Strauss, Amalie

Strauss, Amalie

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Stolperstein-Biographien im Nordend

Strauss, Amalie

 

Amalie Strauss, geb. Vendig, wurde in Kaiserslautern als Tochter von Raphael Vendig (1835-1917) und Barbara Weinschenk (1828-1908) geboren. Sie heiratete in Kaiserslautern den Börsenmakler Salomon Siegfried Strauss (1861-1912). Mit ihm kaufte sie 1895 das Mehrfamilienhaus Oederweg 57, Ecke Finkenhofstraße, ein Eckappartementhaus mit fünf Stockwerken. Ihre Kinder Julius, Frida und Alfred wurden 1888, 1889 bzw. 1893 in Frankfurt geboren. Alfred starb als Soldat im Ersten Weltkrieg am 15. März 1915 in Min du Pietre in Frankreich. In den späten 1920er Jahren hatte der Zahnarzt Dr. Oppenheimer im Oederweg 57 seine Praxis und Wohnung. Er flüchtete um 1940 nach Seattle/USA.

 

Am späten Abend des 10. November 1938 stürmte eine Horde Nazis die Wohnung von Amalie Strauss. Sie zerschmetterten etliche gerahmte Fotografien, die an der Wand hingen, darunter ein Bild von Alfred, der ein begabter Pianist gewesen war. Als die Nazis zu diesem Bild kamen, sagte Amalie: „Das ist mein Sohn, der im Krieg für Deutschland gestorben ist!“  Aber das veranlasste die Nazis nur, das Bild von der Wand zu reißen und es besonders stark gegen den Boden zu schleudern.

 

Zum 1. März 1939 verkaufte Amalie Strauss das Haus im Oeder Weg für 27.000 RM und zog im Juli 1939 in die Scheffelstraße 11, inzwischen ein „Judenhaus“, in dem antisemitisch Verfolgte vor ihrer Deportation aus Frankfurt konzentriert wurden. Dort wohnte bereits ihre Tochter Frida Stiefel mit ihrer Familie. Amalie Strauss wurde am 10. Januar 1941 wegen „Devisenvergehen“ an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von 3 Tagen zu einer Geldstrafe von 200 Reichsmark verurteilt, da sie bei einigen „Umzugsgütern“ falsche Beschaffungsdaten angegeben hatte. So verließ sie Deutschland als „vorbestraft“. Die Devisenstrafe wurde auf Antrag des Enkels Ernst Rafael Stiefel „im Gnadenweg“ am 20. Juni 1955 erlassen.

 

Im Januar 1941 konnte sie schließlich Deutschland verlassen. Ab Berlin fuhr sie in einem versiegelten Zug-Waggon über Frankreich nach Spanien, von dort in einem normalen Zug nach Lissabon, wo sie sich am 11. Februar 1941 einschiffen konnte. Sie kam stark abgemagert und mit nur einem kleinen Handkoffer in Montevideo an. Keines der aufgegebenen Gepäckstücke erreichte Montevideo. Die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte sie mit der Familie ihres Sohn Julius Strauss.

 

An Frida und Arthur Stiefel und ihre Kinder Siegfried Philipp und Ernst Rafael erinnern Stolpersteine im Reuterweg 59, an Nathan Julius und Rosi Strauss und ihre Kinder Rolf und Ruth Rafael erinnern Stolpersteine in der Scheffelstraße 9.

 

Der Stolperstein wurden initiiert vom Urenkel Rafael Strauss Larralde/Bad Homburg und finanziert von Cornelia Creischer.

 

Amalie Strauss
Amalie Strauss © Privat, Rafael Strauss Larralde

Raphael Vendig,Frida Stiefel, Amalie Strauss und Siegfried Stiefel
Raphael Vendig,Frida Stiefel, Amalie Strauss und Siegfried Stiefel © Privat, Rafael Strauss Larralde

Todesanzeige für Alfred Strauss
Todesanzeige für Alfred Strauss © Privat, Rafael Strauss Larralde

Das Haus Oederweg 57 vor dem Krieg
Das Haus Oederweg 57 vor dem Krieg © Privat, Rafael Strauss Larralde

 

 

Amalie Strauss, geb. Vendig 
Geburtsdatum:
24.10.1862 
Flucht 11.2.1941 Uruguay 

 

 

Stolperstein Oederweg 57, Strauss, Amalie
Stolperstein Oederweg 57, Strauss, Amalie © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

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