Steinbach, Valentin

Steinbach, Valentin

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Stolperstein-Biographien im Nordend

Steinbach, Valentin

 

Valentin Steinbach wurde in Gambach am Main geboren und war der älteste Sohn des Steinhauers Josef Steinbach und dessen Frau Maria. Er hatte fünf Geschwister. Die Familie war katholisch. Von Beruf wurde er Steinmetz. Seit 1909 wohnte er in Frankfurt am Main. Am 12. Juni 1919 heiratete er die verwitwete Stickerin Luise Stemig, geb. Gantert. Sie brachte ihre Tochter Else mit in die Ehe. Gemeinsam hatten sie einen Sohn Helmut, der jung starb, und eine weitere Tochter Irmgard. Etwa 1920/21 traten beide aus der katholischen Kirche aus und schlossen sich den Bibelforschern an. Die Familie wohnte zu dieser Zeit Am Tiergarten 46.

 

Nachdem Valentin als Bibelforscher, ab 1931 Jehovas Zeugen, getauft worden war, unterstützte er Paul Pater, der schwer erkrankt war, bei seinen Tätigkeiten in der Leitung der Versammlung (Gemeinde) Frankfurt. Nach dessen Tod 1923 übernahm er die Leitung der Versammlung.

 

Kurz nach der „Machtergreifung“ Hitlers wurden Jehovas Zeugen verboten. Bereits im April 1933 wurde bei Valentin Steinbach ein Holzkoffer mit wertvollen Büchern beschlagnahmt. Seit 1934 wurde er von der Gestapo überwacht. Die Familie zog am 1. März 1935 in die Schwarzburgstraße 26, in die 3. Etage. Er arbeitete als beamteter Postschaffner beim Postscheckamt in Frankfurt. Am 30. September 1935 wurde er nach 20 Dienstjahren aus dem Staatsdienst entlassen. Um den Lebensunterhalt zu verdienen, vertrieb er nun Waschmittel.

 

Im gleichen Jahr wurde er anlässlich einer Begräbnisansprache verhaftet und für acht Tage in Schutzhaft genommen. Es folgten weitere Verhaftungen. Der Kriminal-Sekretär bezeichnete ihn als fanatisch und bezichtigte ihn der Lüge. Immer wieder wurde er zu weiteren Vernehmungen mit dem Ziel vorgeladen, Namen und Tätigkeiten anderer Bibelforscher preiszugeben. Dabei wurde er regelmäßig misshandelt. Bei einer Vernehmung wurde er befragt: „Warum lehnen sie es ab, den deutschen Gruß anzuwenden?“ Seine Erwiderung: „Ehrfurcht und Gehorsam Gott gegenüber.“ Auf die Frage nach dem Dienst an der Waffe: „Die Bibel sagt: ‚Du sollst nicht töten‘“.

 

Der Oberstaatsanwalt erhob am 24. Februar 1937 Anklage beim Sondergericht Frankfurt. Valentin Steinbach wurde beschuldigt, etwa 35 Abzüge von der Zeitschrift Der Wachtturm für die Frankfurter Zeugen Jehovas erhalten und Gottesdienste durchgeführt zu haben. Auch wegen seiner Tätigkeit als Leiter der Frankfurter Gemeinde wurde er angeklagt.

 

Bei der Tochter Else, die gerade Mutter geworden war, wurde eine Hausdurchsuchung gemacht, um „Beweismaterial“ zu finden. Sogar eine auf dem Klavier liegende Bibel wurde mitgenommen. Es sei beobachtet worden, dass ein Waschmittelvertreter sie besucht habe. Nun wusste sie, dass sogar die Besuche ihres Vaters bespitzelt wurden.

 

Vom 3. bis 5. Mai 1937 fand die Verhandlung vor dem Sondergericht Frankfurt gegen Valentin Steinbach und neun weitere Angeklagte statt. Er wurde zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Ihm wurde besonders angelastet, dass er die verbotene Literatur der Zeugen Jehovas entgegengenommen und weitergegeben habe. Die Untersuchungshaft wurde ihm zwar angerechnet, doch er wurde erneut in „Schutzhaft“ genommen und kam in die Lichtenburg.

