Liefmann, Lucy

Liefmann, Lucy

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Stolperstein-Biographien im Nordend

Liefmann, Lucy

Lucy Liefmann wurde in Frankfurt am Main als Kind des englischen Staatsbürgers Leo Liefmann und seiner Frau Auguste geboren. Sie absolvierte die Elisabethenschule und das angeschlossene Lehrerinnenseminar, wo sie 1904 das Examen machte, das sie zum Unterricht an Volks-, Mittel- und höheren Mädchenschulen qualifizierte. Danach unterrichtete sie und besuchte von 1906 bis 1910 parallel neusprachliche Veranstaltungen der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften. Ostern 1912 bestand sie als Externe das Abiturientenexamen an der Musterschule. Sie studierte danach in Heidelberg und ab 1914 in Frankfurt Rechtswissenschaften. Sie schloss ihr Studium – als erste Frau der Fakultät – 1918 mit der Dissertation „Die Unterhaltspflicht des außerehelichen Vaters nach kontinentalen Rechten“ ab.

 

Nach der Promotion arbeitete sie als juristische Hilfskraft für jeweils ein halbes Jahr an der Frankfurter Rechtsschutzstelle für Frauen und danach in der Offenbacher Kanzlei der Rechtsanwälte Dr. Guggenheim und Dr. Brentano. In der Folge „erarbeitete ich im Sozialen Museum ein Schriftchen über Konsum-Vereine und unterrichtete alsdann die von der Stadt unterstützten jugendlichen Erwerbslosen“. Anfang 1920 trat sie in die Dienste der Stadt Frankfurt als wissenschaftliche Assistentin beim Wohlfahrtsamt. Dort oblag ihr das Fürsorgearchiv und die Redaktion der Frankfurter Wohlfahrtsblätter, die sie auch fortführte, als die Zeitschrift in der Inflationszeit nicht von der Stadt getragen werden konnte. Sie verfasste zahlreiche Artikel zu fürsorgerechtlichen Fragen, etwa den Themen Schwerbeschädigte, Jugendbewegung, Erziehung, Altersheime, Bevölkerungspolitik, Kinderschutz, Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten oder Erzieherinnen-Fortbildung.

 

Besonders widmete sie sich der Ausbildung der ehrenamtlichen Armen- und Waisenpfleger in Frankfurt; so nahm sie die Geschäftsführung des hierfür eigens gegründeten Verbandes wahr. Sie war eine enge Mitarbeiterin der Frankfurter Sozialpolitikerin Meta Quarck-Hammerschlag, der ersten Stadträtin,  und von Dr. Hans Maier, ebenfalls Stadtrat im Wohlfahrtsamt der Stadt Frankfurt, sowie dessen Nachfolger Dr. Max Michel.

 

Als Jüdin und Sozialdemokratin wurde sie 1933 wie auch Hans Maier und Max Michel entlassen, jahrelang kämpfte sie vergeblich um eine angemessene Pension. Ihre Eltern Leo und Auguste Liefmann (Jg. 1856 und 1860), die 1930 zu den ersten Bewohnern des neugegründeten Budge-Heims gehörten, wurden von ihr finanziell unterstützt. 1940 nahmen sich die Mutter und 1941 der Vater das Leben. Lucy Liefmann suchte vergeblich Zugriff auf ihr „beschränkt verfügbares Sicherungskonto“ zu erhalten, um ihren Diabetes und ihr schweres Asthma behandeln lassen zu können. Nachdem sie monatelang an einer schweren Sturzverletzung laboriert hatte und ihre Erkrankungen nicht adäquat behandelt wurden, starb Lucy Liefmann vermutlich, wie ihre Eltern, von eigener Hand. Sie ist wie diese auf dem Neuen Jüdischen Friedhof bestattet.

 

Die Stolpersteine wurde initiiert von Hanna und Dieter Eckhardt, Frankfurt.

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Lucy Liefmann © privat/AWO-Archiv

Dr. Lucy Liefmann

Geburtsdatum:

Todesdatum:

21.7.1884

3.1.1942 (Suizid)

 

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Stolperstein Melemstraße 8 Liefmann, Dr. Lucy © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

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