Behrens, Max

Behrens, Max

header image

Stolperstein-Biographien im Nordend

Behrens, Max

Max Behrens entstammte einer Hamburger Journalisten-Familie. Sein Vater war 46 Jahre lang Redakteur beim „Hamburger Anzeiger“. Behrens besuchte in Hamburg die Schule und machte sein Abitur, danach diente er als Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg. Nach dem Krieg arbeitete er beim „Hamburger Anzeiger“, 1920 zog er nach Frankfurt, wo er zunächst als Journalist für das „Sport-Echo“ arbeitete. Er bezog eine kleine Wohnung in der Rotteckstraße 2, später dann in der Offenbacher Landstraße. Schnell wurde der „dicke Max“ in Frankfurt eine Institution. Er schrieb unter anderem für den „Frankfurter Generalanzeiger“,  die „Frankfurter Zeitung“, den „FN-Sport“, die „Frankfurter Nachrichten“ und auch für die „Vereins-Nachrichten“ der Eintracht. Die Zeitzeugin Hilde Kremer erinnert sich, dass der „dicke Max“ selbst aus einem langweiligen 0:0 im Stadion noch einen großartigen Bericht machte, damit sich das Zeilenhonorar zumindest ein wenig für ihn lohnte. 

 

Behrens, der in Frankfurt nur als das „wandelnde Fußballlexikon“ galt, wurde 1929 von Eintracht Frankfurt mit der Ehrennadel des Vereins ausgezeichnet. Aber Max interessierte sich nicht nur für Sport. Er schrieb auch über lokale Themen und war seit 1926 Korrespondent für die Filmfachzeitschrift „Die Lichtbildbühne“, die in Berlin erschien. 

 

Von den Nationalsozialisten wurde Max Behrens als Jude verfolgt. Am 16. November 1936 wurde er wegen angeblicher „Rassenschande“ in Untersuchungshaft genommen. Am 22. Dezember 1936 verurteilte ihn die 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Frankfurt wegen „Rassenschande in zwei Fällen“ zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Max blieb bis zum 22. Juni 1939 im Gefängnis, unter anderem im Zuchthaus Freiendietz und in Butzbach.

 

Nach seiner Entlassung wurde Max Behrens auferlegt, er müsse innerhalb einer Woche ausreisen, sonst werde er in ein Konzentrationslager gebracht. Edwin Van D`Elden aus em US-Konsulat in Stuttgart organisierte das lebenswichtige Visum. Nach dem Krieg berichtet Max`s Schwester Hertha, dass ihr Bruder am 11. oder 12. Juli 1939 von Hamburg aus mit der Hamburg-Amerika-Linie nach New York floh. Das Geld für die Flucht hatte er sich bei seiner zweiten Schwester Grete, die bereits in den USA lebte, geliehen. Der einst wohlhabende Max Behrens war längst mittellos. 

 

Max Behrens, durch die fast dreijährige Haft gesundheitlich schwer angeschlagen, musste als Hilfsarbeiter Geld verdienen. Erst 1945 fand er eine Stelle bei der „New Yorker Staatszeitung“ als Sportreporter. 1947 heiratete Max Behrens seine wie er aus Hamburg stammende Freundin Irma. 

 

Zum 50. Geburtstag des FSV Frankfurt schrieb Max Behrens 1949 für die Festschrift der Bornheimer einen Beitrag mit dem Titel „Ein New Yorker an seine alten ‘Bernemer‘“. Darin klagt er über den Fußball in seiner neuen Heimat: „Wenn ich an den amerikanischen Fußball denke, so habe ich Heimweh nach dem deutschen. Zwar sind wir hier vom Deutsch-Amerikanischen Fußballbund der wohl größte und best organisierte Amateur-Verband der Staaten, aber leider ist ‚Soccer‘ immer noch eine Art Aschenbrödel in USA, und Baseball und amerikanischer Fußball sind Könige.“ Im gleichen Jahr wird er von der Eintracht wieder mit der Ehrennadel ausgezeichnet. Max Behrens war Mitglied im Deutsch-Amerikanischen Fußballverbund und war beauftragt, Touren populärer deutscher Mannschaften durch Amerika zu organisieren, um dem Fußball in den USA zu Popularität zu verhelfen und um der Völkerverständigung mit Deutschland zu dienen. 1950 reiste der Hamburger SV als erste deutsche Fußballmannschaft während einer „Good-Will-Tour“ durch Amerika. 1951 kümmert sich Max Behrens darum, dass die „Eintracht“ nach Amerika fliegen kann. Den Freunden vom FSV wird das nicht gefallen haben, hatte Max Behrens doch in dem Festschriftbeitrag eine mögliche Reise des FSV anklingen lassen. Aus der erfolgreichen Gastspielreise der Eintracht durch die USA konnten die Spieler eine Spende in Höhe von 50.000 Dollar mitbringen – das Geld bildete den Grundstein für die neue Tribüne am Riederwald. 

