Cahen-Brach, Fritz und Katharina

Cahen-Brach, Fritz und Katharina

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Stolperstein-Biographien im Nordend

Cahen-Brach, Fritz und Katharina

Fritz Adolf Cahen-Brach wurde gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Hans in Frankfurt als Sohn der Eheleute Dr. med. Eugen Cahen-Brach und Alice, geb. Bing, geboren. Der Vater Eugen war ärztlicher Leiter des Dr. Christ`schen Kinderhospitals. Hans und Fritz hatten noch einen weiteren Bruder Ernst.

 

Nach dem Besuch der Schule studierte Fritz Medizin in Frankfurt, Göttingen und München. Dazwischen nahm er von 1914 bis 1917 als Kanonier und als Sanitäter beim Reserve Feld-Artillerie-Regiment 21 am Ersten Weltkrieg teil. Ab 1922 arbeitete er in Frankfurt und München. Am 1. Oktober 1924 eröffnete er eine eigene Praxis als Kinderarzt, zunächst in der Rohrbachstraße, später in der Friedberger Landstraße 127 und Friedberger Landstraße 77.

 

Mitte der 1920er Jahre wurde Fritz Cahen-Brach Mitglied der Eintracht Frankfurt. Er spielte  Tennis am Riederwald und war im Vereinsleben fest integriert. In der Festschrift der Tennisabteilung zum Winterfest 1929 wird ein Bowleabend bei Cahen-Brach in einem Gedicht unter dem Titel „Der Maitrunk“ ausführlich beschrieben. Am 15. August 1930 heirateten Fritz und seine langjährige Freundin Katharina Helena Wilhelmine, die von allen nur „Käthe“ genannt wurde. Auch sie war eine begeisterte Sportlerin.

 

Fritz Cahen-Brach wurde 1932 Obmann im Vorstand der Boxabteilung. Sein Engagement brachte ihm den Namen „Boxerfürst“ ein. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Juden durch den Deutschen Boxsportverband bereits am 4. April 1933 die Teilnahme an Wettkämpfen verboten. In den Vereins-Nachrichten vom Mai 1933 gibt die Boxabteilung der Eintracht ihr neues Programm bekannt. Unter Punkt 5 heißt es: „Gemäß Beschlusses des R.B.-Kongresses vom 2. April 1933 (sic) können jüdische Mitglieder in unseren Reihen weder geführt, noch dürfen solche aufgenommen werden.“ Bereits am 25. April hatte eine Generalversammlung der Boxabteilung die Gleichschaltung der Abteilung beschlossen. Der Vorsitzende Willi Renneberg verkündete zum neuen Programm: „Die Abteilung bekennt sich geschlossen zum nationalen Gedanken. Sie steht auch geschlossen hinter der Regierung. In dankbarer Freude wird sich die Abteilung immer daran erinnern, dass dem Sport, den wir betreiben und der jahrelang als roh und unwürdig bekämpft wurde, die jetzige Regierung Anerkennung ausgesprochen und Unterstützung zugesagt hat.“ Im Bericht über die Versammlung wurde der ausgeschiedene Vorsitzende Dr. Cahen-Brach nicht erwähnt. Erst einen Monat später vermeldete der erste Schriftführer Wilhelm Leidekker: „Im Bericht des Monats Mai wurde von mir vergessen, den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern den ihnen gebührenden Dank für die aufopfernde Tätigkeit im Vorstand auszusprechen. Es waren die Herren Dr. Cahen-Brach und Speyer.“

 

Mit Wirkung vom 22. Juni 1933 wird Fritz Cahen-Brach die Krankenkassenzulassung entzogen. Sein Einspruch mit der Begründung, er habe als Frontkämpfer am Ersten Weltkrieg teilgenommen, wird am 19. August 1933 stattgegeben, er erhält die Kassenzulassung zurück.  Doch die antisemitische Hetze sorgte dafür, dass die Praxis in den folgenden  Jahren nur sehr bescheiden aufrecht erhalten werden konnte. Ab 1937 reichten die Erträge der Praxis nicht mehr, den Lebensunterhalt zu finanzieren.

