Neustadt, Ernst und Gertrud

Neustadt, Ernst und Gertrud

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Stolperstein-Biographien im Westend

Neustadt, Ernst und Gertrud

Ernst Neustadt legte 1901 sein Abitur im Wilhelm-Gymnasium in Berlin ab, studierte Latein, Griechisch und Germanistik in Berlin und promovierte 1906. Nach dem Staatsexamen 1907 unterrichtete er an Berliner Gymnasien, zuerst im Askanischen Gymnasium, dann im Mommsen-Gymnasium in Berlin-Charlottenburg; 1919 heiratete er GertrudStadthagen. 1929 wurde er unter 26 Bewerbern als Oberstudiendirektor für das Goethe-Gymnasium Frankfurt ausgewählt. Er wohnte mit seiner Frau direkt neben der Schule. 

 

1933 wurde Ernst Neustadt verfolgungsbedingt als Direktor abgesetzt. Ab Januar 1934 war er als Vertretungslehrer am Lessing-Gymnasium, dort wurde er im Herbst 1935 entlassen. Die Studienräte Huth und Kern berichteten an das Schulamt: "Neustadt ist für einen Führungs­posten im nationalsozialistischen Staat ungeeignet. Es ist unmöglich, dass er sich bei seiner humanitären, demokratischen, weltbürgerlichen, pazifistischen Einstellung als Lehrer für die deutsch-völkische Erziehung einsetzen kann." 

 

Ernst Neustadt flüchtete mit seiner Frau 1939 nach Schottland, wo er in Wester Elchies/ Moreyshire an einem Internat, dann an der Gordonstown School in Schottland in Elgin unterrichtete. Ende 1939 wurden Gertrud und Ernst Neustadt als „enemy aliens“ (feindliche Ausländer) interniert.  Unter seinen Schülern war auch der spätere Ehemann der britischen Königin Elisabeth II., Prinz Philipp. Im September 1941 erhielt Ernst Neustadt eine Anstellung an der Wakefield Grammar School. Dort wurde er als ein sehr verbitterter, unglücklicher Mann wahrgenommen. An dieser letzten Station seines Berufslebens habe er seine Arbeit nicht mehr mit demselben Optimismus und dem pädagogischen Elan angehen können wie an den vorherigen. Ein früherer Schüler brachte zum Ausdruck, dass die Kinder ahnten, das müsse etwas mit der deutschen Herkunft und dem Krieg zu tun haben. Als sich im Frühling 1942 abzeichnete, dass der Vertrag nicht verlängert werden würde, könnte den beiden der letzte Funken Hoffnung verloren gegangen sein. 

 

Nach dem Tod von Gertrud Neustadt, die an Krebs starb, verlor Ernst Neustadt seine Stelle, er nahm sich in seiner Wohnung in Wakefield das Leben.

 

Die Stolpersteine wurden initiiert von Manfred Capellmann, ehemaliger Lehrer am Lessinggymnasium, und finanziert vom Goethe-Gymnasium Frankfurt am Main.

 

Literatur: Charlie Knight, Jewish Refugees and the Concern for those Left Behind: A Transnational History, unpublished MA Thesis, University of Exeter 2020

 

 

Ernst Neustadt
Ernst Neustadt © Goethegymnasium

 

Goethegymnasium
Goethegymnasium © Goethegymnasium

 

Internierungsprotokoll
Internierungsprotokoll © Goethegymnasium

 

Grab in Schottland
Grab in Schottland © Goethegymnasium

 

Ernst Neustadt, gemalt von der Goethe-Schülerin Hana Tkach Takemura
Ernst Neustadt, gemalt von der Goethe-Schülerin Hana Tkach Takemura © Hana Tkach Takemura

 

 

 

Ernst Neustadt 
Geburtsdatum:   21.3.1883  
Flucht:   1939 Schottland  
Todesdatum:      25.4.1942 Suizid 

 

Gertrud Neustadt, geb. Stadthagen 
Geburtsdatum:   18.11.1889 
Flucht:    1939 Schottland 
Todesdatum:    20.3.1942 

 

 

 

Stolperstein Friedrich-Ebert-Anlage 22, Neustadt, Ernst
Stolperstein Friedrich-Ebert-Anlage 22, Neustadt, Ernst © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

Stolperstein Friedrich-Ebert-Anlage 22, Neustadt, Gertrud
Stolperstein Friedrich-Ebert-Anlage 22, Neustadt, Gertrud © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

 

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