Schaefer Elisabeth

Schaefer Elisabeth

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Stolperstein-Biographien im Westend

Schäfer, Elisabeth

 

Elisabeth Neff wurde in Heldenbergen im Kreis Friedberg geboren und besuchte dort von 1890 bis 1898 die Volksschule. Ihr Vater war Maurer. Sie war als Dienstmädchen in Frankfurt in verschiedenen Stellungen. Ihre Familie war katholisch, die Mutter früh gestorben. Am 10. April 1906 heiratete sie den evangelischen Gärtner Johannes Alexander Schäfer aus Frankfurt. 1907 zog das Paar in die Bockenheimer Landstraße 104. Dort wurde ihre Tochter Johanna Elisabeth am 12. April 1910 geboren.

 

1915 kam Elisabeth Schäfer durch die neu zugezogene Nachbarin Marie Schättle mit Bibelforschern – wie Jehovas Zeugen damals genannt wurden – in Kontakt. Im darauffolgenden Jahr trat sie aus der Kirche aus und ließ sich als Bibelforscherin taufen. An Marie Schättle erinnert ein Stolperstein in der Palmengartenstraße 3. 1937 wurde Elisabeth Schäfer verhaftet. Bei ihrer Vernehmung am 3. März gab sie zu, dass sie auch nach dem Verbot der Bibelforscher tätig und an der Verbreitung der „Resolution“ (ein Protestbrief gegen das Verbot der Zeugen Jehovas und die Misshandlungen in den Konzentrationslagern) beteiligt war. Die Verweigerung des „Deutschen Grußes“ begründete sie: „Weil ich es mit der Bibel nicht vereinbaren kann!!!“

 

Am 11. März 1937 wurde sie ins Strafgefängnis Frankfurt-Preungesheim verlegt. Vom Sondergericht Frankfurt wurde sie beschuldigt, an Gottesdiensten der Bibelforscher teilgenommen zu haben, auch in ihrer Wohnung. Es sei aus der Bibel vorgelesen und religiöse Literatur besprochen worden. Durch die Versendung der 50 Resolutionen habe sie „unwahre Tatsachenbehauptungen“ verbreitet.

 

Elisabeth Schäfers Ehemann bemühte sich um ihre Freilassung und verbürgte sich, dass seine „Ehefrau sich bestimmt in dieser Hinsicht nicht mehr strafbar machen wird“. Elisabeth Schäfer wurde am 7. Juni 1937 vom Sondergericht Frankfurt zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt, die Reststrafe musste sie in Frankfurt-Preungesheim verbüßen. Anfang August folgte dann statt der Freilassung erneute „Schutzhaft“ im Polizeigefängnis. Am 16. September wurde angeordnet, sie mit dem nächsten Sammeltransport nach Moringen zu überführen. Die Zeuginnen Jehovas waren zu dieser Zeit dort die größte Opfergruppe.

 

Bei wiederholten Haftprüfungsterminen wurde Jehovas Zeugen ein Dokument vorgelegt, in dem sie sich durch Unterschrift von ihrem Glauben lossagen sollten. Wegen der Verweigerung der Unterschrift kam Elisabeth Schäfer nicht frei, sondern wurde nach Lichtenburg überführt. Dort bekam sie die Häftlingsnummer 362. Mitte Mai 1939 wurde sie in das neu errichtete Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück transportiert.

 

Im Juni 1944 erhielt ihr Ehemann einen Brief aus Ravensbrück: „Sehr geehrter Herr Schäfer! Ihre Ehefrau […] meldete sich am 31.5.44 krank und wurde daraufhin unter Aufnahme im hiesigen Krankenhaus in ärztliche Behandlung genommen. Es wurde ihr die bestmögliche medikamentöse und pflegerische Behandlung zuteil. Trotz aller angewandten ärztlichen Bemühungen gelang es nicht, der Krankheit Herr zu werden. Ich spreche Ihnen zu diesem Verlust mein Beileid aus. Ihre Ehefrau hat keinen letzten Wunsch geäußert.“ Laut „Sterbeschein“ starb Elisabeth Schäfer an „Krebsgeschwulst auf Pancreaskopf, Herzinsuffizienz“. Eine 1953 neu ausgestellte Sterbeurkunde nannte als Todesursache „An den Folgen einer Operation.“ Ihr wahrscheinliches Todesdatum ist der 1. Juni 1944. Woran sie wirklich starb ist unbekannt.

 

Der Stolperstein wurde initiiert durch Erika und Gunter Krämer und finanziert durch Ulrike und Frank Engel sowie Sandra und Markus Ochs.

 

 

Zahlungsaufforderung der Gestapo an den Ehemann
Zahlungsaufforderung der Gestapo an den Ehemann © Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Foto: Keine Angabe

 

Haftbescheinigung der Gestapo für Elisabeth Schäfer
Haftbescheinigung der Gestapo für Elisabeth Schäfer © Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Foto: Keine Angabe

 

 

 

 

Elisabeth Schäfer, geb. Neff 
Geburtsdatum:   3.9.1884  
Haft:   1.3.1937 Frankfurt, 22.9.1937 Moringen, 21.2.1938 Lichtenburg, Mai 1939 Ravensbrück 
Todesdatum:   1.6.1944 

 

 

 

Stolperstein Bockenheimer Landstraße 104, Schäfer, Elisabeth
Stolperstein Bockenheimer Landstraße 104, Schäfer, Elisabeth © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

 

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