Herxheimer, Hans

Herxheimer, Hans

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Stolperstein-Biographien im Nordend

Herxheimer, Hans

Hans Herxheimer wurde in Frankfurt am Main als Sohn von Sanitätsrat Dr. Salomon Herxheimer und Fanny Herxheimer, geb. Livingston, geboren. Er war eine Neffe des Dermatologen Professor Dr. Karl Herxheimer und Bruder des Pathologen Dr. Gotthold Herxheimer. Er heiratete am 27. April 1920 in Tübingen Salome Schnitz, die 1893 in Neuenahr geboren wurde. Die Ehe, die nach späterer nationalsozialistischer Definition als „Mischehe“ galt, wurde am 21. Juni 1939 auf Betreiben der Ehefrau geschieden. Aus der Ehe ging die 1922 geborene Maria hervor, die 1946 in Frankfurt starb.

 

Hans Herxheimer war promovierter Hautarzt und Soldat im Ersten Weltkrieg. Er unterhielt in der Westendstraße bis 1933 eine Privatpraxis. Zum 1. Oktober 1938 erlosch seine Bestallung und er musste aus der Kassentätigkeit ausscheiden. Nach dem November-Pogrom war er vom 11. November bis 12. Dezember 1938 mit der Häftlingsnummer 21590 in Buchenwald inhaftiert. Ab 20. Februar 1939 durfte er nur noch unter der diskriminierenden Bezeichnung „Behandler“ tätig sein und jüdischer Patienten behandeln. Seine letzte bekannte Praxisadresse war der Röderbergweg 93. Er praktizierte bis mindestens Oktober 1943.

 

Herxheimer musste eine „Judenvermögensabgabe“ in Höhe von 49.928,41 Reichsmark und eine „Reichsfluchtsteuer“ in Höhe von 50.000 bis 60.000 Reichsmark entrichten. Sein Vermögen unterlag einer „Sicherungsanordnung“, der Zollfahndungsstelle vom 15. Februar 1939 setzt einen monatlichen „Freibetrag“ von 1.000 Reichsmark fest. Die Ehefrau forderte nach rechtskräftiger Scheidung alle zur „Vermögenssicherung“ bei der Devisenstelle abgelieferten Schmuckgegenstände umgehend für sich zurück. Sie verzog am 4. August 1939 nach Bonn. 1940 wurde der monatliche „Freibetrag“ auf 500 Reichsmark festgesetzt, dann wegen seiner Unterhaltsverpflichtungen an seine Ehefrau und Tochter auf 800 Reichsmark erhöht und 1942 auf 300 Reichsmark gemindert.

 

Im September 1940 musste Hans Herxheimer einen Antrag bei der Devisenstelle einreichen, um sich außerplanmäßig einen Wintermantel kaufen zu können - der Antrag wurde genehmigt. Als seine Tochter an Weihnachten 1942 für zwei Wochen zu Besuch kommen wollte, musste Herxheimer einen Antrag auf Freigabe von täglich vier Reichsmark für deren Verpflegung, gesamt 56 Reichsmark, stellen, der ebenfalls genehmigt wurde. Beim Bombenangriff am 4./5. Oktober 1943 verlor Dr. Herxheimer seine gesamte Kleidung und persönlichen Gegenstände; die Devisenstelle genehmigte ihm 1.000 Reichsmark aus seinem Vermögen, um sich neu einzukleiden.

 

Bis 1939 wohnte Herxheimer mit der Familie in der Eschersheimer Landstraße 132, ab spätestens August 1939 musste er ohne die Familie in der Pension „Mori“ in der Leerbachstraße 46, ab etwa Juni 1941 in der Eschenheimer Anlage 30/EG bei Bodenheimer wohnten. Im Dezember 1941 folgte Auf der Körnerwiese 11, ab etwa Juni 1942 die May-Eyth-Straße 43/III (Sonnemannstraße) bei Weinberg, ab etwa März 1943 der Hermesweg 7, zuletzt nach der Bombenzerstörung im Hermesweg am 5. Oktober 1943 die Ostendstraße 18.

 

Dort war seit 15. März 1943 nach nationalsozialistischer Definition eine „Gemeinschaftsunterkunft für Juden“, ein „Judenhaus“ untergebracht, in dem antisemitisch Verfolgte vor ihrer Deportation zwangsweise konzentriert wurden.

 

Der Stolperstein wurde initiiert von Ute Daub.

Hans Herxheimer

Geburtsdatum:

Deportation:

Todesdatum:

29.8.1880

8.1.1944 Theresienstadt

18.7.1944

 

 

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Stolperstein Eschersheimer Landstraße 132, Hans Herxheimer © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

 

 

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