Bolzt, Johann

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Stolperstein-Biographien im Westend

Bolzt, Johann

Johann Josef Bolzt stammte aus Frankfurt am Main und wurde am 19. September 1893 unehelich geboren. Seine Mutter hatte mit dem Stiefvater fünf weitere Kinder. Bei dem Stiefvater absolvierte er eine Ausbildung zum Gemüsehändler. Im Ersten Weltkrieg wurde er im Frühjahr 1915 rekrutiert, diente als Musketier im 116. Infanterie-Regiment und wurde im Sommer 1915 schwer verletzt. Der rechte Arm wurde amputiert und er blieb gehbehindert. Nach dem Krieg arbeitete er bei verschiedenen Firmen als Portier, unter anderem bei VDO Tachometer. Bis 1940 hatte er vier Vorstrafen wegen §§ 175/175a Strafgesetzbuch wegen homosexueller Beziehungen zu anderen Männern. 

 

Am 26.5.1940 wurde Bolzt im Nidda-Freibad im Stadtteil Nied verhaftet, wo er versucht hatte, mit einem 17-Jährigen in Kontakt zu kommen, wohl auch versucht hatte, ihn zu berühren. Der junge Mann zeigte ihn beim Revier in Rödelheim an. Da allein diese "wollüstige Absicht“ ausreichte, wurde Bolzt am 26.5.1940 wegen "versuchter Verführung eines Mannes unter 21 Jahren" zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt und am 22.8.1940 ins Zuchthaus Ludwigsburg eingeliefert. Während des Prozesses erstellte, wie in vielen anderen Fällen von verfolgten Homosexuellen, Prof. Dr. Rolf Hey vom Institut für Gerichtsmedizin der Universität Frankfurt ein "Gutachten". In diesem beschrieb er Johann Bolzt als "schwächlich, passiv, haltlos, psychopathisch, aber zurechnungsfähig".

 

Am 26.5.1941 wurde er nach Strafverbüßung an die Kripo Frankfurt übergeben, die ihn in polizeiliche "Vorbeugungshaft" nahm und ihn am 10.7.1941 in das Konzentrationslager Dachau "verschubte". Dort starb er acht Monate später, angeblich an Herzversagen. Letzte Frankfurter Adresse: Savignystraße 55.

 

Der Stolperstein für Johann Josef Bolzt ist der erste, der in Frankfurt für ein Opfer der Homosexuellenverfolgung verlegt wurde. Er wurde 2007 durch das gab-Magazin und die Initiative Mahnmal Homosexuellenverfolgung e.V. initiiert.

 

Auf dem Stolperstein ist der Nachname als "Boltz" falsch geschrieben.

 

 

 

Johann Bolzt 
Geburtsdatum:   19.09.1893 
Verurteil:  $175 
Haft:   1940 Zuchthaus Ludwigsburg, 1941 KZ Dachau 
Todesdatum:   4.3.1942 

 

 

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Stolperstein Savignystraße 55, Johann Bolzt © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

 


 

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