Schellhaas, Margarete und Schmitt, Karl

Schellhaas, Margarete und Schmitt, Karl

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Stolperstein-Biographien in Niederrad

Schellhaas, Margarete und Schmitt, Karl

Margarete Schellhaas, geb. Reuel wurde in Ötingen bei Forbach in Elsass-Lothringen in eine Bergmannsfamile geboren. Im Jahr 1918 zog die Familie nach Frankfurt und lebte spätestens ab 1925 in Niederrad in der Melibocusstraße 10. Nach ihrer Heirat lebte Margarete Schellhaas mit ihrem Ehemann in einem der Häuser in der 1928 während der Weltwirtschaftskrise errichteten Obdachlosensiedlung Hahnstraße 18. Im Adressbuch 1942 sind in der Hahnstraße 18 verzeichnet: Schellhaas, R., Spengler, Kesselbergstraße 18, Haus 20 und Schellhaas, Karl, Arbeiter, Kesselbergstraße 18, Haus 55. Die Hahnstraße war in der Zeit des Nationalsozialismus in Kesselbergstraße umbenannt worden.

 

Margarete Schellhaas hatte einen Bruder Wilhelm (Jg.1902), der Mitglied der KPD war und 1935 zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. In einem zweiten Prozess 1942 wurde er wieder wegen „Vorbereitung eines Hochverrats“ zu Gefängnis und anschließender Zwangsarbeit verurteilt. Er wurde am 30. April 1945 aus einem Straflager in Nordnorwegen befreit.

 

Margarete Schellhaas wurde am 9.Juni 1942 wegen „wiederholtem Fernbleiben von der Arbeit“ verhaftet und nach fünf Tagen wieder aus der Polizeihaft entlassen. Ihr Vater Wilhelm, ein Kommunist, berichtete nach 1945, dass seine Schwester Margarete zur Arbeit in der Konservenfabrik Holzhauer in der Hahnstraße 30 zwangsverpflichtet war und von der Betriebsführung denunziert wurde.

 

Nach einer erneuten Verhaftung am 30. Oktober 1944 wurde Margarete Schellhaas von der Gestapo in das KZ Ravensbrück überstellt. Ab 16. November 1944 musste sie im KZ Sachsenhausen, Frauenaußenkommando Außenlager Auer/ Oranienburg zwangsarbeiten, ihre Häftlingsnummer war F12579. Sie wurde als asozial stigmatisiert.

 

Karl Schmitt wurde in Niederrad geboren. Am 24. Dezember 1920 heiratete er Rosalie, geb. Bender. Das Ehepaar hatte vier Kinder. Die Familie lebte in der Goldsteinstraße 21. Während der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre musste sie in die Obdachlosensiedlung in die Hahnstraße 18 umziehen. Karl Schmitt hatte wechselnde Arbeitsstellen als Bauarbeiter, zwischenzeitlich auch als Bäcker.

 

Karl Schmitt war laut Zeugen im Wiedergutmachungsverfahren nach 1945 KPD-Sympathisant und gegen das Nazi-Regime eingestellt. Am 26.Januar 1939 wurde er in das Polizeirevier einbestellt und am 10. Februar 1939 in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 3541. In der Häftlings-Effekten-Karte wurde er als „ASR“ eingestuft: als „Arbeitsscheuer“, also als asozial stigmatisiert. In Buchenwald musste er für die Rüstungsindustrie arbeiten.

 

Die Stolpersteine wurden initiiert von Dieter Schmitt aus Hanau, Enkel von Karl Schmitt, der bei der Verlegung anwesend war.

Karl Schmitt

Geburtsdatum:

Haft:

Todesdatum:

23.10.1894

26.1.1939 Frankfurt, 10.2.1939 Buchenwald

24.12.1939

 

Margarete Schellhaas, geb. Reuel

Geburtsdatum:

Haft:

Todesdatum:

27.10.1910

9.-14.6.1942 Gefängnis Frankfurt, 30.10.1944 Ravensbrück, 16.11.1944 Sachsenhausen

7.1.1945

 

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Stolpersteine Hahnstraße 18, Karl Schmitt © Stadt Frankfurt am Main, Foto: stolperst_hahnstr_18_schmitt_karl

 

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Stolpersteine Hahnstraße 18, Margarete Schellhaas © Initiative StolpersteineFrankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

 

 

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