Schreier, Bernhard (Baruch)

Schreier, Bernhard (Baruch)

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Stolperstein-Biographien im Nordend

Schreier, Bernhard (Baruch)

Baruch (Bernhard) Schreier, in Gwozdziec/Polen geboren, kam mit 13 Jahren nach Berlin. Er siedelte nach dem 1. Weltkrieg nach Frankfurt am Main über, wo er mit seiner Ehefrau, die er 1920 geheiratet hatte, einen Zigarrenladen betrieb. Das Ehepaar hatte zwei Kinder.

Schreier war bereits länger in der Gewerkschaftsbewegung tätig: nach der Machtergreifung engagierte er sich in der RGO, der Revolutionären Gewerkschaft-Organisation in Frankfurt. Nach dem Verbot der KPD bildeten sich Organisationen, die im Untergrund die Ziele der KPD weiterverfolgten: neben der RGO die Rote Hilfe, die Internationale Arbeiterhilfe u.a. Die geheimen Strukturen umfassten die Herstellung und Verteilung von Druckschriften, Werbung von Mitgliedern, Kassenwesen, Treffen Gleichgesinnter.

 

Viele Mitglieder dieser Gruppierung wurden verhaftet und verurteilt. Bernhard Schreier selbst wurde im März 1935 gefasst und mit anderen (Prozess gegen Glaab und andere) durch Urteil des Strafsenats des Oberlandesgerichts in Kassel im November 1935 zu 8 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, nicht nur Kassierer der RGO, sondern maßgeblicher Funktionär, nämlich Bezirksleiter, zu sein. Er habe mit sämtlichen kommunistischen Funktionären in Frankfurt in Verbindung gestanden und sei bei der Verbreitung von Druckschriften aktiv gewesen. Dies alles sei Vorbereitung zum Hochverrat.

 

Schreier verbüßte die Strafe in Kassel-Wehlheiden, später im Zuchthaus Werl, im Zuchthaus Herford und bis 1942 wieder in Kassel-Wehlheiden. Die Gefängniskarte trägt den Hinweis „Funktionär" und „polnisch hebräisch". Am 01.12.1942 wird Baruch Schreier als Schutzhäftling nach Auschwitz deportiert, er kam dort oder in einem anderen Lager ums Leben. Die Ehefrau konnte 1939 mit den Kindern nach England emigrieren.

 

Der Stolperstein wurde initiiert von der Enkelin Jenny Lozek/Berlin An der Verlegung nahmen sie, Rosa Todten (Enkelin), Jenny Norman (Enkelin), Claudia Lozek (Urenkelin) und Esther Mellahn (Urenkelin), alle Berlin, teil.

 

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Baruch Schreier © privat / Jenny Lozek, Foto: keine Angaben

 

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Baruch Schreier © privat / Jenny Lozek, Foto: keine Angaben

 

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Baruch Schreier © privat / Jenny Lozek, Foto: keine Angaben

 

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Gedenkblatt für Baruch Schreier in Yad Vashem, Jerusalem © privat / Jenny Lozek, Foto: keine Angaben

Bernhard (Baruch) Schreier 

Geburtsdatum:

Deportation:

Todesdatum:

09.01.1894

01.12.1943 nach Auschwitz

unbekannt

 

Quelle

Literatur:
Mausbach-Bromberger, Barbara: Arbeiterwiderstand in Frankfurt am Main. Gegen den Faschismus 1933-1945, Frankfurt am Main 1976
Axel Ulrich: Politischer Widerstand gegen das „Dritte Reich" im Rhein-Main-Gebiet. Wiesbaden 2005.

 

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Stolperstein Bäckerweg 19 Baruch Schreier © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

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