Bodenheimer, Rebecka, Irma, Georg und Hans sowie Blancke, Otto

Bodenheimer, Rebecka, Irma, Georg und Hans sowie Blancke, Otto

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Stolperstein-Biographien im Nordend

Bodenheimer, Rebecka, Irma, Georg und Hans sowie Blancke, Otto

 

Irma Bodenheimer wurde in Heidelberg, ihre Mutter Rebecka Bodenheimer, geb. Spier, in Frankfurt geboren. Der Lebensgefährte von Irma Bodenheimer, Otto Blancke, war aus Hameln und der Sohn von Nathan und Natalie Blancke. Irma Bodenheimer und Otto Blancke hatten die Zwillingssöhne Hans und Georg. Otto Blancke arbeitete während der Woche in einer Bank in Köln und wohnte dort in der Jülicher Straße 9. Vor dem Haus erinnert ein Stolperstein an ihn. Die Familie lebte zunächst in der Dahlmannstraße 17, ab November 1932 in der Würzburger Straße 4, ab Juli 1938 im Baumweg 23, einem „Judenhaus“, in dem rund 30 Personen lebten, die Opfer des Holocaust wurden.

 

Die Zwillinge gingen in den Kindergarten der kleinen Synagoge im Baumweg 5, wurden dann in die Grundschule des Philanthropins eingeschult und wechselten am 10. April 1934 in das jüdische Jungen-Heim der Flersheim-Sichel-Stiftung in der Ebersheimstraße 5 in Frankfurt-Eschersheim. Die Familie lebte traditionell, aber nicht streng religiös, und besuchte die Synagoge an der Friedberger Anlage.

 

Hans und Georg konnten mit einem Kindertransport in Sicherheit gebracht werden. Nach Erinnerung von Hans wurden sie von der Mutter und Großmutter zum Frankfurter Hauptbahnhof gebracht, der Vater verabschiedete sich von ihnen bei ihrem Zwischenstopp auf dem Kölner Hauptbahnhof. Sie waren Teil der Reisegruppe unter Leitung ihres Heimleiters Hugo Steinhardt, die von einem Zweig der Rothschild-Familie im Landhaus „The Cedars“ im Dorf Waddesdon aufgenommen wurde. Die Gruppe wurde nun „Cedar Boys“ genannt.

 

Zu den mit der Familie Steinhardt mitgereisten 21 Jungen kamen später noch weitere fünf dazu. In „The Cedars“ war Hans Bodenheimer viel mit seinem Freund Ulrich Stobiecka zusammen; die beiden waren zuständig für die Hühner und das Eier sammeln. An Ulrich Stobieckas Mutter Ruchel Stobiecka erinnert ein Stolperstein in der Seumestraße 7. Nach und nach verließen die „Cedar Boys“ ihre Heim-Familie, zum Teil konnten sie auch zu ihren in die USA geflüchteten Eltern weiterreisen. Georg wurde krank und musste langfristig zur ärztlichen Behandlung nach London; auch diese Kosten übernahm die Familie Rothschild. Georg starb 1996 in England.

 

Hans besuchte die dörfliche „Church of England School“, lernte anschließend beim Schlossgärtner in Waddesdon Manor. Nach dem Tod von Hugo Steinhardt im Jahre 1942 wurde seine Frau Lilly „Oberhaupt“ der „Cedar-Familie“. Hans lebte mit ihrer Familie in der Princess Lodge bis zu seiner Ausreise/Aliyah nach Israel 1951.

 

In Israel zog Hans in das Dorf seines Freundes Ulrich Stobiecka (hebräisiert: Uri Sella) in das Dorf Kfar Daniel. Hans wurde zu Hanan. Er arbeitete etliche Jahre vor allem in der Landwirtschaft im Moshav Kfar Daniel. Bei den Rothschilds wurde er Platzwart eines neuen Golfplatzes in Caesarea. Er baute ihn mit aus, bis er 1961 von James de Rothschild eröffnet wurde. Hier arbeitete Hans bis 1979. Danach baute er sich eine eigene Gartenfirma auf und war viele Jahre Berater für die Dan Hotel-Kette in Israel. 1973 hatte er in Caesarea Gloria geheiratet, die gerade als junge Witwe mit drei Kindern nach Israel gekommen war. Hans und Gloria leben in Bitan Aharon in Israel.

 

Otto Blanckes Bruder Oskar (Jg. 1879) und seine Schwester Henriette (Jg. 1885) wurden von Berlin aus deportiert, Henriette nach Piaski, Oskar über Theresienstadt nach Auschwitz. Beide wurden ermordet. Auch Irma Bodenheimers Schwestern wurden von Berlin aus deportiert: Tilly (Jg. 1892) am 17. November 1941 nach Kaunas und dort am 25. November 1941 ermordet, Sylvia Martha Bodenheimer (Jg. 1893) am 19.1.1941 nach Riga, ihre Todesdaten und Todesorte sind unbekannt.

 

Die Stolpersteine wurden initiiert von Hans/Hanan Bodenheimer und finanziert von Bettina von Bethmann, Doris Franzmann, Till Lieberz-Groß und dem Taunusklub. Bei der Verlegung sind Hans Bodenheimers Söhne Derek und Ari Buchler anwesend.

 

Literatur: Till Lieberz-Groß, Die Kinder der Flersheim-Sichel-Stiftung, in: Rettet wenigstens die Kinder – Kindertransporte aus Frankfurt am Main – Lebenswege geretteter Kinder, hrsg. von Rieber/ Lieberz-Groß, Frankfurt 2018).

 

 

Rebecka Bodenheimer, geb. Spier 
Geburtsdatum:  1.10.1868 
Deportation:    1.9.1942 Theresienstadt, 29.9.1942 Treblinka
Todesdatum  Unbekannt

 

Irma Bodenheimer 
Geburtsdatum:  2.5.1891 
Deportation:  1941 unbekannt 
Todesdatum:  Unbekannt 

 

Otto Blancke 
Geburtsdatum:  20.9.1876 
Deportation:  ab Köln 22.10.1941 Litzmannstadt/Lodz, 09.05.1942 Kulmhof/Chelmno 
Todesdatum:  Mai 1942  

 

Hans Bodenheimer 
Geburtsdatum:  2.10.1927 
Flucht:   15.3.1939 England Kindertransport 

 

Georg Bodenheimer 
Geburtsdatum:  2.10.1927 
Flucht:  15.3.1939 England Kindertransport 


 

 

Stolperstein Baumweg 23, Bodenheimer, Rebecka
Stolperstein Baumweg 23, Bodenheimer, Rebecka © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

Stolperstein Baumweg 23, Bodenheimer, Irma
Stolperstein Baumweg 23, Bodenheimer, Irma © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

Stolperstein Baumweg 23, Blancke, Otto
Stolperstein Baumweg 23, Blancke, Otto © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

Stolperstein Baumweg 23, Bodenheimer, Georg
Stolperstein Baumweg 23, Bodenheimer, Georg © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

Stolperstein Baumweg 23, Bodenheimer, Hans
Stolperstein Baumweg 23, Bodenheimer, Hans © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

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