Kelsen, David, Fanny, Paul und Heinrich

Kelsen, David, Fanny, Paul und Heinrich

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Stolperstein-Biographien im Nordend

Kelsen, David, Fanny, Paul und Heinrich

Familie Kelsen 1922 in Frankfurt
Familie Kelsen 1922 in Frankfurt © Privat / Familienarchiv Kelsen, Foto: keine Angabe

 

David und Fanny Kelsen wurden in Grizew in Russland geboren. Das Ehepaar hatte zwei Söhne: Paul Pinkas Isaak (oder: Itzchak) und Heinrich. Die Familie wohnte bis Oktober 1938 im Musikantenweg 34.

 

David Kelsen war Kaufmann, lebte wahrscheinlich ab 1908 in Frankfurt und hatte ab 1924 ein Geschäft für Textilwaren und Spitzen auf der Zeil 26. Paul Pinkas Kelsen war nach Angabe seines Vater taubstumm, ging zunächst nach Berlin in eine Anstalt oder Schule für Taubstumme und machte danach – wahrscheinlich ab 1931 – eine Lehre als Schriftsetzer bei der Frankfurter Firma „Israelit und Hermon. Jüdischer Buchverlag G.m.b.H.“ Seine spezielle Fertigkeit war das Setzen hebräischer Texte. Sein Arbeitgeber beantragte noch am 25. Oktober 1938 seine Weiterbeschäftigung als Schriftsetzer für den Zeitraum vom 1. Dezember 1938 bis zum 30. November 1939.

 

Heinrich Kelsen konnte im Juli 1938 in die USA fliehen, emigrieren. David, Fanny und Paul Kelsen wurden im Rahmen der „Polenaktion“ an der Grenze in Bentschen/ Zbaszyn ausgesetzt. Sie kamen dann in das Ghetto Lemberg/ Lwow.

 

Fanny Kelsen kehrte wohl Anfang 1939 nach Frankfurt zurück, um die Waren sowie das Mobiliar im Geschäft auf der Zeil zu verkaufen und ein Bankkonto aufzulösen. Der Besitzer des Hauses Zeil 26 zeigte im April 1939 den Fund von ausländischen Geldscheinen im Geschäft von David Kelsen an. Die Ermittlungen ergaben den Verdacht, dass dieser Hausbesitzer selbst das Geld in dem verlassenen Geschäft deponiert hatte, um eine Verurteilung des Ehepaars Kelsen wegen Devisenvergehens zu erreichen und das Geschäft samt Waren übernehmen zu können. Dieser Plan scheiterte jedoch.

 

Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Waren und des Mobiliars kehrte Fanny Kelsen nach Lemberg zurück. Sie erwarb Schiffskarten für den 13. Oktober 1939 nach den USA. In Frankfurt hatte sie Anfang 1939 offenbar bereits neue Möbel eingekauft und in einem „Lift“, d. h. Container, in einem Frankfurter Unternehmen einlagern lassen. Diese Reise konnte jedoch nicht angetreten werden, wahrscheinlich wegen des Einmarsches der deutschen Wehrmacht nach Polen. Auch die neu gekauften Möbel kamen niemals in den USA an.
Das weitere Schicksal von David Kelsen und seinem taubstummen Sohn Paul ist unbekannt. Es wird vermutet, dass sie 1941 aus Lemberg deportiert wurden, jedoch sind weder das Ziel noch Todesdatum und -ort bekannt. Henry (Heinrich) Kelsen hatte in Frankfurt die Samson- Raphael-Hirsch-Realschule besucht und sich an der Universität Frankfurt immatrikuliert. Wie andere jüdische Studenten wurde er im Jahr 1935 der Universität verwiesen. Obwohl in Frankfurt geboren, erhielt er keine deutsche Staatsangehörigkeit. Er reiste mit einem Besuchervisum in die USA, wo er sich erfolglos um Einreisevisa für seine Eltern und seinen Bruder bemühte.

