Sichel, Gustav, Helene, Hans, Elli, Alice, Gretel und Lotte

Sichel, Gustav, Helene, Hans, Elli, Alice, Gretel und Lotte

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Stolperstein-Biographien im Nordend

Sichel, Gustaf, Helene, Hans, Elli, Alice, Gretel und Lotte

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Die 1. Damen-Elf des T.S.V. „Schild“ Frankfurt (Gretel u. Lotte Sichel, 4. und 3. v. rechts) © www.vor-dem-holocaust.de, Foto: Keine Angabe

Gustav Sichel wurde in Wächtersbach geboren. Er wuchs mit zehn Geschwistern auf und lebte seit 1895 in Frankfurt. Am 9. April 1908 heiratete er in Frankfurt Berta Nussbaum, die am 7.Oktober 1884 in Bettenhausen bei Meiningen geboren wurde und am 20. Oktober 1925 starb. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor: Ellie, Alice, Gretel, Hans Jakob und Lotte. Gustav Sichel heiratete am 2. März 1926 Helene Meyerhof, die in Frielendorf/Ziegenhain geboren wurde.

 

Gustav Sichel führte seit etwa 1911 als Alleininhaber das Engros-und Detailgeschäft für Delikatessen „Samuel Rosenthal Nachfolger“ auf der Zeil 13, wo die Familie auch wohnte. Das Unternehmen belieferte Krankenhäuser, Schulen, Hotels sowie auch Restaurants und beschäftigte etwa sieben bis acht Mitarbeiter. Etwa 1928 gab er das Geschäft auf und eröffnete es 1929 in verkleinerter Form im eigenen erworbenen Eckhaus am Baumweg 20 in Frankfurt. Das Geschäft war im Erdgeschoss, die Familie wohnte in den oberen Räumlichkeiten.

 

Nach den erheblichen Umsatzverlusten durch die Boykotte seit 1933 musste Gustav Sichel sein Geschäft 1934 oder 1935 aufgeben, laut Adressbuch war er nun als Vertreter tätig. Verfolgungsbedingt musste er 1938 sein eigenes Hauses im Baumweg 20 verkaufen. Es folgte der erzwungene Umzug in die Pfingstweidstraße 12. Hier wohnten nur noch der Sohn und die jüngste Tochter bei den Eltern.

 

Gustav Sichel arbeitete inzwischen für die Jüdische Gemeinde. Sein Konto unterlag einer „Sicherungsanordnung“ der Devisenstelle, die am 10. September 1940 einen monatlichen „Freibetrag“ auf 200 Reichsmark festsetzte und am 8. Oktober 1940 diesen auf 130 Reichsmark reduzierte.

 

Gustav und Helene Sichel wurden am 22. November 1941 nach Kaunas deportiert, wo die Frankfurter Verschleppten am 25. November 1941 ausnahmslos ermordet wurden.

 

Allen fünf Kindern gelang die Flucht: Elli flüchtete 1940 mit Ehemann Erwin Mamlock und Tochter über Sibirien nach Shanghai und emigrierte 1947 mit der Familie nach New York. Wie bereits in Frankfurt arbeitete sie in Shanghai und New York im Restaurantgewerbe. Sie starb am 6. April 1975 in New York. Sie hatte zwei Enkel, die in den USA leben.

 

Alice, die als Röntgenassistentin im Jüdischen Krankenhaus in Frankfurt arbeitete, flüchtete 1940 über Sibirien, China und Japan nach New York. Sie blieb unverheiratet und lebte bei ihrer jüngsten Schwester Lotte und deren Familie in Brooklyn, New York. Nach dem Ruhestand zog die ganze Familie nach Miami Beach in Florida, Alice starb am 21. Dezember 1999.

 

Gretel flüchtete 1937 nach Süd Rhodesien und heiratete Julius Wertheimer in Bulawayo im selben Jahr. Sie hatte zwei Töchter und die Familie zog im Jahr 1979 nach Johannesburg in Südafrika. Gretel starb am 6. Februar 2004 in Johannesburg. Ihre vier Enkel leben in Südafrika.

 

Hans war gelernter Kaufmann in Frankfurt, er flüchtete 1938 nach New York. Dort arbeitete er als Sanitär-Installateur in Brooklyn. Er diente in der US-Army, heiratete Jeanette Kanarek und hatte zwei Söhne, die Zahnarzt bzw. Anwalt wurden. Hans starb am 20. September 1977 in Ocean Beach, New York. Seine fünf Enkel leben in den in USA.

 

Lotte arbeitete als Hilfe in einem Porzellangeschäft in Frankfurt, sie flüchtete 1940 nach New York. Im Juni 1940 heiratete sie ihre Jugendliebe Gustav Gerson Droller. Sie hatten zwei Söhne, die beide Mediziner wurden. Nach dem Ruhestand von Gustav Gerson Droller zog die Familie zusammen mit Schwester Alice und mit Schwager Max Droller nach Miami Beach, Florida. Lotte starb am 20. Oktober 2008 in Pembrook Park, Florida. Ihre fünf Enkel leben in den USA.

 

An Max und Gustav Gerson Droller und deren Eltern und Schwester erinnern Stolpersteine in der Rückertstraße 51. An Elli, Alice, Gretel, Hans und Lotte und deren Vater und Stiefmutter erinnern Stolpersteine im Baumweg 20.

 

Die Stolpersteine wurden  initiiert von Michael und Ester Droller, New York (Sohn und Schwiegertochter von Gustav Gerson Droller und Lotte, geb. Sichel).

 

 

 

 

Gustav Sichel

Geburtsdatum:

Deportation:

Todesdatum:

8.11.1876

22.11.1941 Kaunas

25.11.1941

 

 

Helene Sichel, geb. Meierhof

Geburtsdatum:

Deportation:

Todesdatum:

8.11.1877

22.11.1941 Kaunas

25.11.1941

 

 

Hans Jakob Sichel

Geburtsdatum:

Flucht:

31.3.1915

1938 USA

 

 

Elli Emilie Sichel

Geburtsdatum:

Flucht:

19.9.1909

1940 Shanghai

 

 

Alice Rosa Sichel

Geburtsdatum:

Flucht:

27.7.1911

1940 USA

 

 

Gretel Zilli Sichel

Geburtsdatum:

Flucht:

1913

1937 Rhodesien

 

 

Lotte Sichel

Geburtsdatum:

Flucht:

26.12.1916

1940 USA

 

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Stolpersteine Baumweg 20, Gustav Sichel © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

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Stolpersteine Baumweg 20, Helene Sichel © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

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Stolpersteine Baumweg 20, Hans Jakob Sichel © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

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Stolpersteine Baumweg 20, Elli Emilie Sichel © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

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Stolpersteine Baumweg 20, Alice Rosa Sichel © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

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Stolpersteine Baumweg 20, Gretel Zilli Sichel © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

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Stolpersteine Baumweg 20, Lotte Sichel © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

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