Hess, Julius und Emma

Hess, Julius und Emma

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Stolperstein-Biographien im Ostend

Hess, Julius und Emma

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Julius und Emma Hess © Stadt Frankfurt am Main, Foto: keine Angaben

 

Julius Hess wurde als eines von zahlreichen Kindern des Kaufmanns Josef Hess in Birstein geboren. Die Familie Hess hatte seit Generationen in Birstein im Vogelsbergkreis gelebt. Er war als Kaufmann und Vertreter tätig und betrieb in der Schlossstraße 27 eine Eisenwarenhandlung im eigenen kleinen Haus und Laden. Nach dem Ersten Weltkrieg, an dem er als Soldat teilnahm, heiratete er die acht Jahre jüngere Emma Baum. Sie stammte aus Lieser an der Mosel. Die beiden Söhne Joachim und Manfred kamen 1920 und 1924 in Birstein zur Welt. Julius Hess war viele Jahre Schatzmeister der Israelitischen Gemeinde von Birstein.

 

Wegen der Verfolgungen durch die ortsansässigen Nationalsozialisten und den Boykott ihres Geschäfts sahen sich Julius und Emma Hess 1934 gezwungen, ihre Heimatgemeinde zu verlassen. Sie zogen mit ihren beiden Söhnen nach Frankfurt am Main, wo sie hofften, unbehelligter leben und neue Existenzmöglichkeiten finden zu können. In der Obermainanlage 24 fanden sie eine Wohnung und auch eine nichtjüdische Nachbarin, Margarete Stock, mit der sie sich anfreundeten. Ganz in der Nähe, in der Palmstraße, lebte bereits seit den 1920er Jahren auch eine Schwester von Emma Hess, Anna Bravmann, mit ihrer Familie (Stolpersteine in der Palmstraße 13).

 

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Julius und Emma Hess 2 © privat/Hess, Foto: keine Angaben

 

Beim November-Pogrom 1938 wurden Julius Hess und der 18jährige Sohn Joachim verhaftet. Julius Hess wurde in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt, wo er bis zum 14.12.1938 unter unmenschlichen Haftbedingungen ausharren musste. Den Sohn Joachim verschleppten die Nationalsozialisten in das KZ Dachau. Dort wurde er vermutlich erst Anfang 1939 entlassen, als die Eltern über die Vermittlung von Bekannten aus Birstein für ihn eine Möglichkeit gefunden hatten, nach England zu gelangen. Nun versuchte die ganze Familie schnellstmöglich aus Deutschland herauszukommen. Dem 14jährigen Sohn Manfred gelang es, einen Platz in einem Hachshara-Lager im schwedischen Malmö zu bekommen. Dieses Lager hatte ein schwedisches Hilfskomitee für verfolgte jüdische Jugendliche eingerichtet, damit sie sich hier in einem landwirtschaftlichen Ausbildungskurs auf die Emigration nach Palästina vorbereiten konnten. Am 22.02.1939 kam der Tag des Abschieds für die Eltern und den Sohn. Manfred Hess berichtete später, seine Eltern hätten sich gefreut, dass er „aus dieser Hölle" heraus kommen konnte. Emma und Julius Hess schafften das unglücklicherweise nicht.

 

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Manfred und Joachim Hess mit ihrer Mutter Emma Hess © privat/Hess, Foto: keine Angaben

 

Bei der zweiten großen Deportation aus Frankfurt wurden Julius und Emma Hess ebenso wie ihre Nachbarn Irmgard, Isaak und Jettchen Levi sowie alle anderen jüdischen Hausbewohnern aus ihrer Wohnung in der Obermainanlage 24 abgeholt. Über diesen Tag berichtete die Nachbarin und Freundin Margarete Stock nach dem Krieg in einem Brief an den Sohn Manfred in Israel: „Es war unsagbar schwer, das Scheiden. Der Glaube an ein baldiges Wiedersehen half uns das Schwerste tragen. Am 11.11.1941 morgens um 8 Uhr kamen zwei Wehrmachtsbeamte [SS oder Gestapo] Sie waren sehr nett und sagten, dass Papa doppelte Wäsche und den besten Anzug und Mantel anziehen sollte, ebenfalls auch Mutti. Lebensmittel nicht in die Koffer packen, aber reichlich mitnehmen. Nachmittags kamen sie und versiegelten die Koffer. Gegen 5 Uhr war Abmarsch. (...) Es war bisher das Schwerste in meinem Leben, was mich treffen konnte, als Deine lieben Eltern und viele liebe Bekannte von uns gingen. Das ganze Haus leer, diese unheimliche Stille, alle Räume versiegelt."

 

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Margaret Stock und Emma Hess © privat/Hess, Foto: keine Angaben

 

Die Freundin konnte den Kontakt zu Emma Hess über zwei Leute aus dem Wachpersonal des Ghettos noch eineinhalb Jahre lang aufrechterhalten und auch Pakete schicken. Die Briefe, die sie von Emma Hess auf diesem Weg aus dem Ghetto bekam, sind bei der Zerstörung des Hauses Obermainanlage 24 bei einem Bombenangriff im Jahr 1944 verbrannt. Über diese Briefe erfuhr Margarete, dass Emma Hess im Ghetto einige Zeit in einer Nähstube arbeiten musste, und sie bekam die Nachricht, dass Julius Hess im Februar 1942 an den körperlichen und seelischen Qualen des Ghettolebens zugrunde gegangen war. Über den Zeitpunkt und die Umstände des Todes von Emma Hess ist nichts bekannt.

 

Die Stolpersteine wurden initiiert von den Nachkommen aus Sdeh-Eliyahu, Israel. An der Verlegung nahmen Avner (Enkel) und Ora Hess/Israel, Mazal Hess (Schwiegertochter), Yael (Enkelin) und Josef Unna/Israel, Yoav Hess (Enkel)/Israel, David Hess (Enkel) und Ehefrau/GB, Ruth (Enkelin) und Gerry Pearl/GB teil.

Emma Hess, geb. Baum 

Geburtsdatum:

Deportation:

Todesdatum:

24.10.1893

11.11.1941 nach Minsk

unbekannt

Julius Hess 

Geburtsdatum:

Deportation:

Todesdatum:

16.04.1885

11.11.1941 nach Minsk

unbekannt

 

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Stolperstein Obermainanlage 24 Emma Hess © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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Stolperstein Obermainanlage 24 Julius Hess © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

  
 

 
 

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