 

Von Lichtenburg wurde er nach Buchenwald verlegt. Dort erhielt er die Haftnummer 798. Er war in den Blöcken 44 und 14 untergebracht. Zeitweilig arbeitete er im Arbeitskommando „Bildhauer“. Ein mitgefangener Zeuge Jehovas, Johannes Rauthe, hatte den Befehl, Bildhauerarbeiten anzufertigen. Valentin Steinbach kam in sein Kommando. Die beiden mussten in der Bildhauerwerkstatt schlafen, statt im „Block“. Dadurch war es ihnen möglich, handschriftliche Vervielfältigungen von Literatur der Zeugen Jehovas anzufertigen.

 

Nach seiner Überstellung nach Mauthausen in Österreich erhielt er die neue Häftlingsnummer 12582. Wieder arbeitete er als Bildhauer, vom 9. Februar 1943 bis zum 16. Juli 1944 bei der Schleiferei der DESt (Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH). In Mauthausen musste er „in der Nähe der Stelle arbeiten, wo wöchentlich die Juden vernichtet wurden“. Er musste zeitweise, besonders bei strenger Kälte, unter einer tropfenden Dachrinne arbeiten. Ab dem 17. Juli 1944 wurde er ins „Revier“ überstellt. Er litt an einer Phlegmone, an zahlreichen unbehandelten Verletzungen, Magenproblemen und erfrorenen Füßen.

 

Valentin Steinbach erlebte die Befreiung gesundheitlich sehr stark angeschlagen. Er hatte so viel Wasser in den Beinen, dass ihm kein Schuh mehr passte. Zunächst wurde er zwei Monate lang aufgepäppelt, bis er in eine Wiener Klinik gebracht werden konnte. Erst am 22. Oktober war er transportfähig und konnte endlich mit einem Sammeltransport Richtung Heimat starten. Nach achttägiger Fahrt traf er am 30. Oktober 1945 wieder bei seiner Familie in Frankfurt ein.

 

Ende 1945 nahm er seine Arbeit bei der Post wieder auf, war aber wiederholt wegen starker Magenbeschwerden dienstunfähig. Auch seine Frau war durch die Strapazen schwer erkrankt. Am 16. Oktober 1949 verstarb sie. Er war durch die erlittenen Misshandlungen arbeitsunfähig, sodass er sich 1951 pensionieren lassen musste. Trotz Verfolgung und langer Haft engagierte sich Valentin Steinbach wieder bei den Zeugen Jehovas. Valentin Steinbach starb am 1. Oktober 1960.

 

Der Stolperstein wurde initiiert durch Erika und Gunter Krämer und finanziert durch Wolfgang Holl.

 

 

Valentin Steinbach um 1950
Valentin Steinbach um 1950 © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Privat / Erika und Gunther Krämer

 

Valentin Steinbach mit Ehefrau Luise und (Stief-) Tochter Else, 1919
Valentin Steinbach mit Ehefrau Luise und (Stief-) Tochter Else, 1919 © Privat / Erika und Gunther Krämer, Foto: Keine Angabe

 

Steinbach mit einer Gruppe Überlebender des KZ Mauthausen bei einem Kongress der Zeugen Jehovas
Steinbach (6. von links) mit Überlebenden des KZ Mauthausen bei einem Kongress der Zeugen Jehovas 1955 in Nürnberg © Privat / Erika und Gunther Krämer, Foto: Keine Angabe

 

 

 

Valentin Steinbach 
Geburtsdatum:   15.7.1891 
Haft:   11.9.1936 Frankfurt Klapperfeld, 30.12.1936 Frankfurt, Hammelsgasse, 19. 3.1937 Frankfurt-Preungesheim, 18.6.1937 Lichtenburg, 31.7.1937 Buchenwald, 29.8.1942 Mauthausen 
Befreiung:   5.5.1945 

 

 

 

Stolperstein Schwarzburgstraße 26, Steinbach, Valentin
Stolperstein Schwarzburgstraße 26, Steinbach, Valentin © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

 

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