Dreifuss, Julius, Anna, Adolf und Hedwig

Dreifuss, Julius, Anna, Adolf und Hedwig

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Stolperstein-Biographien im Westend

Dreifuss, Julius, Anna, Adolf und Hedwig

Julius Dreifuss wurde in Bad Kreuznach, Anna Kaan in Gießen geboren: Sie heirateten am 28. Juli 1905 und hatten einen 1906 geborenen Sohn Adolf. Sie wohnten im Bäckerweg 17, dann in der Sternstraße 17 und ab etwa 1931 in der Eschersheimer Landstraße 69.

 

Julius Dreifuss betrieb zusammen mit seinem Bruder Rudolph eine Fabrik für versilberte Tafelgeräte für Restaurants und Hotels im Sandweg 21. Rudolph Dreifuss gelang im Januar 1940 die Flucht in die USA. Die Pläne von Julius und Anna Dreifuss nach Luxemburg zu fliehen, scheiterten trotz abgepresster Abgaben wie Judenvermögensabgabe, Dego-Abgaben und „Reichsfluchtsteuer“.

 

Adolf "Dolf" Dreifuss heiratete 1935 Hedy Allerhand, die in der Kronberger Straße 6 ein Geschäft für Modellhüte betrieb und dort mit ihrer Mutter Rosa Allerhand lebte. Im diffamierenden „Boykottbuch“ der Nazis wurde beide 1935 unter der Rubrik „Hut- und Putzmacher“ geführt. Nach der Heirat zog Hedy Dreifuss mit in die Eschersheimer Landstraße 69.

 

Dolf wurde im Zuge des Novemberpogroms 1938 in Dachau interniert. Nach der Freilassung Ende November flüchtete das Paar um die Jahreswende 1938/39 nach London, um von dort die Emigration in die Niederlande zu planen. Dolf ging zunächst alleine in die Niederlande und arbeitete dort bis 1942 bei der Firma Hollandia Plate. Hedy blieb in England, wo sie im August 1939 ihre Tochter Lilian zur Welt brachte, zog dann aber mit dem Kind zu ihrem Mann nach Amsterdam, zuletzt wohnten sie in der Courbetstraat 20.

 

Nach der deutschen Besetzung der Niederlande musste die Familie untertauchen: die Tochter lebte bei einem Bekannten, die Eheleute bei einem Bauern in der Nähe von Hilversum. Dolf und Hedwig Dreifuss verließen jedoch aus Sehnsucht nach der Tochter ihr Versteck. Da Lilian durch ihre Geburt in London britische Staatsbürgerin war, schien ein „Angebot“ der deutschen Besatzer 1943 eine gemeinsame Ausreise der Familie zu ermöglichen: Das Angebot erwies sich als Falle: Eltern und Kind wurden am 1. Mai 1943 zunächst in Amsterdam, dann in Westerbork inhaftiert und von dort nach Bergen-Belsen deportiert. Lilian überlebte ausgehungert und schwer krank; nach einem Aufenthalt in einem holländischen Krankenhaus und Waisenhaus wurde sie 1946 nach England gebracht, wo sie von einem Arztehepaar adoptiert wurde.

 

Anna und Julius Dreifuss flüchteten am 25. April 1940 nach Walferdange, später nach Bereldingen in Luxemburg. Von dort wurden beide deportiert.

 

Die Stolpersteine wurden initiiert von Till Lieberz-Gross. Bei der Verlegung waren Lilian und Andrew Levy, Hilary und Mike Solomon, alle London sowie Immanuel und Theresa Bartz, Köln, anwesend.

 

Julius Dreifuss 
Geburtsdatum:   29.5.1870 
Flucht:   1940 Luxemburg 
Deportation:   30.7.1942 Theresienstadt
Todesdatum:   1.12.1942 

 

Anna Dreifuss 
Geburtsdatum:  13.4.1883 
Flucht:    1940 Luxemburg 
Deportation:   30.7.1942 Theresienstadt, 29.2.1943 Auschwitz 
Todesdatum:   unbekannt 

 

Adolf (Dolf) Dreifuss 
Geburtsdatum:   29.6.1906 
Haft:   1938 Dachau 
Flucht:     1939 England, Holland 
Internierung:
1.8.1943 Westerbork 
Deportation:    11.1.1944 Bergen-Belsen 
Todesdatum:  24.12.1944 

 

Hedwig Dreifuss
Geburtsdatum:  5.8.1905 
Flucht:    1939 Holland, England

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stolperstein Eschersheimer Landstraße 69, Julius Dreifuss
Stolperstein Eschersheimer Landstraße 69, Julius Dreifuss © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

Stolperstein Eschersheimer Landstraße 69, Anna Dreifuss
Stolperstein Eschersheimer Landstraße 69, Anna Dreifuss © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

Stolperstein Eschersheimer Landstraße 69, Adolf (Dolf) Dreifuss
Stolperstein Eschersheimer Landstraße 69, Adolf (Dolf) Dreifuss © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

Stolperstein Eschersheimer Landstraße 69, Hedwig Dreifuss
Stolperstein Eschersheimer Landstraße 69, Hedwig Dreifuss © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

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