Schättle, Marie

Schättle, Marie

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Stolperstein-Biographien im Westend

Schättle, Marie

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Marie Schättle © Archiv Zeugen Jehovas, Foto: Keine Angabe

 

Marie Steinbach wurde in Michelbach am Wald in Baden-Württemberg geboren. Nach der Volksschule arbeitete sie bis zu ihrem 18. Lebensjahr im elterlichen Haushalt mit, danach fünf Jahre lang als Haushaltshilfe, bis sie 1906 Eugen Schättle heiratete. Er war katholisch, sie evangelisch. Noch im selben Jahr wurde der einzige Sohn geboren.

 

Die Familie wohnte zunächst in der Königstraße 74, der heutigen Gräfstraße in Frankfurt-Bockenheim. Im Frühjahr 1911 kam Marie Schättle mit den Bibelforschern in Kontakt. Sie war die erste Bibelforscherin in Frankfurt. Getauft wurde sie 1915. Im selben Jahr zog die Familie in die 3. Etage des Hauses Palmengartenstraße 3, wo Eugen Schättle als Hausmeister arbeitete.

 

Marie Schättle wurde am 1. März 1937 in ihrer Wohnung – die Familie war kurz vorher nach Schwalbach am Taunus umgezogen – verhaftet und sofort nach Frankfurt gebracht. Bei ihrer Vernehmung gab sie zu, ihren Glauben auch nach dem Verbot weiter ausgeübt zu haben. Sie gab auch zu, sich an der Verbreitung der „Resolution“, mit der reichsweit gegen die grausame Misshandlung der Zeugen Jehovas und anderer Verfolgter protestiert wurde, beteiligt zu haben. Vom Sondergericht wurde sie am 7. Juni 1937 zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Am 1. August 1937 wurde sie zwar entlassen, aber sofort der Polizei „zur Verfügung“ gestellt und Anfang September 1937 ins KZ Moringen eingeliefert. Am 21. Februar 1938 wurde sie gemeinsam mit 149 weiteren Frauen in das KZ Lichtenburg überstellt. Marie Schättle erhielt die Häftlingsnummer 363, die sie auch behielt, als sie am 15. Mai 1939 als eine der ersten Häftlinge ins KZ Ravensbrück verlegt wurde. Dort wurde sie in Block 8 eingewiesen und blieb bis zu ihrer Befreiung am 28. April 1945 dort. In einem Fragebogen zur Verfolgung gab sie an, dass sie bis 29. Juli 1945 in Ravensbrück gewesen sei. Am 1. August 1945 meldete sie sich in Frankfurt polizeilich zurück.

 

Durch die lange Haft, verbunden mit Hunger, Kälte, Strafen und Entbehrungen, körperlich schwer geschädigt, musste sie sich in der Strahlenklinik der Universitätsklinik Frankfurt in Behandlung begeben. Das Gutachten, das dort erstellt wurde, klingt wie eine Verhöhnung des NS-Opfers: „Die langjährige Haft kommt als Entstehungsursache nicht in Frage, im Gegenteil ist anzunehmen, dass der chronische Hungerzustand das Krankheitsgeschehen günstig beeinflusst hätte.“ Marie Schättle starb im Jahr 1960.

 

Der Stolperstein wurde initiiert von den Zeugen Jehovas, Frankfurt. 

 

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Marie Schättle, 1958 © Archiv Zeugen Jehovas, Foto: Keine Angabe

 

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Polizeibericht von 1937 © Polizeibericht von 1937, Foto: Keine Angabe

 

 

Marie Schättle, geb. Steinbach

Geburtsdatum:

Haft:

Befreit

9.11.1883

1937 Gefängnis Frankfurt, Moringen, Lichtenburg, Ravensbrück

 

 

 

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Stolperstein Palmengartenstraße 3, Marie Schättle © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

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