Gumbel, Karl

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Stolperstein-Biographien im Westend

Gumbel, Karl

Karl Gumbel wurde in Bruchsal als Sohn des Kaufmannes Emil Gumbel und Recha, geb. Baer, geboren. Dr. Karl Gumbel wurde am 4. Januar 1908 in Frankfurt als Rechtsanwalt zugelassen. 1915 eröffnete er in der Goethestraße 10 seine Kanzlei. 1925 wurde er zum Notar ernannt. Am 13. Januar 1934 heiratete er die aus Leipzig stammende Protestantin Else Helene Döring.

 

Karl Gumbel lebte seit 1925 bei seiner Mutter in der Mendelssohnstraße 73, wo auch Else nach der Heirat lebte. 1936 zogen sie in die Schumannstraße 47, später in den Kettenhofweg 109. Am 31. Oktober 1938 starb seine Mutter Recha Gumbel im Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde.

 

Am 13. Juni 1933 wurde Karl Gumbel seine notarielle Beglaubigung entzogen. 1935 zog auch seine Anwaltskanzlei von der Goethestraße 10 zum Börsenplatz 1. 1936 musste er das Büro ganz schließen und arbeitete von zu Hause aus. Im Jahr 1938 wurde Karl Gumbel wie allen jüdischen Anwälten die Zulassung entzogen.

 

Nach dem Tod der Mutter trafen Karl und Else Gumbel Vorbereitungen, um der Verfolgung zu entgehen. Sie kauften Eigentum in Nizza, aber nach dem Ausbruch des Krieges im September 1939 wurde die Flucht blockiert. Als prominenter Anwalt sollte Gumbel während des Novemberpogroms 1938 verhaftet werden, aber zu dieser Zeit litt er unter einem Angina-Anfall und konnte nicht transportiert werden. Kurz vor seinem Freitod wurde er angewiesen, sich zur Verhaftung zu stellen.

 

Nach seinem Tod zog Else in eine kleinere Wohnung um die Ecke in der Westendstraße 89. 1943 wurde sie von der Nazi-Blockwartin bedroht, sie internieren zu lassen, wenn sie sich weigerte, aus dieser Wohnung auszuziehen. Sie zog nach Wildflecken in Bayern und lebte bei ihrer Schwester und ihrer Mutter. Unverheiratet gebar sie in Wildflecken am 27. Juni 1951 eine Tochter Irene. 1952 kehrte sie nach Frankfurt zurück und war als allein erziehende Mutter ohne Existenzgrundlage zunächst auf die Unterstützung ihrer Familie und der staatlichen Fürsorge angewiesen. Seit 1951 stellte sie als Witwe eines Opfers des Nationalsozialismus Anträge auf Entschädigung. Die erste Zahlung von 9.000 DM für den Verlust von Karl Gumbels erwartetem beruflichem Einkommen erhielt sie im Dezember 1956. Ab 1960 erhielt sie eine monatliche Rente. Sie starb am 6. Juni 1995 in Frankfurt. Ihre letzte Adresse war Gutleutstraße 317.

 

Der Stolperstein wurde initiiert von Michael Hayse, Professor an der Stockton University in Galloway in New Jersey (USA), und seiner Schwester Patricia Haller aus Pleasanton/ Kalifornien. Ihre Großmutter Frieda Müller war von 1931 bis 1934 Sekretärin in der Kanzlei Dr. Karl Gumbel.

 

 

Grabstein auf dem Jüdischen Friedhof
Grabstein auf dem Jüdischen Friedhof © Privat, Foto: keine Angabe

 

 

Karl Gumbel 
Geburtsdatum: 
26.2.1879 
Todesdatum:  8.11.1939 (Suizid) 

 

 

 

 

Sprechzeiten mit vorheriger Terminvereinbarung unter 069/212 34756 oder info.belehrung@stadt-frankfurt.deInternal Link

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