 

Fritz Cahen-Brach bemühte sich seit Anfang 1938 um seine Ausreise und erhielt die Unbedenklichkeitsbescheinigung zur Auswanderung für sich und seine Frau. Große Teile seiner Wohnungseinrichtung und der Arztpraxis verkaufte er in Frankfurt. Die Auflistung des Umzugsguts, zu dem auch rund 300 Bücher seiner Privatbibliothek gehörten, umfasste 17 Seiten. Einige persönliche Gegenstände wie Schmuck, die nicht ausgeführt werden durften, nähte Käthes Mutter in die Kleidung.

 

Am 6. Dezember 1938 reiste Fritz Cahen-Brach zunächst nach Holland, seine Frau Käthe folgte am 13. Januar 1939. Mitte Januar 1939 fuhren die beiden mit dem Schiff nach Los Angeles, wo sie am 26. Februar 1939 ankamen. In Los Angeles musste Fritz Cahen-Brach zunächst von Juni 1939 bis Juni 1940 ein unentgeltliches Medizinalpraktikum absolvieren, da seine Zeugnisse in der neuen Heimat nicht akzeptiert wurden. Das Praktikum absolvierte er in der Klinik „Cedars of Lebanon“. In dieser Zeit arbeitete seine Frau Käthe als „Kinderfräulein“, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.

 

Nach bestandenem Examen erhielt er seine ärztliche Zulassung im Dezember 1940. Unter dem neuen Namen Fred C. Brock ließ er sich im Januar 1941 in der kalifornischen Stadt Burbank als Arzt nieder, arbeitete für die Hollywood Academy of Medicine, das St. Joseph`s Hospital in Burbank und das Cedars of Lebanon Hospital in Los Angeles. Käthe nannte sich fortan Kate. Am 19. Mai 1943 wurde ihr Sohn Steven geboren.

 

Fritz Cahen-Brachs Eltern Eugen und Alice Cahen-Brach und deren Schwester Anna Dreifuss, geb. Bing, wurden  am 18. August 1942 nach Theresienstadt verschleppt, wo alle drei ums Leben kamen. Hans Cahen-Brach flüchtete zunächst nach Frankreich und wurde am 4. März 1943 nach Majdanek deportiert und dort ermordet. Dem Zwillingsbruder Ernst gelang noch die Flucht in die USA, er starb 1993 in Philadelphia.

 

Steven und seine Frau Trish Brock haben zwei 1972 und 1976 geborene Töchter Nicole und Stephanie. Fritz Cahen-Brach/Fred C. Brock starb 1989, Käthe/Kate 1994.

 

Die Stolpersteine wurden initiiert von Matthias Thoma, Leiter des Eintracht Frankfurt-Museums.

 

Bei der Verlegung anwesend waren Trish Brock, Enkelin von Fritz Cahen-Brach/USA, und Ulla Schwieker, eine Nichte, die in Frankfurt lebt.

 

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Fred und Käthe (im Auto) Cahen-Brach © privat/Matthias Thoma
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Kate, Trish, Steve, unbekannte Person, Fred Cahen-Brach, 1968 © privat/Matthias Thoma
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Eintracht-Winterfest 1929 © privat/Matthias Thoma

 

Fritz Adolf Cahen-Brach

Geburtsdatum:

Flucht:

31.12.1897

1939 USA

 

 

Katharina Cahen-Brach, geb. Schwieker

Geburtsdatum:

Flucht:

22.3.1905

1939 USA

 

 

 

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Stolperstein Friedberger Landstraße 77 Fritz Cahen-Brach © Initiative Stolpersteine Stadt Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

 

 

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Stolperstein Friedberger Landstraße 77 Katharina Cahen-Brach © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

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