Ehrenfeld, Emil W.

Ehrenfeld, Emil W.

header image

Stolperstein-Biographien in Niederrad

Ehrenfeld, Emil

 

Emil Ehrenfeld wurde in Frankfurt geboren. Er war Schneider und wohnte seit seiner Heirat im Jahr 1928 mit der am 23.9.1903 geborenen Frieda Bär in der Kelsterbacherstraße 8. Die Tochter Margarete wurde am 27.3.1931 geboren. Frieda Ehrenfeld war „Arierin“ und Mitglied der evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde.

 

Seit den Boykotten gegen jüdische Geschäfte lief die Schneiderei immer schlechter. Zum Jahresende 1938 musste das Geschäft geschlossen werden. Emil Ehrenfeld und seine Familie wollten Deutschland verlassen. Aus Rücksicht auf seine betagten Eltern, die im Reuterweg lebten, wurden die Pläne zurückgestellt. Die Krankschreibung durch den Niederräder Arzt Dr. Tschentscher verhinderte, dass Emil Ehrenfeld nach der Pogromnacht 1938 in ein KZ deportiert wurde. 1939 gab Emil Ehrenfeld bei der Devisenstelle S ein Vermögen von 147 RM an. Die Devisenstelle sah von einer Sicherungsanordnung ab und forderte ihn stattdessen auf, zu erklären, wie er von diesem Betrag seinen Lebensunterhalt bestreiten könne. Er erklärte schriftlich: „Unterzeichneter Emil „Israel“ Ehrenfeld ist seit 31.12.1938 ohne Einkommen und bekommt von seinen Eltern (Reuterweg 53) eine monatliche Zuwendung in Höhe von 50 bis 80 RM. Außerdem kommen die arischen Verwandten meiner arischen Frau für die monatl. Miete von 32 RM auf.“ Am 28. Mai 1941 teilte Emil Ehrenfeld der Devisenstelle mit, dass er im März, April und Mai 1941 jeweils 100 RM von Frau Clara „Sara“ Tuchmann aus Kopenhagen erhalten habe. Ende 1941 starb Emil Ehrenfelds Vater und wurde auf dem Neuen Jüdischen Friedhof beerdigt. Seine Mutter Sophie, an die im Reuterweg 63 ein Stolperstein erinnert, und seine Halbschwester Lina Rosenthal aus Langendernbach im Westerwald wurden im September 1942 deportiert und später in Auschwitz ermordet.

 

Als danach Emil Ehrenfeld für sich und seine Familie ein Einreisevisum in die USA erhielt, war es zu spät. Heinrich Himmler hatte im Oktober 1941 ein Ausreiseverbot für alle Juden erlassen. Emil Ehrenfelds Ehefrau Frieda wurde wiederholt zur Gestapo bestellt. Heinrich Baab wollte sie in den scharfen Verhören zwingen, sich scheiden zu lassen. Frieda Ehrenfeld widerstand. Der Tochter Margarete wurde der Besuch der Mittelschule verweigert.

 

Ab Anfang 1941 war Emil Ehrenfeld zur Zwangsarbeit verpflichtet – von 1.2.1941 bis 30.5.1943 bei der Großreinigung Röver in der Goldstein-/Ecke Hahnstraße. Er war für die Einlagerung der Kohlen zuständig und musste die schweren, verdreckten und blutverkrusteten Soldatenmäntel von Hand umladen. Vom 2.6.1943 bis 14.6.1944 war er auf sechs verschiedenen Friedhöfen tätig, vom 16.6.1944 bis 9.2.1945 im Holzhof und der Nähwerkstatt der Gemeinnützigen Arbeitsstätte in den ehemaligen Eulerschen Flugzeughallen direkt an der Autobahn hinter der Kläranlage. Er sollte dort jüdische Näherinnen ersetzen, die bereits deportiert waren. Bei all diesen Arbeiten musste er den gelben Stern tragen.

 

Vorübergehend musste die Familie auf Veranlassung der Gestapo in die Schwanenstr. 20 umziehen. Von Theresienstadt kam Emil Ehrenfeld am 7. Juni 1945 mit schweren Gesundheitsschäden zurück. Er starb 1964.

 

Emil Ehrenfeld hatte vier Brüder: Halbbruder Sally konnte nach Dänemark und von dort nach Schweden fliehen. Alex, ehemals Schauspieler am Neuen Theater, flüchtete mit seiner Frau Martha nach Argentinien. Hugo flüchtete nach England und nannte sich fortan Hugh Field und Kurt floh mit seiner Frau Adele "Adi", geb. Schwab, in die USA. Deren Eltern und eine Schwester von Adi Schwab wurden im Holocaust ermordet, an sie erinnern Stolpersteine in der Rechneigrabenstraße 18-20.

 

Der Stolperstein wurde initiiert von Robert Gilcher.

 


Emil Ehrenfeld

Geburtsdatum:

Deportation:

27.12.1899

14.2.1945 Theresienstadt, befreit

 

Stolperstein Kelsterbacher Straße 8, Emil W. Ehrenfeld
Stolperstein Kelsterbacher Straße 8, Emil W. Ehrenfeld © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: keine Angabe

inhalte teilen