Stadtschreiberinnen und Stadtschreiber

Stadtschreiberinnen und Stadtschreiber

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Stadtschreiber von Bergen-Enkheim

Stadtschreiberinnen und Stadtschreiber

Namensschilder 2016
Namensschilder 2016 © Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim, Foto: Unbekannt

Der Literaturpreis "Stadtschreiber von Bergen" wurde geschaffen, um die wachsende Gefährdung unseres kostbarsten Kulturgutes, unserer deutschen Sprache, ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und ihr entgegenzuwirken. Dies geschieht am besten durch die Förderung dessen, der ernsthaft und verantwortlich um die Bewahrung und lebendige Weiterentwicklung unserer Sprache bemüht ist: des freien Schriftstellers.

Verbunden mit dem Preis sind der Wunsch und der Vorschlag, der Stadtschreiber möge während seiner "Amtszeit" in Bergen-Enkheim anwesend sein. Dies ist jedoch nur ein Wunsch und keinesfalls verpflichtend. (Auszug aus der aktuellen Fassung der Richtlinien für den Literaturpreis "Stadtschreiber von Bergen")

 

Die amtierende Stadtschreiberin : Anne Weber

Anne Weber, Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim 2020, Foto: Jan Woitas
Anne Weber © dpa, Foto: Jan Woitas
„Anne Weber ist gleichzeitig eine deutsche und eine französische Schriftstellerin. Sie schreibt in beiden Sprachen, und sie übersetzt in beide Richtungen (etwa Wilhelm Genazino und Peter Handke, Marguerite Duras und Pierre Michon), dies zeigt ihre außergewöhnliche sprachliche Sensibilität sowie ihr Gespür für Zwischenräume und Bedeutungshöfe. Anne Webers Texte sind hintergründige und existenzielle Spiele mit der Wirklichkeit, sie bringen Bewegung in scheinbar Festgefügtes, Verbrieftes oder Vergangenes. Damit öffnet sie den Raum für ein dezidiert gegenwärtiges Verständnis von Literatur. Es beschränkt sich nicht auf das Erfinden, sondern sucht nach geeigneten Wegen, mit Wissen und Erfahrungen umzugehen. Es ist ein intellektuell flirrendes, zwischen Ratio und subjektiver Selbstbefragung changierendes Schreiben in französischer Tradition. Herausragend ist unter anderem »Ahnen« (2015), Webers literarisch-essayistische Recherche über ihren Urgroßvater. Sie nähert sich diesem geheimnisumwobenen Vorfahren in einer Form, die sie zu einer ganz eigenen Gattungsbezeichnung führt: einem »Zeitreisetagebuch«. Und auch in ihrem jüngsten, wirklich als Epos angelegten Buch »Annette, ein Heldinnenepos« (2020), verbinden sich Form und Inhalt zu einer immer wieder aufs Neue überraschenden ästhetischen Erkenntnis.“

Das symbolische Amt des Stadtschreibers von Bergen-Enkheim wurde erstmals 1974 verliehen und ist seitdem von zahlreichen anderen Städten in Deutschland aufgegriffen worden. Der Stadtschreiberpreis wird von einer Stadtschreiberjury vergeben, der sowohl Fachjuroren als auch Bürgerjuroren angehören.

Namhafte Amtsinhaber waren nach Wolfgang Koeppen etwa Peter Härtling, Jurek Becker, Günter Kunert, Ulla Hahn, Eva Demski, Katja Lange-Müller, Robert Gernhardt, Herta Müller, Arnold Stadler, Katharina Hacker, Friedrich Christian Delius, Thomas Lehr und Marcel Beyer.

Als 47. Amtsinhaberin tritt Weber die Nachfolge von Anja Kampmann an und wird für ein Jahr im Stadtschreiberhaus in Bergen wohnen und arbeiten können. Außer dem Wohnrecht erhält sie ein Preisgeld von 20.000 Euro. 

Veranstalter des Stadtschreiberfestes sind die Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim und der Ortsbeirat Bergen-Enkheim.

