Hainebach, Moritz, Camille und Max Ludwig

Hainebach, Moritz, Camille und Max Ludwig

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Stolperstein-Biographien im Nordend

Hainebach, Moritz, Camille und Max Ludwig

 

Moritz Hainebach wurde in Indianapolis (USA) als Sohn des Lehrers Hermann Hainebach aus Seligenstadt und von Emma Hainebach, geb. Adler, aus Kelsterbach geboren. Die Familie zog 1873 nach Frankfurt am Main und wohnte Am Tiergarten 52. Moritz Hainebach nahm ab dem sechsten Lebensjahr Violinunterricht und war von 1887 bis 1891 Schüler am Dr. Hoch’schen Konservatorium bei Professor Fritz Bassermann, er hatte Unterricht in Klavier, Musiktheorie und Orchesterspiel. Anschließend war er Privatschüler von Johann Naret-Koning, Konzertmeister am Frankfurter Opernhaus, der ihm 1898 eine Mitwirkung im Opernorchester bescheinigte.

 

1899 wurde Moritz Hainebach an das Stadttheater Posen als 1. Violinist für eine Opernsaison berufen. Von 1901 bis 1905 war er Musiklehrer und Dirigent in Mosbach in Baden, ab Oktober 1905 wieder in Frankfurt. 1908 wurde er als Violinist an die Oper Frankfurt berufen. Zu dieser Zeit heiratete er Camille (auch: Camilla), geb. Hoffmann, aus Illingen im Saarland. 1909 wurde ihr Sohn Max Ludwig geboren. Die Familie wohnte um 1910 in der Fischerfeldstraße 10, 1930 zog sie in die Weberstraße 21.

 

Am 2. März 1911 erhielt er durch die Königliche Regierung in Wiesbaden die Erlaubnis zur Errichtung und Leitung einer eigenen privaten Musikschule. Er gründete das „Musikinstitut Frankfurt am Main, Leiter Moritz Hainebach“. 1913 wurden rund 65 Schülerinnen, Schüler, Lehrlinge und Lehrmädchen in den Räumen der Mainzer Landstraße 184 und in der Weberstraße 21 unterrichtet. 1916 wurde Moritz Hainebach Musiklehrer am Konservatorium der Brüder Post in Frankfurt, das 1911 von Willy Post (1877-1947) und seinen Brüdern gegründet worden war und mit zuletzt über 1.000 Schülern bis 1921 bestand.

 

Moritz Hainebach nahm am Ersten Weltkrieg als „Landsturmmann“ teil. Nach dem Krieg gab er Musikunterricht nur noch in der Weberstraße 21 mit durchschnittlich 10 Schülern. Außerdem gab er Geigenunterricht am Dr. Hoch'schen Konservatorium und im Philanthropin.

 

Nach 1933 gingen verfolgungsbedingt die Honorare zurück, da viele der christlichen Schüler dem Unterricht fernblieben. Vor 1933 hatte er wöchentlich etwa 50 Schüler. Nach seiner erzwungenen Entlassung gab er bis 1938 nur noch Privatunterricht, er durfte nur noch Juden unterrichten. Es folgte der wirtschaftliche Ruin. 1940 mussten Moritz und Camilla Hainebach in den Bornwiesenweg 55 und zuletzt in die Herderstraße 25 umziehen, von wo sie im November 1941 deportiert wurden

 

Die Hainebachs besaßen neben der Stradivari, die damals einen Wert von 16.000 Mark hatte, einen Schrank voll mit Silber und Goldwaren im Wert von etwa 20.000 Mark. Sie mussten die Silberwaren „eines nach dem anderen“ verkaufen, um leben zu können, schilderte der Sohn Max Ludwig später die Situation. Ihm war die Flucht in die USA gelungen.
Moritz Hainebachs Bruder Ludwig Hainebach und dessen Frau Ida Hainebach, geb. Silzdorf, wurden am 1. September 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 31. Oktober bzw. 31. Dezember 1942 ums Leben kamen. Alice Schuh, geb. Goldschmidt, eine Nichte von Moritz Hainebach, wurde nach Ravensbrück und von dort in die „Euthanasie“-Tötungsanstalt Bernburg deportiert und ermordet.

 

Ludwig Max Hainebach heiratete am 12. Mai 1939 in New York Helen Hammons Holben (1911-1992). Sie hießen nun Haines und bekamen am 30. Dezember 1940 einen Sohn namens Howard. 1941 wurde Ludwig Max Hainebach amerikanischer Staatsbürger, er starb am 8. März 1986 in Massapequa Park, Nassau Co, New York. Dort wohnt auch noch Howard Haines.
Moritz Hainebach ist auf der Gedenktafel der Städtischen Bühnen aufgeführt.

 

Die Stolpersteine wurden initiiert vom Brüder-Schönfeld-Forum in Maintal, das im April 2018 in der Gedenkstätte im Fort IX. in Kaunas einen Gedenkstein für die 992 Opfer der Deportation aus Frankfurt realisierte. Finanziert wurden die Stolpersteine von Hartmut Friedrich und den Einnahmen eines Benefizkonzertes im Dr. Hoch’s Konservatorium in der Reihe „Music for a better World“. Bei der Verlegung waren Brigitte und Herbert Begemann vom Brüder-Schönfeld-Forum anwesend.

 

 

Max Ludwig Heinebach nach der Ankunft in den USA
Max Ludwig Heinebach nach der Ankunft in den USA © Privat / David Haines, Foto: Keine Angabe

 

Max Ludwig Hainebach und David Haines (1984)
Max Ludwig Hainebach und David Haines (1984) © Privat / David Haines, Foto: Keine Angabe

 

Max Ludwig Hainebach (1985)
Max Ludwig Hainebach (1985) © Privat / David Haines, Foto: Keine Angabe

 

 

 

 

 

Moritz Hainebach 
Geburtsdatum:   10.8.1872 
Deportation:   22.11.1941 
Todesdatum:   25.11.1941 

 

Camille Hainebach, geb. Hoffmann 
Geburtsdatum:  4.11.1875  
Deportation:   22.11.1941 
Todesdatum:  25.11.1941 

 

Max Ludwig Hainebach 
Geburtsdatum:   3.11.1909 
Flucht:   1937 USA 

 

 

 

Stolperstein Weberstraße 21, Hainebach, Moritz
Stolperstein Weberstraße 21, Hainebach, Moritz © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

Stolperstein Weberstraße 21, Hainebach, Camille
Stolperstein Weberstraße 21, Hainebach, Camille © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

Stolperstein Weberstraße 21, Hainebach, Ludwig
Stolperstein Weberstraße 21, Hainebach, Ludwig © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

 

 

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