der Aussage des Denunzianten. Auf Basis des von den Nationalsozialisten deutlich verschärften §175, der den Tatbestand der „unzüchtigen Handlung“ fast beliebig ausdehnbar machte, verurteilte das Amtsgericht Frankfurt Elias Oppenheimer in einem „beschleunigten Verfahren“ am 30. September 1941 zu einer Gefängnisstrafe von fünf Monaten.

 

Elias Oppenheimer verbüßte diese Strafe bis zum 28. Februar 1942 im Strafgefängnis Frankfurt-Preungesheim. Nach Haftende wurde er jedoch nicht frei gelassen, sondern der Polizei überstellt. Die Gestapo Frankfurt nahm ihn daraufhin in „Schutzhaft“. Diese Maßnahme konnte allein aufgrund einer polizeilichen Anordnung ausgesprochen werden und unterlag keiner richterlichen Kontrolle. Ende April oder Anfang Mai 1942 transportierte man ihn nach Buchenwald bei Weimar, wo die SS ihn als Homosexuellen und als Juden einstufte und er die Häftlingsnummer 1276 erhielt.

 

Es bleibt fraglich, ob Elias Oppenheim überhaupt homosexuell war. Der von den Nationalsozialisten verschärfte und nach dem Krieg von der Bundesrepublik Deutschland in dieser verschärften Form übernommene §175 konnte, aufgrund seiner dehnbaren Definition von „Unzucht zwischen Männern“, zu einem breiten Spektrum von Denunziationen benutzt werden. Elias Oppenheimer wurde als Jude mit dem juristischen Mittel des §175 verfolgt und ermordet.

 

Der Stolperstein wurde initiiert von Martin Dill und Heidi Stögbauer von der Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main und finanziert von Hans-Peter Hoogen.

 

Dank an Rainer Hoffschildt (Schwullesbisches Archiv, Hannover, SARCH) für die Hinweise zum Verfolgungsschicksal von Elias Oppenheimer.

 

 

Gefängnisakte von Elias Oppenheimer aus dem Strafgefängnis Frankfurt-Preungesheim
Gefängnisakte von Elias Oppenheimer aus dem Strafgefängnis Frankfurt-Preungesheim © Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Foto: Keine Angabe

 

 

Elias Oppenheimer 
Geburtsdatum:   19.6.1886 
Verurteilt:  § 175
Haft:   18.9.1941, F-Preungesheim, 1942 KZ Buchenwald 
Todesdatum:   13.5.1942 

 

 

Stolperstein Wöhlerstraße 6, Oppenheimer, Elias
Stolperstein Wöhlerstraße 6, Oppenheimer, Elias © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

 

 

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