 

Biographie Anne Weber
Anne Weber, geboren 1964 in Offenbach, lebt als Autorin und Übersetzerin in Paris. Sie übersetzt ins Deutsche (u.a. Pierre Michon, Georges Perros und Marguerite Duras) und ins Französische (u.a. Wilhelm Genazino, Sibylle Lewitscharoff).
Matthes & Seitz
›Luft und Liebe‹ (2010), ›August. Ein bürgerliches Puppentrauerspiel‹ (2011), ›Tal der Herrlichkeiten‹ (2012) sowie ›Ahnen<. Ein Zeitreisetagebuch‹ (2015). Zuletzt erschien von ihrAnnette, ein Heldinnenepos. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Heimito-von-Doderer-Preis, dem 3sat-Preis, dem Kranichsteiner Literaturpreis. Ihre Bücher schreibt Anne Weber sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch.

 

Werke in deutscher Sprache
Ida erfindet das Schießpulver. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1999
Im Anfang war … Suhrkamp, Frankfurt am Main 2000
Erste Person. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002
Besuch bei Zerberus. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2004
Gold im Mund. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005
Luft und Liebe. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2010
August. Ein bürgerliches Puppentrauerspiel. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011
Tal der Herrlichkeiten. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2012,
Ahnen. Ein Zeitreisetagebuch. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2015
Kirio. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2017
Wo in weiter Ferne etwas Unergründliches zu sehen ist. Rede an die Abiturienten des Jahrgangs 2017, St. Ingbert 2017
Annette, ein Heldinnenepos. Matthes & Seitz, Berlin 2020
Hörspiel: Regen. Regie: Christine Nagel. HR/Deutschlandradio Kultur. 2016


Werke in französischer Sprache
Ida invente la poudre. Le Seuil, Paris 1998
Première personne. Le Seuil, Paris 2001
Cerbère. Le Seuil, Paris 2003
Cendres & métaux. Le Seuil, Paris 2006
Chers oiseaux. Le Seuil, Paris 2006
Tous mes vœux. Actes sud, Arles 2010
Auguste – tragédie bourgeoise pour marionnettes. Le Bruit du temps, Paris 2010
Vallée des merveilles. Le Seuil, Paris 2012
Vaterland, Le Seuil, Paris 2015
Kirio, Le Seuil, Paris 2017


Übersetzungen ins Französische
Jacob Burckhardt: Démétrios, le preneur de villes. Paris 1992
Eleonore Frey: État d’urgence. Fayard, Paris 1992
Wolfgang Schivelbusch: La nuit désenchantée. Le Promeneur, Paris 1993
Hans Mayer: Walter Benjamin. Le Promeneur, Paris 1995
Birgit Vanderbeke: Guerre froide. Stock, Paris 1997
Birgit Vanderbeke: Alberta reçoit un amant. Paris 1999
Jakob Arjouni: Un ami. Fayard, Paris 2000
Corinne Hofmann: La Massaï blanche. Plon, Paris 2000
Melissa Müller: La vie d’Anne Frank. Plon, Paris 2000
Sibylle Lewitscharoff: Pong. Stock, Paris 2000
Birgit Vanderbeke: Devine ce que je vois. Stock, Paris 2000
Elke Schmitter: Madame Sartoris. Actes Sud, Arles 2001
Lea Singer: Le maître du goût. Plon, Paris 2001
Wilhelm Genazino: Un parapluie pour ce jour-là. Christian Bourgois éditeur, Paris 2002
Norbert Lebert: Car tu portes mon nom. Plon, Paris 2002
Sibylle Lewitscharoff: Harald le courtois. Le Seuil, Paris 2002
Erich Maria Remarque: Dis-moi que tu m’aimes. Plon, Paris 2002
Wilhelm Genazino: Un appartement, une femme, un roman. Christian Bourgois éditeur, Paris 2004
Wilhelm Genazino: La stupeur amoureuse. Christian Bourgois éditeur, Paris 2007
Wilhelm Genazino: Léger mal du pays. Christian Bourgois éditeur, Paris 2008
Wilhelm Genazino: Le bonheur par des temps éloignés du bonheur. Christian Bourgois éditeur, Paris 2010
Marie-Luise Scherer: L’accordéoniste. Christian Bourgois éditeur, Paris 2010
Wilhelm Genazino: Une petite lumière dans le frigo, Christian Bourgois éditeur, Paris 2012
Peter Handke: Une année dite au sortir de la nuit, Le Bruit du temps, Paris 2012


