Heilmann, Friedrich

Heilmann, Friedrich

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Stolperstein-Biographien im Gallus

Heilmann, Friedrich

Friedrich Heilmann wurde in Frankfurt am Main als Sohn von Johann Adam Heilmann und dessen Ehefrau geboren. Er heiratete am 15. 10. 1910 Marie Luise Zeiss. Aus dieser Ehe ging der Sohn Karl Friedrich hervor. Wie seine Eltern und seine Geschwister engagierte er sich bereits als Jugendlicher in der Sozialdemokratie. Sein Onkel Friedrich Brühne – SPD-Vorsitzender in Frankfurt – vertrat seine Partei im Reichstag und in der Weimarer Nationalversammlung.

 

Fritz Heilmann beerbte seinen Onkel im Vorsitz der Frankfurter SPD und stand dieser bis 1930 vor. Beruflich fasste er 1920 in der Arbeitsverwaltung Fuß, zunächst als Angestellter, ab 1928 dann als Beamter. Er bekleidete zahlreiche politische Ämter: von 1921 bis 1925 und von 1929 bis 1932 war er Abgeordneter des Kommunallandtages im Regierungsbezirk Wiesbaden und des Provinziallandtages der Preußischen Provinz Hessen-Nassau.

 

In Frankfurt selbst saß er von 1924 bis 1933 in der SPD-Fraktion der Stadtverordnetenversammlung. Heilmann engagierte sich in zahlreichen parlamentarischen Gremien wie der Deputation der Arbeitszentrale für Erwerbsbeschränkte, in der Hochbaudeputation, der Deputation des Zoologischen Gartens u.v.a.m. Sein besonderes soziales Engagement fand seinen Ausdruck darin, dass er den Vorsitz des AWO-Ortsausschuss in der zweiten Hälfte der 20er Jahre wahrnahm. Er schrieb sich deren Themen wie: die Gleichberechtigung der Frau, eine existenzsichernde Fürsorgeunterstützung und die Selbsthilfe der arbeitslosen Jugendlichen auf seine politische Fahne. Diese Haltung und seine politische Prominenz war den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge, und ihre Wut wurde noch dadurch gesteigert, dass er 1932 ein Manifest mitunterzeichnete, in dem die Diffamierungen der Juden durch die NSDAP von Sozialdemokraten verurteilt wurden.

 

Nach der „Machtergreifung“ zog sich die Schlinge noch enger um Fritz Heilmanns Hals. Die Nazis entfernten ihn aus dem Staatsdienst und überwachten jeden seiner Schritte. Am 10. Mai 1933 erhielt er von einem befreundeten Gewerkschaftssekretär die Mitteilung, dass „seine Verhaftung unmittelbar bevorstünde“.  Unter dem panischen Eindruck der „Hausdurchsuchung“ bei einem Genossen, den er hatte warnen wollen, sah er nach dem Bekunden seines Sohnes keinen Ausweg, als sich das Leben zu nehmen, ahnend, was ihm an Verhören, Folter und Haft bevorstehen würde.

 

Bei seiner Beerdigung am 13. Mai 1933 auf dem Hauptfriedhof rief ihm Karl Kirchner, der Vorsitzende der SPD-Stadtverordnetenfraktion, die Worte nach: „Du hast es vorgezogen zu sterben – wir aber wollen leben und weiterkämpfen. Rote Fahnen mögen sie verbieten, rote Nelken aber nicht!“

 

 

Der Stolperstein wurde initiiert von Hanna und Dieter Eckhardt


Literatur: Michael Bermejo, Die Opfer der Diktatur, Frankfurt am Main 2006
Hanna und Dieter Eckhardt, Ich bin radical bis auf die Knochen. Biografie Meta Quarck-Hammerschlag. Frankfurt am Main 2016.

Friedrich Heilmann

Geburtsdatum:

Todesdatum:

27.10.1886

10.5.1933 (Suizid)

 

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Stolperstein Steuernagelstraße 60, Friedrich Heilmann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

 

 

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