Carlebach, Emil und Liesel

Carlebach, Emil und Liesel

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Stolperstein-Biographien im Nordend

Carlebach, Liesel und Emil

Liesel und Emil Carlebach wurden in Frankfurt am Main geboren. Ihre Eltern waren Moritz und Sophie Carlebach, geb. Runkel. Emil Carlebach lebte während des Ersten Weltkrieges, in dem sein Vater als Soldat kämpfte und seine Mutter sich als Krankenschwester für die Front meldete, größtenteils bei seinen Großeltern mütterlicherseits, die ein Weingut in Landau (Pfalz) besaßen. Nach dem Krieg besuchte er, wie seine Schwester Liesel rund zehn Jahre später, die Samson-Raphael-Hirsch-Schule und bestand an der Klinger-Oberrealschule sein Abitur.

 

Die Hinrichtung der beiden Arbeiter Sacco und Vanzetti 1927 in den USA prägte Emil Carlebach so sehr, dass er sich politisch umorientierte und entgegen des Willens seiner Eltern dem Sozialistischen Schülerbund beitrat, 1931 dann dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) und ein Jahr später der KPD. Im Januar 1934 wurde er wegen der Verbreitung illegal gedruckter Zeitungen verhaftet und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, die er größtenteils im Zuchthaus Hameln absitzen musste.

 

1937 wurde Emil Carlebach in Dachau, ab 1938 in Buchenwald inhaftiert. Dort traf er auch auf seinen Vater, der im Zuge der Novemberpogrome 1938 ebenfalls nach Buchenwald verschleppt wurde, nach einigen Wochen Haft jedoch wieder freikam. Bei diesem Zusammentreffen drängte Emil seinen Vater, die Schwester Liesel aus dem Land und in Sicherheit zu bringen. Liesel Carlebach konnte 1939 mit einem der letzten Kindertransporte nach England fliehen.

 

Moritz war nach seiner Rückkehr aus Buchenwald ein gebrochener Mann und nahm sich kurz nach Liesels’ Abreise das Leben. Seine Ehefrau Sophie Carlebach hielt Kontakt zu ihrer Tochter und schickte ihrem Sohn Briefe nach Buchenwald. Im Mai 1942 wurde sie in die Region Lublin deportiert und ermordet.

 

In Buchenwald war Emil Carlebach Blockältester im jüdischen Häftlingsblock und Teil der illegalen Widerstandsorganisation im Lager, die beim Näherkommen der US-Armee und dadurch fliehenden SS-Leuten am 11. April 1945 die Selbstbefreiung des Lagers erkämpfte.

 

Nach seiner Rückkehr nach Frankfurt wurde Emil Carlebach im August 1945 Mitbegründer und Mitherausgeber der „Frankfurter Rundschau“. Zwei Jahre später wurde er jedoch auf Betreiben der US-Militärbehörde amtsenthoben, weil er Kommunist war. Er wurde 1946 Abgeordneter der KPD im hessischen Landtag und arbeitete an der hessischen Landesverfassung mit. 1948 wurde er Stadtverordneter in Frankfurt, war Mitbegründer der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes" (VVN), Delegierter der "IG Druck und Papier", Redakteur der Wochenzeitung „Die Tat“, Vorsitzender des Häftlingsbeirats der Gedenkstätte Buchenwald und stellvertretender Präsident des „Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos“.

 

1951 heiratete er die Stenotypistin Ursula Siewert, 1955 wurde ihre Tochter geboren. Nach dem Verbot der KPD 1956 flüchtete die Familie in die DDR und er wurde Mitarbeiter des „Deutschen Freiheitssenders 904“. Nach seiner Rückkehr in die Bundesrepublik 1969 war er bis zu seinem Tod in verschiedenen Funktionen für die VVN-BdA, die DKP und die Deutsche Journalisten-Union (dju) tätig. Wegen seines Widerstandes gegen den Nationalsozialismus wurde Emil Carlebach 1991 mit der Johanna-Kirchner-Medaille der Stadt Frankfurt am Main ausgezeichnet. Sein Leben lang setzte er sich dafür ein, über die Ursprünge und Gefahren des Faschismus zu berichten und dagegen zu kämpfen. Er starb am 9. April 2001 in Frankfurt und wurde auf dem Hauptfriedhof beerdigt.

 

Liesel Carlebach war nach ihrer Flucht als Kindermädchen bei einer Familie in Coventry, England, tätig. Nach Kriegsende arbeitete sie bei der US-Botschaft in London und dann bei der US-Army in Esslingen bei Stuttgart. Hier lernte sie Arnold James Edwards (ehemals Arnold J. Eckhaus) kennen, den sie 1947 in Frankfurt am Main heiratete. Das Paar kehrte wieder nach England zurück, zog 1949 nach Kanada und 1952 nach Los Angeles, wo Liesel noch heute lebt. Arnold James Edwards starb 2005 in Camarillo, USA.

 

Liesel Edwards, geb. Carlebach reist seit Jahren an verschiedene Orte in den USA, um ihre Geschichte zu erzählen, ihre Erfahrungen weiterzugeben und junge Menschen über die Zeit des Nationalsozialismus aufzuklären.

 

Die Stolpersteine wurden initiiert von Lena Sarah Carlebach, Frankfurt (Enkelin von Emil Carlebach).

 

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Liesel, Sophie und Emil Carlebach, um 1939 © privat/Lena Sarah Carlebach, Foto: Keine Angabe
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Hochzeit von Liesel und Jim Edwards 1947 (mit Emil Lutz Born und Käthe Arndt) © privat/Lena Sarah Carlebach, Foto: Keine Angabe
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Emil, Liesel und Jim Edwards bei Liesels Hochzeit 1947 © privat/Lena Sarah Carlebach, Foto: Keine Angabe
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Emil, Liesel und Jim Edwards bei Liesels Hochzeit 1947 © privat/Lena Sarah Carlebach, Foto: Keine Angabe

Emil Carlebach

Geburtsdatum:

Haft:

10.7.1914

1934 Hameln, 1937 Dachau, 1938 Buchenwald

 

Liesel Carlebach

Geburtsdatum:

Flucht:

13.12.1923

1939 Kindertransport England

 

 

 

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Stolpersteine Gaußstraße 16, Emil Carlebach © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

 

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Stolpersteine Gaußstraße 16, Emil Carlebach © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

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