Krieg, Oscar

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Stolperstein-Biographien in Sachsenhausen

Krieg, Oscar

Oscar Krieg wurde in Frankfurt am Main geboren. Er besuchte die Bethmann-Mittelschule und übte anschließend verschiedene Berufe aus, unter anderem als Elektriker bei den Main-Gas-Werken. Er war ledig und wohnte bei seinen Eltern bzw. seiner Mutter Marie Bender in Frankfurt in der Hedderichstraße 42 im 3. Stock. Oscar Krieg trat nach eigenen Angaben 1921 aus der evangelischen Kirche aus. 1924 ließ er sich als Bibelforscher taufen.

 

Am 24. März 1937 wurde Oscar Krieg verhaftet, am 8. April 1937 erfolgte die Anklageerhebung wegen seiner Zugehörigkeit zu den mittlerweile verbotenen Bibelforschern. Trotz Freispruch durch das Sondergericht Frankfurt erging am 14. Juli 1937 der Schutzhaftbefehl gegen Oscar Krieg. Am 14. August traf er in Buchenwald ein. Als Häftling Nr. 1607 musste er unter anderem in der Mattenflechterei arbeiten. Am 7. März 1941 kam er nach Wewelsburg, wo er als Schäler in der Häftlingsküche arbeitete.

 

Knapp zwei Jahre später am 12.4.1943 kam er wieder nach Buchenwald, wo er als Häftling Nr. 12531 als Elektriker arbeitete. Er wog nur noch 46 kg bei einer Körpergröße von 157 cm und litt an ständigen Magen- und Darmbeschwerden, Nervenschmerzen, Herz- und Nierenleiden. Im April 1944 musste er eine Nabelbruch-Operation über sich ergehen lassen. Der letzte Eintrag auf seiner Geldkarte in Buchenwald erfolgte am 18.01.1945. Danach wurde das Konto mit einem roten Strich abgeschlossen. Er kam dann wohl Mitte April 1945 auf einen der Auflösungstransporte von Buchenwald nach Flossenbürg, wurde dort aber nicht mehr registriert. August Drda, der den Todesmarsch überlebte, schilderte: „Beim Marsch nahm ich Oskar an meine Seite, denn es schien, als ob er zusammenbrechen wollte. Einmal wollte er sich schon hinlegen. Ich riss ihn hoch u. nahm ihn in meine Gewalt. Er frug immer, ob wir bald da sind. In seiner geistigen Verwirrung sah er Gespenster u. große Lager. Dann lachte er u. freute sich, dass wir bald da sind.“ Am 17. April erreichten sie Flossenbürg, am 20. April wurden die Häftlinge, unter ihnen Oscar Krieg, erneut in Marsch gesetzt. Am Morgen des 23. April wurden sie nahe der Ortschaft Stamsried im Bayerischen Wald von Amerikanern befreit.

 

Die schwer kranken Überlebenden kamen in notdürftig eingerichtete Krankenräume bzw. ins Lazarett. Nach Auskunft der Gedenkstätte Flossenbürg kam Oscar Krieg ins Lazarett, wahrscheinlich nach Auerbach in der Oberpfalz. Dort starb er an Lungenentzündung und wurde dann in Pottenstein beerdigt. Die Gräber in Pottenstein wurden 1960 aufgelöst und die Toten auf dem Ehrenfriedhof der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg beigesetzt.

 

Die Stolpersteine wurden initiiert von den Zeugen Jehovas, Frankfurt.

 

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Oscar Kriegs Grab © Archiv Zeugen Jehovas, Foto: Keine Angabe
 
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Oscar Kriegs Einlieferung in die "Schutzhaft" © Archiv Zeugen Jehovas, Foto: Keine Angabe

 

 

Oscar Krieg

Geburtsdatum:

Haft:

Todesdatum:

24.11.1884

März 1937, Buchenwald, Wewelsburg, Flossenbürg

29.5.1945

 

 

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Stolperstein Hedderichstraße 42, Oscar Krieg © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

 

 

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