Friesem, Clara

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Stolperstein-Biographien im Nordend

Friesem, Clara

Clara Friesem wurde in Niederzissen bei Ahrweiler geboren. Ihr Vater war Viehändler und kam im Ersten Weltkrieg als Soldat ums Leben. Sie hatte drei Geschwister: Theo, Judith und Herrmann. Der Mutter gelang es alle vier Kinder in eine Berufsausbildung zu vermitteln: Theo wurde Metzger und flüchtete nach Haifa in Palästina, Herrmann lebte als Lehrling in Düsseldorf und Judith war Lehrschwester in Fürth/Bayern. Clara Friesem war nicht verheiratet und bewohnte ein Zimmer in der Herderstraße 27 als Untermieterin.

 

Clara Friesem besuchte nach der Volksschule vier Jahre ein Lyzeum, fand eine Lehrstelle als Kontoristin bei der Firma Leo Katz in Frankfurt und anschließend eine entsprechende Anstellung bei der Firma Julius Haas in der Schillerstraße, wo sie bis zu ihrer Verhaftung 1936 arbeitete.

Seit ihrem 20sten Lebensjahr war sie gewerkschaftlich organisiert und arbeitete nebenher ehrenamtlich, bis zur Machtergreifung, beim Verein Rote Hilfe Deutschlands. Die Rote Hilfe stand der KPD nahe und organisierte juristische und finanzielle Unterstützung für politische Gefangene und deren Angehörige. Nach dem Verbot 1933 unterhielt Clara Friesem weiterhin freundschaftlichen Kontakt zu den ehemaligen Vereinsmitgliedern Adolf Wittmann – verhaftet im September 1933 – und Fritz Köhne, der in der illegalen Leitung der Roten Hilfe arbeitete. In ihrem Prozess gab Clara Friesem an, von dieser illegalen Arbeit nichts gewusst zu haben. Im Herbst 1933 bat Fritz Köhne sie, bei der Wiederbeschaffung einer Schreibmaschine zu vermitteln, die von Adolf Wittmann an die Rote Hilfe zurückgegeben werden sollte. Dieser Bitte kam sie nach. Drei Jahre später, im September 1936, wurde sie wegen dieser Vermittlung verhaftet. Wahrscheinlich war in einem anderen Prozess ihre damalige Beteiligung zur Sprache gekommen.

 

Am 1. Dezember 1936 verurteilte der Strafsenat des Oberlandesgerichts in Kassel Clara Friesem wegen „Beihilfe zur Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ zu acht Monaten Gefängnis. Das Gericht unterstellte, dass die Schreibmaschine der „Vorbereitung kommunistischer Umsturzpläne dienen“ sollte. Die „gefährliche, staatsfeindliche Betätigung“ der Angeklagten „muss rassefeindlicher Einstellung entspringen“. Damit war auch Clara Friesems jüdische Herkunft in den Prozess eingeführt.

 

Nach Verbüßung der verhältnismäßig moderaten Strafe wurde Clara Friesem nicht freigelassen. Über die Konzentrationslager Mohringen und Lichtenburg kam sie am 1. Juni 1939 nach Ravensbrück. Laut Auskunft der Gedenkstätte für die Tötungsanstalt Bernburg an der Saale wurde sie dort Opfer der Aktion 14 f 13, wahrscheinlich irgendwann im Frühjahr 1942. Ihre Gestapoakte verschleiert diese Ermordung und gibt den 12. 6. 1942 als Todestag in Ravensbrück an. Die Sonderbehandlung 14 f 13 war zwischen April 1941 und März 1942 die erste große geheime Mordaktion an KZ-Häftlingen. Etwa 20.000 sogenannte Ballastexistenzen – von Behinderten über Arbeitsunfähige, Aufsässige, Politische, Juden, Bibelforscher, Frauen wie Männer – wurden in Ravensbrück und anderen Konzentrationslagern selektiert und unter anderem in Bernburg durch Gas getötet. Wahrscheinlich ein Testlauf für die systematische Tötung in den Vernichtungslagern im Osten.

 

Der Stolperstein wurde initiiert von Regina Wolfart.


Clara Friesem

Geburtsdatum:

Haft:

Todesdatum:

27.12.1908

1936 Raavensbrück, 1942 Bernburg

unbekannt

 

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Stolperstein Herderstraße 27, Clara Friesem © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

 

 

 

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