Alberti, Karl

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Stolperstein-Biographien in Niederrad

Alberti, Karl

 

Karl Alberti wurde als fünftes Kind seiner Eltern in Frankfurt am Main geboren. Sein Vater war Schuster. Die Familie wohnte im Erdgeschoss der Kelsterbacher Straße 73. Karl Alberti besuchte bis zu seinem 15. Lebensjahr die Volksschule und die erste Klasse der Wiesenhütten-Hilfsschule. Er war ledig und arbeitete als Hausbursche, z.B. im Kaiserkeller in Frankfurt. Seit dem Tod seiner Eltern, die Mutter starb 1936, hielt er sich mit Putz- und Näharbeiten über Wasser.

 

Karl Alberti wurde nach eigenen Angaben 1937 sterilisiert, ohne dass ihm der Grund hierfür verständlich war. Er wurde 1939 wegen „Unzucht mit Männern“ festgenommen. Im Rahmen einer groß angelegten Polizeiaktion gegen homosexuelle Männer war er von anderen Festgenommenen belastet worden. Ihm wurde vorgehalten, sexuelle Handlungen mit anderen erwachsenen Männern vollzogen zu haben. Ein Verfahren nach §175 wurde am 6. Juni 1939 eröffnet.

 

Die Staatsanwaltschaft beauftragte Prof. Dr. Rolf Hey (1892-1940) vom Institut für gerichtliche Medizin der Universität mit einem Gutachten zum Geisteszustand von Karl Alberti. Wie auch in zahlreichen anderen Prozessen nach §175 in Frankfurt, bescheinigte Dr. Hey dem Angeklagten einen „torpiden Schwachsinn“ und stützte sich hierbei auch auf „erbbiologische Gutachten“ über die Geschwister.

 

Auf Antrag von Staatsanwaltschaft und Pflichtverteidigung wurde am 12. Juli 1939 vom Amtsgericht Frankfurt die zwangsweise Unterbringung Karl Albertis in einer Heil- und Pflegeanstalt beschlossen. Am 15. November 1939 kam er vom Gefängnis Preungesheim in die Landesheilanstalt Eichberg im Rheingau. Von dort wurde er am 22. Januar 1941 in die zu dieser Zeit als Tötungsanstalt in der sogenannten T4-Aktion („Euthanasiemorde) fungierende Landesheilanstalt Hadamar bei Limburg verlegt und dort gleich nach der Ankunft ermordet. In der Sterbeurkunde wurde als vorgeschobene Todesursache „Lungenentzündung, Kreislaufschwäche“ angegeben.

 

 

Der Stolperstein wurde initiiert von Martin Dill und Heidi Stögbauer von der Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main und finanziert vom Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main.

 

Dank an Dieter Schiefelbein (Frankfurt) für den Hinweise auf das Verfolgungsschicksal von Karl Alberti.

 

 

 

Karl Alberti 
Geburtsdatum:   17.12.1905 
Verurteilt:   § 175 
Haft:  14.2.1939 Frankfurt
Zwangseinweisung: 1939 Anstalt Eichberg, 22.1.1941 Hadamar  
Todesdatum:  22.1.1941 

 

 

 

Stolperstein Kelsterbacherstraße 73, Alberti, Karl
Stolperstein Kelsterbacher Straße 73, Alberti, Karl © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

 

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