Lehrbach, Emma (Emmi) Magdalena

Lehrbach, Emma (Emmi) Magdalena

Stolperstein-Biographien in Eschersheim

Lehrbach, Emma (Emmi) Magdalena

 

Emma Magdalena Dentzer, genannt Emmy, wurde in Albersweiler geboren. Ihr Vater war Sattler und Tapezierer. Sie war das zweite von sieben Kindern. Die Familie war evangelisch. Mit 14 Jahren ging sie in einer Pfarrersfamilie in Stellung, sie erhoffte dort mehr über Gott zu erfahren. Als 1914 die Kirchenglocken zur Mobilmachung läuteten „verlor ich den Himmel über und den Boden unter mir.“

 

1922 heiratete Emmy den Postschaffner Wilhelm Lehrbach, der am 13. Dezember 1893 in Mainz geboren war. Seit 1914 wohnte er in Frankfurt. Bald nach ihrer Heirat besuchten beide einen Vortrag von Bibelforschern. Emmy wurde regelmäßige Besucherin der Gottesdienste im Volksbildungsheim.

 

Am 11. Juli 1924 erklärten beide ihren Austritt aus der Kirche, sie ließ sich am 2. August 1924 in Offenbach als Bibelforscherin taufen. Am 26. Dezember 1926 wurde ihr Sohn Johannes, genannt Hans, geboren.

 

Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurden Zeugen Jehovas verboten (vor 1931 nannten sie sich Bibelforscher). Der Wachtturm wurde Emmy aus Bern zugeschickt, sie reichte ihn innerhalb der Gruppe weiter. Eines Tages wurde die Zeitschrift beschlagnahmt. Emmy Lehrbach und ihr Ehemann wurden am 25. November 1936 verhaftet. Da ihr zehnjähriger Sohn krank daheim lag, wurde sie nach Hause entlassen mit der Auflage, sich am nächsten Tag wieder einzufinden.

 

Am 26. Januar 1937 wurde Emmy Lehrbach „wieder geholt“. Vom 3. bis 5. Mai 1937 fand der Prozess vor dem Sondergericht Frankfurt gegen sie und neun weitere Zeugen Jehovas statt. Sie wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, die Untersuchungshaft wurde angerechnet. Zwar wurde Emmy Lehrbach entlassen, doch direkt wieder in „Schutzhaft“ genommen. Nach sieben Wochen wurde sie nach Moringen gebracht. Am 15. Dezember 1937 erfolgte ein Transport nach Lichtenburg. Am 15. Mai 1939 wurde sie ins neu errichtete KZ Ravensbrück überstellt. Sie erhielt die Häftlingsnummer 130. Die dort inhaftierten etwa 400 Bibelforscherinnen wurden am 19. Dezember 1939 aufgefordert Taschen für die Soldaten zu nähen. Ihrer geschlossenen Weigerung folgte ein dreiwöchiges Martyrium. Tagsüber mussten sie fünf Tage lang bei minus 30 Grad Strafe stehen, nachts im finsteren Zellenbau eingesperrt, auf engstem Raum auf dem blanken Lehmboden ohne Decken liegen. Ab 24. Dezember blieben sie drei Tage lang ohne Essen eingeschlossen. Bei seinem anschließenden Besuch wütete Heinrich Himmler: „Wir werden euch das Genick brechen“.

 

Emmy Lehrbach erlitt 1942 als Heizerin einen schweren Unfall. Bei einem weiteren Unfall wurde die linke Wade zerquetscht. Beide Verletzungen wurden nicht behandelt und führten zu bleibenden Schäden.

 

Auf Anordnung Himmlers, wurden die Bibelforscherinnen in Lebensbornheimen und kinderreichen SS-Haushalten eingesetzt. Der Lagerkommandant brachte Emmy Lehrbach persönlich nach Berlin zu einer Familie, dort bekam sie ein richtiges Bett und besseres Essen. Im Sommer 1943 kam sie nach München ins SS-Lebensbornheim. Die Heimleiterin berichtete am 31. August 1943 an das KZ Ravensbrück: „Frau Lehrbach ist sehr fleißig, willig und sauber; sonst aber sehr fanatisch in ihrer Einstellung.“

 

Als in München die Bombardierungen zunahmen, wurde das Lebensbornheim geschlossen. Ab 1. September 1944 wurde sie in das Lebensbornheim ranken in Ansbach- Schalkhausen überstellt. Am 10. April 1945 schloss auch dieses Heim. Danach „ging es weiter nach Steinhöring südlich von München“ auf die Säuglingsstation. An dem Tag, als die Nachricht durchs Haus ging: „Hitler ist tot“ flohen die SS-Männer in den Wald, die Häftlingsfrauen und die Kinder ließen sie zurück.

 

Am 12. Juni 1945 war sie wieder in Frankfurt. Ihre Gesundheit war zwar stark durch die erlittene Haft angeschlagen, sie musste sich zwei Operationen unterziehen, doch war sie nicht verbittert. Emmy Lehrbach verstarb am 2. Dezember 1987.

 


Der Stolperstein wurde initiiert durch Erika und Günter Krämer. Sonja und David Thompson, Thomas und Raymond Lehrbach, USA, und weitere 13 Angehörige von Emmy Lehrbach waren bei der Stolpersteinverlegung anwesend.

 

Emma Magdalena Lehrbach, geb. Dentzer

Geburtsdatum:

Haft:

Befreiung:

8.7.1896

26.1.1937 Frankfurt, 23.6.1937 Moringen, 15.12.1937 Lichtenburg, 15.5.1939 Ravensbrück, Sommer 1943 Außenstellen Ravensbrück

April 1945

 

 

Stolperstein Hinter den Ulmen 22, Emmi Lehrbach
Stolperstein Hinter den Ulmen 22, Emmi Lehrbach © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: keine Angabe

 

 

 

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