Hanauer, Wilhelm

Hanauer, Wilhelm

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Stolperstein-Biographien im Westend

Hanauer, Wilhelm

Wilhelm Hanauer wurde in Richen in Baden als ältester Sohn jüdischer Eltern geboren. Sein Vater Moses Hanauer war Handelsmann und seine Mutter Fanny Hanauer, geb. Weißbarth, Hausfrau. Er war mit Julie Hanauer verheiratet, die 1868 als Julie Adlerstein geboren worden war und vor 1940 starb. Sie hatten zwei Töchter, die beide in die USA fliehen konnten.

 

Hanauer bestand 1885 in Bruchsal das Abitur und studierte Medizin in Würzburg, Straßburg und München. 1890 promovierte er in München. Im selben Jahr begann er seine Arbeit als praktischer Arzt und Kinderarzt in Sinsheim (Baden).

 

1892 ließ sich Wilhelm Hanauer in Frankfurt am Main zunächst als praktischer Arzt nieder und nahm eine Tätigkeit als Arzt an einem Frankfurter Krankenhaus auf. Von 1903 bis 1905 arbeitete er als Vertrauensarzt der Allgemeinen Ortskrankenkasse. Im Jahr 1913 nahm er – auf Vorschlag der Nassauischen Ärztekammer an dem vom Preußischen Minister des Inneren veranstalteten Kurs über soziale Medizin teil.

 

Im Ersten Weltkrieg war er drei Jahre als ordinierter Arzt tätig, 1915 wurde er zum Sanitätsrat ernannt. 1921 habilitierte er mit dem Thema „Die sozialhygienischen Leistungen der deutschen Arbeiter- und Angestellten-Versicherung im Kriege und ihre Zukunftsaufgaben“ für das Fach Sozialmedizin. Im selben Jahr wurde Hanauer zum Schularzt der Stadt Frankfurt ernannt und kam als Privat-Dozent an die Frankfurter Universität.

 

Zwischen 1917 und 1924 war Hanauer Stadtverordneter (bis 1919 bei der FVP, dann DDP). Er war auch Vorsitzender des Centralvereins für jüdisches Gemeindeleben und Mitglied in der Gemeindevertretung der jüdischen Gemeinde. Die Familie wohnte von 1919 bis 1933 Im Trutz 27, die Arztpraxis befand sich im Reuterweg 57. Ab 1926 lehrte Wilhelm Hanauer zunächst als nicht-beamteter, dann als außerordentlicher Professor Soziale Hygiene und Soziale Medizin an der Universität.

 

Am 2. September 1933 traf ihn der Entzug seiner Lehrbefugnis aufgrund des § 3 („nichtarische Abstammung") des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums hart. Zudem setzten ihm die zunehmende Ausgrenzung aus dem wissenschaftlichen und  gesellschaftlichen Leben sowie die permanente Verfolgung durch das Regime stark zu.

 

Im Jahr 1934 erlitt er einen Nervenzusammenbruch, von dem er sich zeitlebens nicht mehr erholte. Er musste seine Arbeit aufgeben und wurde in der Israelitischen Heil- und Pflegeanstalt Bendorf-Sayn bei Koblenz aufgenommen. In diesem Krankenhaus, das später aufgelöst und in eine „Euthanasie“-Zwischenanstalt für die in preußischen Heil- und Pflegeanstalten lebenden jüdischen psychiatrischen Patientinnen und Patienten umgewandelt wurde, starb er an „Arteriosklerose und körperlichem und geistigem Marasmus“. Am 18. Juni 1940 wurde er auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Frankfurt beerdigt.

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Wilhelm Hanauer © privat/Initiative Stolpersteine Frankfurt a.M.

Hanauer, Wilhelm

Geburtsdatum:

Todesdatum:

21.7.1866

14.6.1940

 

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Stolperstein Reuterweg 57 Dr. Wilhelm Hanauer © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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