Salzberger, Georg, Isca, Lore Shulamit, Natalie Charlotte und Ruth

Salzberger, Georg, Isca, Lore Shulamit, Natalie Charlotte und Ruth

Stolperstein-Biographien im Westend

Salzberger, Georg, Isca, Lore Shulamit, Natalie Charlotte und Ruth

 

Georg Salzberger wurde in Culm/Westpreußen als Sohn des Rabbiners Moritz Salzberger und seiner Frau Anna, geb. Freyhan, geboren. Die Familie übersiedelte 1886 nach Erfurt, wo Moritz Salzberger bis 1923 das Rabbineramt bekleidete. Georg Salzberger besuchte seit 1892 das Königliche Gymnasium in Erfurt und legte dort 1902 das Abitur ab. Er studierte von 1901 an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und den Universitäten Berlin und Heidelberg. Gleichzeitig war er Religionslehrer am Königlichen Friedrich-Wilhelms-Gymnasium und Lehrer am Israelitischen Töchterpensionat von Marie Kutnewsky in Berlin.

 

Im Juni 1907 promovierte er in Heidelberg über „Die Salomosage in der semitischen Literatur: ein Beitrag zur vergleichenden Sagenkunde“. 1909 wurde er an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums ordiniert. Er zog 1910 nach Frankfurt und war bis 1938 Rabbiner der liberalen Westend-Synagoge. Von 1914 bis 1918 diente Salzberger als Feldrabbiner bei der 5. Armee des Deutschen Heers. Er erhielt vor Verdun das Eiserne Kreuz.

 

Er lehrte er von 1910 bis 1914 und von 1919 bis 1931 am Frankfurter Philanthropin, wurde Mitglied der Frankfurter Loge des B’nai B’rith, deren Präsident er 1928 wurde. Von 1920 bis 1939 war Salzberger in der Gesellschaft für jüdische Volksbildung als Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender aktiv und beteiligte sich an der Errichtung des Freien Jüdischen Lehrhauses, eines Zentrums der jüdischen Erwachsenenbildung. Dort hielt er gemeinsam mit Franz Rosenzweig und anderen Vorträge. 1934 wurde Salzberger Vorsitzender des neugegründeten Kulturbundes Deutscher Juden für Frankfurt am Main und den Rhein-Main-Bezirk.

 

1917 heiratete Georg Salzberger Nenny Natalie Charlotte Caro, das Paar hatte drei Töchter. Im Jahr 1938 wurde Salzberger in das Konzentrationslager Dachau deportiert und im April 1939 mit seiner Frau und zwei Töchtern Isca und Ruth aus Deutschland ausgewiesen. Sie zogen nach London, wo bereits seine älteste Tochter Lore Shulamit lebte.

 

Lore Salzberger hatte nach dem Abitur in Frankfurt Germanistik in Zürich studiert und zog nach London. Sie setzte ihr Studium in Glasgow, Cambridge und Oxford fort und arbeitete am Girton College in Cambridge. Sie publizierte ein Buch über Hölderlin. Lore heiratete den Ingenieur Adi/Adolph (Adolf) Wittenberg, und hatte mit ihm zwei Söhne. Lore Salzberger-Wittenberg starb 1962. Der am 17. September 1957 in Glasgow geborene Jonathan Wittenberg wurde ein führender Autor und Denker über das Judentum, er ist Masorti-Rabbiner der New North London Synagogue und Mitglied des Elijah Interfaith Institute Board of World Religious Leaders.

 

Ruth Salzberger arbeitete im Zweiten Weltkrieg als Krankenschwester und studierte nach dem Krieg Soziologie und Anthropologie und promovierte in Oxford. Sie arbeitete als Dozentin an der Universität Manchester.

 

Isca Salzberger wurde zunächst Kinderkrankenschwester, studierte dann Sozialwissenschaften in Birmingham und schloss daran eine Ausbildung zur Psychotherapeutin für Kinder und Erwachsene in London an. Sie publizierte mehrere Bücher auf diesem Gebiet. Sie heiratete den Witwer ihrer Schwester Lore und wurde für deren Kinder zur Mutter. Sie lebt in London.
In London war Salzberger Mitbegründer und von 1939 bis 1956 Rabbiner der New Liberal Jewish Congregation (heute Belsize Square Synagoge), der einzigen deutschsprachigen jüdischen Gemeinde in London. In den Jahren des Zweiten Weltkriegs wirkte Salzberger als Rundfunksprecher bei der BBC. Von 1941 bis 1975 war er Vorstandsmitglied der Association of Jewish Refugees (AJR).

 

1950 nahm Salzberger an der Einweihung der wiederaufgebauten Westend-Synagoge in Frankfurt/Main teil und hielt die Hauptansprache. 1956 trat er in den Ruhestand, war aber von 1957 bis 1971 noch als Gastrabbiner in den Jüdischen Gemeinden Berlins und Hamburgs aktiv. Salzberger war Mitglied der World Union for Progressive Judaism, des World Congress of Faiths und des Internationalen Rates der Christen und Juden. Er starb am 19. Dezember 1975 in London.

 

Die Stolpersteine wurden initiiert von Till Lieberz-Groß/Frankfurt und finanziert von ihr, von David, Cornelius Gurlitt und vom Hausbesitzer Martin Koffler.

 

Georg Salzberger
Georg Salzberger © Bildarchiv Vegelahn

 

Georg Salzberger
Georg Salzberger © Bildarchiv Vegelahn

 

Georg Salzberger
Georg Salzberger © Jüdisches Museum Frankfurt

 

Rabbi Jonathan Wittenberg und seine Mutter Isca Salzberger-Wittenberg
Rabbi Jonathan Wittenberg und seine Mutter Isca Salzberger-Wittenberg © Privat - Renata v. Trott

 

Isca Salzberger-Wittenberg

 

 

Georg Salzberger
Geburtsdatum:
23.12.1882
Deportation:
1938 Dachau
Flucht:
April 1939 England

 

Natalie Charlotte Salzberger, geb. Caro 
Geburtsdatum: 11.10.1892 
Flucht:  April 1939 England

 

Lore Shulamit Salzberger 
Geburtsdatum:  27.10.1918
Flucht: April 1939 England

 

Isca Salzberger 
Geburtsdatum:  4.3.1923 
Flucht:  April 1939 England 

 

 

Ruth Salzberger 
Geburtsdatum:  16.9.1920 
Flucht: April 1939 England 

 

 

Stolperstein Eschersheimer Landstraße 67, Georg Salzberger
Stolperstein Eschersheimer Landstraße 67, Georg Salzberger © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

Stolperstein Eschersheimer Landstraße 67, Natalie Charlotte Salzberger
Stolperstein Eschersheimer Landstraße 67, Natalie Charlotte Salzberger © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

Stolperstein Eschersheimer Landstraße 67, Lore Shulamit Salzberger
Stolperstein Eschersheimer Landstraße 67, Lore Shulamit Salzberger © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

Stolperstein Eschersheimer Landstraße 67, Isca Salzberger
Stolperstein Eschersheimer Landstraße 67, Isca Salzberger © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

Stolperstein Eschersheimer Landstraße 67, Ruth Salzberger
Stolperstein Eschersheimer Landstraße 67, Ruth Salzberger © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main