Ignatz Bubis-Preis

Ignatz Bubis-Preis

header image

Preise und Ehrungen

Ignatz Bubis Preis

Ignatz Bubis-Preis
Ignatz Bubis-Preis © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Kalligrafin: Tanja Leonhardt

Die Stadt Frankfurt am Main ehrt durch die Verleihung des Ignatz Bubis-Preises das Lebenswerk und die Persönlichkeit des jüdischen Unternehmers und Politikers Ignatz Bubis (1927-1999). Der Ignatz Bubis Preis ist 2001 ins Leben gerufen worden und wird alle drei Jahre nach Möglichkeit am Geburtstag von Ignatz Bubis, am 12.Januar, an eine Persönlichkeit oder Organisation verliehen, deren öffentliches Wirken durch die von Ignatz Bubis vertretenen Werte gekennzeichnet ist. Die Entscheidung über die Verleihung des Preises trifft eine Jury, welcher der Oberbürgermeister vorsitzt, bestehend aus dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland. Der Preis ist mit 50.000€ dotiert und wird in der Paulskirche durch den Oberbürgermeister übergeben. Die Verleihung des Preises soll zudem Ausdruck der Verpflichtung der Stadt Frankfurt am Main sein für die von Ignatz Bubis verkörperten Werte einzutreten.

 

inhalte teilen

Preisträger

2001 Wolfgang Thierse, Präsident des Deutschen Bundestages
2004 Prof. Dr. Franz Kamphaus, Bischof von Limburg
2007 Dr. Walter Wallmann, Oberbürgermeister a.D.
2010 Trude Simonsohn
2013 Fritz Bauer Institut
2016 Dr. h.c. Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister des Auswärtigen Amtes
2019 Cem Özdemir, Bundestagsabgeordneter

Namensgeber

Ignatz Bubis (1927–1999) war ein jüdischer Unternehmer und Politiker, der sich verstärkt gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland einsetzte. Er selbst überlebte nur knapp die nationalistische Herrschaft und verlor den Großteil seiner Familie im Holocaust, bemühte sich jedoch wiederholt das deutsch-jüdische Verhältnis zu normalisieren. In den 1970er Jahren wird Bubis, der seit 1956 als Investor im Frankfurter Westend tätig ist, in den Häuserkampf verwickelt und als Spekulant in einer vorwiegend gegen jüdische Unternehmer gerichteten Kampagne dargestellt. Außerdem wurde ihm öfter vorgeworfen als Jude auch neben der deutschen Staatbürgerschaft, mit der er sich immer wieder identifizierte, kein Deutscher zu sein. Er versuchte trotz allem stets das Deutschlandbild in Israel zu verbessern und setzte sich wiederholt für eine Verständigung zwischen Juden und Nichtjuden ein. 1978 wird er zum Vorstandsvorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Frankfurt gewählt und bemüht sich mehrere jüdische Einrichtungen wie das jüdische Gemeindezentrum oder ein Kindergarten zu errichten. In 1985 beteiligte er sich an der Besetzung der Frankfurter Schaubühne um die Uraufführung des als antisemitisch kritisierten Stücks „Der Müll, die Stadt und der Tod“ von Rainer Werner Fassbinder zu verhindern. Nach dem Tod vom Heinz Galinski in 1992 übernahm Bubis, der 1985 zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde, den Posten des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden und wird somit höchster Repräsentant der Juden in Deutschland. In 1992 wurde er ebenfalls in den Bundesvorstand der FDP gewählt, wo er seit 1969 Mitglied ist, als Frankfurter Spitzenkandidat bei den Kommunalwahlen in 1997 verhilft er seiner Partei zu einer Rückkehr in die Stadtregierung. Als Holocaustüberlebender und großer deutscher Patriot war er enttäuscht wie viel Zuspruch die Rede von Schriftsteller Martin Walser bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in 1998 fand, dem er Schlussstrichmentalität und Wegdenken von den Verbrechen des Nationalsozialismus vorwarf. Er kritisierte öfters seine Rede, die dann auch sehr kontrovers in den Medien diskutiert wurde. Der Streit wurde durch eine Aussprache in der Redaktion der FAZ beigelegt. Obwohl in Deutschland eine große moralische Instanz, befürchtete Ignatz Bubis mit seinem Engagement nichts erreicht zu haben, da sich kurz vor seinem Tod Juden und Nichtjuden immer noch fremd waren wie die Walser-Bubis Kontroverse zeigt.