 

Max Behrens starb am 12. November 1952 in New York. Nach Aussage von Dr. Max William Kulik, einem Sportfreund aus Frankfurter Tagen, stand der frühe Tod in unmittelbarem Zusammenhang mit Spätfolgen seiner Verfolgung in Deutschland. Kulik berichtete: „Als ich ihn nach Jahren in New York in meiner hiesigen Praxis wiedersah, fand ich ihn vorzeitig hochgradig gealtert, nervös und immer noch seelisch bedrückt von den furchtbaren Erlebnissen der Rassenverfolgung, durch die er hindurchgehen musste. Er klagte sehr über Brust- und Schulterschmerzen, die einwandfrei als Angina pectoris gedeutet werden mussten. ... Bei dieser Untersuchung wurde ebenfalls eine sehr starke unkontrollierte Zuckerkrankheit festgestellt. Beide Krankheiten, die Aderverkalkung mit Angina pectoris und die Zuckerkrankheit setzen zu ihrer zufriedenstellenden Behandlung seelische und nervliche Ruhe voraus, einen Zustand, den Herr Behrens auf Grund der Nachwirkungen der jahrelangen Verfolgungsmaßnahmen unter dem Nazi-Regime niemals hat erreichen können, sodass er schließlich in einem Anfall von Kranz-Nervverschluss vorzeitig sein Leben beschließen musste.“ Auch Marsh Mc Call, der Direktor des Beekman Downtown Hospital bestätigte, dass Behrens Erkrankung eine Nachwirkung der Haftzeit in Deutschland war. Irma Behrens versuchte nach dem Tod ihres Mannes vergeblich eine Entschädigung nach dem Bundesentschädigungsgesetz zu erwirken. Der Antrag wurde am 9. April 1959 abgelehnt. 

 

In Frankfurt widmete man Max Behrens ehrenvolle Nachrufe, so die Frankfurter Rundschau:  „Wir wissen, dass viele alte Fußballer jetzt einen Augenblick trauern um diesen Mann, der in Frankfurt so viele Freunde besaß. Der gute, dicke Max hat unter denen, die ihn kannten, nicht einen Gegner besessen, und es musste ein ‚Rassenproblem´ auftauchen, um ihn aus der Stadt seiner Freunde zu vertreiben. Freiwillig wäre der Max nie fortgegangen. Sein Werk waren die Besuche deutscher Fußballmannschaften in den USA.“ 

 

Der Stolperstein wurde initiiert von Matthias Thoma, Leiter des Eintracht-Museums und finanziert von Eintracht Frankfurt.

 

 

Max Behrens (links) während einer Amerikareise mit Willi Balles, Spielausschussvorsitzender der Eintracht Frankfurt
Max Behrens (links) während einer Amerikareise mit Willi Balles, Spielausschussvorsitzender der Eintracht Frankfurt © Eintracht Frankfurt

 

 

 

Max Behrens 
Geburtsdatum:   18.12.1897 
Haft:   6.11.1936, „Rassenschande“, Gefängnisse Freiendiez und Butzbach 
Flucht:   1939 USA 

 

 

 

 

 

Stolperstein Rotteckstraße 2, Behrens, Max
Stolperstein Rotteckstraße 2, Behrens, Max © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

 

inhalte teilen