Kleinberger, Ignatz, Henriette und Karl

Kleinberger, Ignatz, Henriette und Karl

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Stolperstein-Biographien im Nordend

Kleinberger, Ignatz, Henriette und Karl

Ignatz (Isaac) Kleinberger wurde in Bochnia in Österreich/später Polen, Henriette Kleinberger, geb. Gapp, in Kettenschwalbach in Rheinhessen geboren. Die Ehe der beiden blieb kinderlos, doch nahmen sie den Großneffen Karl bei sich auf. 

 

Karl und seine Zwillingsschwester Esther Edith waren zur Jahreswende 1924/25 in Frankfurt geboren. Die Mutter der Zwillinge, erholte sich nie wieder von der schweren Geburt und starb nach jahrelanger Krankheit 1931. Esther Edith wurde wegen der Erkrankung der Mutter im Israelitischen Waisenhaus im Röderbergweg untergebracht, Karl kam zu seinem Großonkel und erlebte eine glückliche Kindheit bei seinen Pflegeeltern in der Bergerstraße 72. 

 

Ignatz (Isaac) Kleinberger gehörte im Gegensatz zum väterlichen Großvater und dem größten Teil der Verwandtschaft der eher liberalen Richtung der Jüdischen Gemeinde an und besuchte die Hauptsynagoge in der Börnestraße. Dort erhielt Karl auch seine Bar Mitzwa. Streit gab es in der Familie um die Frage, in welche weiterführende Schule der Junge gehen sollte. Onkel Ignatz meldete ihn in der liberalen Schule Philanthropin an, während der Großvater die orthodoxe Hirsch-Realschule favorisierte. Schließlich gab es einen Kompromiss: Karl besuchte die liberale Schule, ging aber zusätzlich zum Religionsunterricht in einen traditionellen Cheder. 

 

Die Familie stammte ursprünglich aus dem zu Österreich-Ungarn zugehörigen Galizien. Um die Jahrhundertwende war sie nach Frankfurt gekommen. Nach dem Versailler Vertrag wurden die Familienmitglieder polnische Staatsbürger. Bei der „Polenaktion“ wurden rund 17.000 Juden mit polnischer Staatsbürgerschaft verhaftet, ausgewiesen und gewaltsam zur polnischen Grenze verbracht. Auch Ignatz und Karl Kleinberger wurden am 29. Oktober 1938 verhaftet und gewaltsam zur polnischen Grenze verbracht.

 

Während Ignatz Kleinberger und die meisten Verwandten bereits auf polnischer Seite waren, gehörte Karl zu denjenigen, die vom Übergang in Beuthen nach einigen Tagen wieder nach Frankfurt zurückgeschickt wurden. 

 

Henriette Kleinberger war von der „Polenaktion“ aufgrund ihrer christlichen Herkunft nicht betroffen. Sie sah keine Möglichkeit einer Rückkehr ihres Mannes und folgte ihm nach Krakau. Karl kam in das Israelitische Waisenhaus. Mit der letzten Jugendgruppe im Oktober 1940 konnte Karl auf abenteuerlichen Wegen über den Balkan nach Palästina flüchten, wo er sich später Kalman Givon nannte. Diese illegale Rettungsaktion hatte Recha Freier, die Gründerin der Jugend-Aliyah, organisiert. Esther Edith konnte 1940 nach Palästina fliehen.

 

Ignatz und Henriette Kleinberger wurden nach Angaben von Yad Vashem im Warschauer Ghetto ermordet, der Großvater war zuletzt im Ghetto in Bochnia (Salzberg).

 

Die Stolpersteine wurden von Angelika Rieber/Oberursel initiiert und von Johanna Tietze finanziert.

 

Literatur: Angelika Rieber, „Zagreb, 11.12.40, Lieber Pappa und Bruder". Karl Kleinberger, später Kalman Givon. In: Rettet wenigstens die Kinder – Kindertransporte aus Frankfurt am Main, 2018, S. 147

 

Karl, Ignatz, und Henriette Kleinberger sowie Karls Pflegeschwester (von rechts nach links)
Karl, Ignatz, und Henriette Kleinberger sowie Karls Pflegeschwester (von rechts nach links) © privat

 

Dina und Kalman Givon 2010 in Israel
Dina und Kalman Givon 2010 in Israel © privat

 

 

 

Ignatz (Isaac) Kleinberger 
Geburtsdatum:   22.1.1886 
Deportation:   29.10.1938 „Polenaktion“, Getto Warschau 
Todesdatum:   unbekannt 

 

Henriette Kleinberger, geb. Gapp 
Geburtsdatum:   29.3.1877 
Ausreise:  1940 Krakau, Getto Warschau 
Todesdatum:  unbekannt 

 

Karl Kleinberger 
Geburtsdatum:  1.1.1925 
Flucht:  Oktober 1940 Palästina 

 

 

 

Stolperstein Bergerstraße 72, Kleinberger, Ignatz
Stolperstein Bergerstraße 72, Kleinberger, Ignatz © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

Stolperstein Bergerstraße 72, Kleinberger, Henriette
Stolperstein Bergerstraße 72, Kleinberger, Henriette © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

Stolperstein Bergerstraße 72, Kleinberger, Karl
Stolperstein Bergerstraße 72, Kleinberger, Karl © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

 

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