Maier, Max Hermann, Mathilde und Margarethe

Maier, Max Hermann, Mathilde und Margarethe

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Stolperstein-Biographien im Nordend

Maier, Max, Hermann, Mathilde und Margarethe

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Max und Mathilde Maier © privat/Margaret West, Foto: Keine Angabe

Max Hermann Maier wurde in Frankfurt als jüngerer Sohn des Deutsche Bank-Direktors Hermann Maier und seiner Frau Caecilia geboren. Nach dem Besuch des Lessing-Gymnasiums ab 1901 und dem Abitur studierte er Rechtswissenschaften und Nationalökonomie in Freiburg, München, Berlin und Kiel. Nach dem Referendariat dort wechselte er nach Herborn - kurz -, denn im August 1914 wurde er „zu den Waffen gerufen“ und leistete als Frontsoldat bis Kriegsende Dienst; er war in Russland und Frankreich eingesetzt und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

 

Glücklich unverwundet ins Elternhaus in der Hochstraße 6 zurückgekehrt, wurde er Referendar beim Landgericht und promovierte Anfang der 1920er Jahre in Köln. Im Sommer heiratete er die Chemikerin Mathilde Wormser, die an der Frankfurter Universität promoviert wurde. Max Hermann Maier ließ sich als Anwalt nieder, Mathilde erledigte die Büroarbeit. Daneben wirkte er im Ausschuss für Volksvorlesungen und in gemeinnützigen Stiftungen und Institutionen, so in der Aktienbaugesellschaft für kleine Wohnungen. Mathilde engagierte sich ebenso im sozialen Bereich, sie war Gründerin und Vorsitzende der Erwerbslosen-Küchen, die in der Zeit der Weltwirtschaftskrise gegen ein symbolisches geringes Entgelt zahllose Frankfurter mit Essen versorgte. Die Kanzlei lief gut, Max Hermann Maier vertrat neben privater Klientel auch städtische Gesellschaften, Vereine, Verbände, Stiftungen.

 

1926 konnten er und Mathilde das vom Frankfurter Architekten Franz Roeckle erbaute Haus Kleebergstraße 3 beziehen. Nach der „Machtergreifung“ konnte Max Hermann Maier, weil „Frontkämpfer“, zunächst noch weiter seinen Beruf ausüben, er arbeitete zusammen mit dem Rechtsanwalt Dr. Max Cahn, der 1945 der einzig überlebende jüdische Anwalt in Frankfurt sein sollte. 1936 übernahm Max Hermann Maier die Leitung der Beratungsstelle des jüdischen Hilfsvereins für Hessen-Nassau und Hessen, wo Auswanderungswillige Informationen und Hilfe bekamen. Ende 1937/Anfang 1938 nahmen Max Hermann und Mathilde Maier die minderjährige Tochter seines Bruders Hans bei sich auf. Hans Maier hatte sich wenige Monate nach dem Tod seiner Frau und angesichts von Verfolgung und Demütigung im Dezember 1937 das Leben genommen. Margarethe, „Gretel“, wurde dem kinderlosen Paar zur Ersatztochter, mitbetreut von der Quäkerin Else Wüst, die Max Hermann und Hans Maier seit langem durch soziale Tätigkeit verbunden war und deren Hilfe und Widerstand in Frankfurt Geschichte geschrieben haben. Gretel absolvierte 1938 am Bodensee, in Horn auf der Halbinsel Hoeri, eine gartenbauliche Ausbildung bei Dr. Erich Bloch, eine Art Hachschara.

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Hanna Maier © privat/Margaret West, Foto: Keine Angabe

Max Hermann Maier, der Auswanderungswillige beriet und zum Teil mit großem eigenen Risiko Hilfe zur Flucht leistete, wurde mehrfach zu Gestapo-Verhören vorgeladen. In der „Kristallnacht“ gelang ihm mit Frau und Nichte mit Hilfe von nichtjüdischen Freunden die Flucht über Holland per Schiff nach Brasilien. Dort hatte Maier 1935 ein Stück Urwaldland erworben, um sich gegebenenfalls der Siedlung Rolandia im Südosten des Landes anschließen zu können. Sie ließen sich in dieser deutschen Kolonie nieder und blieben bis an ihr Lebensende dort; Gretel wanderte nach Kriegsende weiter in die USA, wo ihre beiden Geschwister Hanna und Heiner/Henry schon lebten, und wohnte bis zu ihrem Tod in Pasadena/ Kalifornien. Sie arbeitete im erzieherischen Bereich und war eines der ersten Mitglieder des US Peace Corps, ging dafür nach Tansania.

 

Max Hermann Maier – lebenslang befreundet mit Anne Franks Vater Otto – besuchte in der Nachkriegszeit mehrfach seine Heimat, er hielt Vorträge an Schulen, um Jugendliche über den Nationalsozialismus aufzuklären. Eine Berufung als hoher Richter in der BRD schlug er indes aus. In Frankfurt brachte er auf den Weg, dass das Grab seines Bruders Hans Maier zum Ehrengrab der Stadt Frankfurt wurde.

 

Die Stolpersteine wurden initiiert von Hanna und Dieter Eckhardt

 

Bei der Verlegung anwesend waren Margaret West und Nic Vermeulen, Seattle/USA; Dr. Elke Koch-Weser Ammassari, Rom/Italien, Dr. Maritta und Erich Koch-Weser, Potsdam

 

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Max und Mathilde Maier © privat/Margaret West, Foto: Keine Angabe

 

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Max Maier, 1. Reihe, 4. von links, Obersekunda 1908 © privat/Margaret West, Foto: Keine Angabe

 

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Hans und Max Maier,um 1910 © privat/Margaret West, Foto: Keine Angabe

 

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Max Maier und Otto Frank, 1972 © privat/Margaret West, Foto: Keine Angabe

 

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Mathilde Maier in Rolandia © privat/Margaret West, Foto: Keine Angabe

 

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Margarethe Maier © privat/Margaret West, Foto: keine Angabe

 

Max Hermann Maier

Geburtsdatum:

Flucht:

25.6.1891

10.11.1938 Brasilien

 

Mathilde Maier, geb. Wormser

Geburtsdatum:

Flucht:

14.7.1896

10.11.1938 Brasilien

 

Margarethe Maier

Geburtsdatum:

Flucht:

25.2.1921

10.11.1983 Brasilien

 

 

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Stolpersteine Kleebergstraße 3, Max Hermann Maier © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

 

 

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Stolpersteine Kleebergstraße 3, Mathilde Maier © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

 

 

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Stolpersteine Kleebergstraße 3, Margarethe Maier © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

 

 

 

 

 

 

 

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