 

Heinrich Kelsen nannte sich in den USA „Henry“, lebte zunächst ein Jahr in New York, dann in Philadelphia. Im Dezember 1941 heiratete er Hilda Herbst und diente von 1943 bis 1946 in der US-Army in Italien und nach dem Krieg in Österreich. Das Ehepaar bekam drei Söhne: Steven, David Paul und Peter. Mit seiner Ehefrau baute er ein erfolgreiches kleines Unternehmen in Philadelphia auf. Sie waren in der Synagoge und der Jüdischen Gemeinde sehr aktiv und sorgten für eine strenge jüdische Erziehung ihrer Söhne. Sie hatten zehn Enkelkinder und bis heute (2018) 17 Enkelkinder. Henry Kelsen starb im Jahr 2004.

 

Die Stolpersteine wurden initiiert durch David Kelsen, New York/USA. Anwesend waren Steven Kelsen, Sohn von Henry Kelsen, mit Sohn Michael Kelsen, David Paul Kelsen, Sohn von Henry Kelsen, seine Ehefrau Suzanne Kelsen, Tochter Tamar Kelsen- Schiffmann und Söhnen Moshe und Alexander Kelsen.

 

 

Familie Kelsen 1939 in Lemberg
Familie Kelsen 1939 in Lemberg © Privat / Familienarchiv Kelsen, Foto: keine Angabe

 

Heinrich (Henry, links) und Paul (Pinkas, rechts) Kelsen
Heinrich (Henry, links) und Paul (Pinkas, rechts) Kelsen © Privat / Familienarchiv Kelsen, Foto: keine Angabe

 

David, Fanny und Paul Kelsen 1939 in Lemberg
David, Fanny und Paul Kelsen 1939 in Lemberg © Privat / Familienarchiv Kelsen, Foto: keine Angabe

 

Henry Kelsen als Soldat der US Army 1945, gezeichnet von einem anderen Soldaten
Henry Kelsen als Soldat der US Army 1945, gezeichnet von einem anderen Soldaten © Privat / Familienarchiv Kelsen, Foto: keine Angabe

 

Henry Kelsen in Italien 1944
Henry Kelsen in Italien 1944 © Privat / Familienarchiv Kelsen, Foto: keine Angabe

 

Henry Kelsen auf dem Obersalzberg 1945
Henry Kelsen auf dem Obersalzberg 1945 © Privat / Familienarchiv Kelsen, Foto: keine Angabe

 

David Kelsen

Geburtsdatum:

Deportation:

Todesdatum:

22.11.1888

28.10.1938 „Polenaktion“ Bentschen/Zbaszyn, Lemberg/Lwow

unbekannt

 

Fanny Kelsen, geb. Gillemann

Geburtsdatum:

Deportation:

Todesdatum:  

20.12.1891

28.10.1938 „Polenaktion“ Bentschen/Zbaszyn, Lemberg /Lwow

30.4.1941

 

Paul Kelsen

Geburtsdatum:

Deportation:

Todesdatum: 

8.11.1913

28.10.1938 „Polenaktion“ Bentschen/Zbaszyn, Lemberg/Lwow

unbekannt

 

Heinrich Kelsen

Geburtsdatum:

Deportation:  

Flucht:

23.10.1915

28.10.1938 „Polenaktion“

Juli 1938 USA

 

 

 

Stolperstein Musikantenweg 34, David Kelsen
Stolperstein Musikantenweg 34, David Kelsen © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: keine Angabe

 

Stolperstein Musikantenweg 34, Fanny Kelsen
Stolperstein Musikantenweg 34, Fanny Kelsen © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: keine Angabe

 

Stolperstein Musikantenweg 34, Paul Kelsen
Stolperstein Musikantenweg 34, Paul Kelsen © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: keine Angabe

 

Stolperstein Musikantenweg 34, Heinrich Kelsen
Stolperstein Musikantenweg 34, Heinrich Kelsen © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: keine Angabe

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