Lubowitzky, Paula

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Stolperstein-Biographien in Höchst

Lubowitzky, Paula

Paula Lubowitzky wurde in Oberndorf am Neckar geboren. Sie wuchs mit zwei Geschwistern auf. Ihr Vater starb, als sie elf Jahre alt war. Am 21. August 1921 heiratete sie Adolf Lubowitzky. 1928 zogen sie nach Frankfurt-Höchst in die Loreleistraße 6. Die Ehe blieb kinderlos.

 

Paula Lubowitzky kam 1929 durch einen Vortrag im Volksbildungsheim in Frankfurt mit den Bibelforschern in Kontakt. Sie trat aus der Kirche aus und ließ sich als Bibelforscherin (so nannten sich damals die Zeugin Jehovas) taufen.

 

Im März 1937 traf eine große Verhaftungswelle die Frankfurter Zeugen Jehovas, da sie sich an einer zweiten Aktion zur Verteilung der „Luzerner Resolution“ – ein Protestbrief gegen das Verbot der Zeugen Jehovas und die Misshandlungen in den KZs – beteiligt hatten. Paula Lubowitzky wurde am 18. März 1937 verhaftet und kam ins Gefängnis nach Frankfurt-Preungesheim.

 

Bei ihrer Vernehmung gab sie nur die nötigsten Auskünfte. Allerdings antwortete sie auf die Frage, warum sie nicht mit dem „Deutschen Gruß“ grüßet: „Das Heil ist in Christus.“ Auf die Frage nach Unterstützung der Bibelforscher oder nach Zusammenkünften, die damals bereits seit vier Jahren verboten waren, zuckte sie nur mit den Achseln und machte keine weiteren Aussagen. Die Anklage enthielt die Vorwürfe, „nach dem Verbot an geheimen Zusammenkünften teilgenommen“ zu haben. Paula Lubowitzky wurde als „äußerst fanatische, verlogene und verstockte Anhängerin der illegalen IBV“ (Internationale Bibelforscher Vereinigung) bezeichnet.

 

Am 4. Juni 1937 fand die Verhandlung vor dem Sondergericht Frankfurt statt. Dort wurde sie zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, die durch die Untersuchungshaft abgegolten waren. Statt ihrer Freilassung erfolgte am 28. Juli 1937 ihre Überführung in das KZ Moringen. Von Moringen wurde sie am 21. Februar 1938 mit 149 anderen Zeuginnen Jehovas ins KZ Lichtenburg überstellt. Dort erhielt sie die Häftlingsnummer 326, die sie auch in Ravensbrück behielt, wohin sie am 15. Mai 1939 kam. In Ravensbrück musste sie bei den Aufbauarbeiten schwer arbeiten, später machte sie Putzarbeiten in Büros.

 

In Ravensbrück traf sie auf eine frühere Nachbarin. Darüber gab sie eine eidesstattliche Versicherung ab: „Im Jahre 1942 kam Frau Mina Odenbach geb. Mester aus Ffm-Höchst auch in dieses Lager. Ich kannte diese Frau schon vor meiner Haftzeit […] Frau Odenbach war Jüdin. Im Sommer 1942 - an das genaue Datum kann ich mich nicht mehr erinnern - näherte Frau Mina Odenbach sich mir und sagte dass sie in einigen Tagen zusammen mit anderen Juden in einem Sammeltransport zum Konzentrationslager Auschwitz gebracht werden würde. Weinend entfernte sie sich und seit dieser Zeit habe ich sie im Lager Ravensbrück nicht mehr gesehen.“ Frau Odenbach starb am 12. Oktober 1942 in Auschwitz.

 

Paula Lubowitzky blieb in Ravensbrück bis zur Befreiung am 30. April 1945. Am 29. Mai 1945 erhielt Paula Lubowitzky einen Ausweis, der bescheinigte, dass sie sich „bis zur Auflösung im KZ Ravensbrück in Haft befunden hat.“ Danach machte sie sich zu Fuß auf den etwa 600 km langen Heimweg und kam am 28. August 1945 in Frankfurt an.

 

Durch die langen Jahre der Haft und den Heimweg zu Fuß hatte sie schwere gesundheitliche Schäden davon getragen: Abmagerung, Zahnverlust, nervöse Erschöpfung, dazu Nerven- und Venenentzündungen. 1951 war sie gesundheitlich so angeschlagen, dass sie ihre im 3. Stock gelegene Wohnung nur noch mit erheblichen Schwierigkeiten verlassen konnte. Deshalb stellte sie den Antrag, die ihr zustehende Wiedergutmachung zügig auszuzahlen, um sich für 3.600 DM ein kleines Holzhaus in Frankfurt-Rödelheim zu kaufen. Ab Oktober 1953 konnte sie inmitten von Gärten leben. Sie starb am 12. April 1963.

 

Der Stolperstein wurde initiiert von den Zeugen Jehovas, Frankfurt.

 

Anwesend war Richard Sann, dem Paula Lubowitzky im Jahr 1953 den Besuch eines internationalen Kongresses der Zeugen Jehovas in New York ermöglicht hat.

Paula Lubowitzky, geb. Walheim

Geburtsdatum:

Haft:

10.1.1884

18.3.1937 Frankfurt-Preungesheim, 28.7.1937 Moringen, 21.2.1938 Lichtenburg, 15.5.1939 - 30.4.1945 Ravensbrück

 

 

 

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Stolpersteine Loreleistraße 6, Paula Lubowitzky © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

 

 

 

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