Knorsch, Lilly

Knorsch, Lilly

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Stolperstein-Biographien im Gallus

Knorsch, Lilly

Lilly Knorsch wurde in Frankfurt am Main geboren. Ihre jüdischen Eltern waren Salomon Dinkelspiel und Selma, geb. May. Seit 1921 war sie mit Paul Knorsch verheiratet und hatte mit ihm drei 1922, 1925 und 1930 geborene Söhne Helmut, Werner und Horst. Sie trat aus der Jüdischen Gemeinde aus und gehörte seit der Heirat der evangelischen Kirche an; sie wurde evangelisch getraut. Die Familie wohnte um 1925 in der Diemelstraße 5, zuletzt in einer Drei-Zimmer-Wohnung in der Frankenallee 114/I.

 

Der älteste Sohn musste seine Schulausbildung an der Kaufmännischen Handelsschule zwangsweise ein halbes Jahr vor der Abschlussprüfung beenden und fand mehr als ein Jahr lang keine Ausbildungsstelle. Die schließlich begonnene Lehre bei einer Eisengießerei musste er nach vier Wochen aufgrund seiner Herkunft aufgeben. Die zweite Lehre bei einem Feinkostgeschäft musste er ebenfalls vorzeitig im September 1942 beenden, denn er wurde am 28. September 1942 wegen angeblichen „Kriegswirtschaftsvergehens“ festgenommen. Schließlich wurde er vom Sondergericht Frankfurt zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, die er im Strafgefängnis Frankfurt-Preungesheim verbüßte. Anschließend weigerte er sich, in einem Rüstungsbetrieb zu arbeiten.

 

Auch dem jüngsten Sohn wurde der Besuch einer Höheren Schule wegen seiner Herkunft verwehrt. Er war dann von April 1938 bis April 1940 Lehrling in der Firma Bodo Krevet. Er erhielt nur noch Gelegenheitsarbeiten, bis er in das in das „Arbeitserziehungslager“ Heddernheim verbracht wurde.

 

Der mittlere Sohn lernte von 1940 bis 1942 als Fotolaborant bei der Firma Carl Neithold und ging nach Beendigung seiner Ausbildung als Fotograf zu den Adler-Werken, wo er wegen seiner jüdischen Herkunft nach zwei Tagen entlassen wurde. Anschließend kam er in das „Arbeitserziehungslager“ Heddernheim, in das Gefängnis der Geheimen Staatspolizei in der Gutleutstraße sowie später in das Lager Bleidenstadt, ein Außenkommando des Lagers Heddernheim, und im Oktober 1944 in das Konzentrationslager Buchenwald (Häftlingsnummer 14620), wo er 1945 schließlich befreit wurde.

 

Der älteste Sohn wurde im Herbst 1944 verhaftet und in das „Arbeitserziehungslager“ Heddernheim verschleppt (Häftlingsnummer 6435), wo er bis Anfang 1945 inhaftiert blieb; laut Entschädigungsakten wurde er wegen eines Versehens auf freien Fuß gesetzt. Anschließend versteckte er sich bis zur Befreiung durch die Alliierten gemeinsam mit seinem jüngsten,  ebenfalls von der Geheimen Staatspolizei gesuchten Bruder, bei einer Familie in Oberursel in einem Wohnwagen.

 

Lilly Knorsch wurde vermutlich im Frühjahr 1943 unter einem Vorwand von der Gestapo verhaftet und im Polizeigefängnis Frankfurt (Gefangennummer 1182) inhaftiert. Von dort wurde sie nach Auschwitz „verschubt“. Ihre Mutter Selma Dinkelspiel, geb. May, kam vermutlich in Theresienstadt ums Leben.

 

Der Stolperstein wurde von Nathalie Heun, Bewohnerin in der Frankenallee, initiiert.

 

Anwesend waren die beiden Enkel Jürgen Knorsch, Bergen-Enkheim, und Steffen Knorsch, Neu-Isenburg.


Lilly Knorsch, geb. Dinkelspiel

Geburtsdatum:

Deportation:

Todesdatum:

21.11.1898

17.5.1943 Auschwitz

12.7.1943

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Stolperstein Frankenallee 114 Lilly Knorsch © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

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