Übersetzungen ins Deutsche
Pierre Michon: Leben der kleinen Toten. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003
Marguerite Duras: Hefte aus Kriegszeiten. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2007
Pierre Michon: Rimbaud der Sohn. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008
Georges Perros: Luftschnappen war sein Beruf. Matthes & Seitz, Berlin 2012
Éric Chevillard: Krebs Nebel, diaphanes Verlag, 2013
Julia Deck: Viviane Elisabeth Fauville, Klaus Wagenbach Verlag, 2013
Pierre Michon: Körper des Königs, Suhrkamp Verlag, 2015
Cécile Wajsbrot: Zerstörung. Roman. Göttingen: Wallstein, 2020
Georges Perros: Klebebilder. Aus dem Französischen und mit Anmerkungen von Anne Weber. Mit einem Vorwort von Jean Roudaut. Berlin: Matthes & Seitz, 2020

 


Liste aller Stadtschreiberinnen und Stadtschreiber und deren Festredner

Wenn Sie unten auf einen Namen klicken, erhalten Sie weitere Informationen zur Person

Amtsjahr  Preisträger 

 Festredner 

 2019/20  Anja KampmannExternal Link  Hanns ZischlerExternal Link
 2018/19  Clemens MayerExternal Link  Jens BiskyExternal Link
 2017/18  Thomas MelleExternal Link  Ahmad MansourExternal Link
 2016/17  Sherko FatahExternal Link  Valentin GroebnerExternal Link
 2015/16  Ruth SchweikertExternal Link  Heinz BudeExternal Link
 2014/15  Dea LoherExternal Link  Willi WinklerExternal Link
 2013/14  Angelika KlüssendorfExternal Link  Jean ZieglerExternal Link
 2012/13  Marcel BeyerExternal Link  Marianne Leuzinger-BohleberExternal Link
 2011/12  Thomas LehrExternal Link  Katja Lange-MüllerExternal Link
 2010/11  Thomas RosenlöcherExternal Link  Robert MisikExternal Link
 2009/10  Ulrich PeltzerExternal Link  Heribert PrantlExternal Link
 2008/09  Friedrich Christian DeliusExternal Link  Juli ZehExternal Link
 2007/08  Reinhard JirglExternal Link  Wilfried F. SchoellerExternal Link
 2006/07  Ingomar von KieseritzkyExternal Link  Michael KrügerExternal Link
 2005/06  Katharina HackerExternal Link  Ulrich BeckExternal Link
 2004/05  Peter WeberExternal Link  Galsan TschinagExternal Link
 2003/04  Emine Sevgi ÖzdamarExternal Link  Roger WillemsenExternal Link
 2002/03  Uwe TimmExternal Link  Matthias GreffrathExternal Link
 2001/02  Wolfgang HilbigExternal Link  Friedrich DieckmannExternal Link
 2000/01  Peter KurzeckExternal Link  Ludwig HarigExternal Link
 1999/00  Wulf KirstenExternal Link  Heiner GeißlerExternal Link
 1998/99  Arnold StadlerExternal Link  Eva DemskiExternal Link
 1997/98  Jörg SteinerExternal Link  Lothar BaierExternal Link 
 1996/97  Wilhelm GenazinoExternal Link  György DalosExternal Link
 1995/96  Herta MüllerExternal Link  Jens ReichExternal Link
 1994/95  Josef WinklerExternal Link  Georges-Arthur GoldschmidtExternal Link
 1993/94  Paul NizonExternal Link  Erhard EpplerExternal Link
 1992/93  Ralf RothmannExternal Link  Hildegard Hamm-BrücherExternal Link
 1991/92  Robert GernhardtExternal Link  Peter BichselExternal Link
 1990/91  Heinz CzechowskiExternal Link  Iring FetscherExternal Link
 1989/90  Katja Lange-MüllerExternal Link  Günter KunertExternal Link
 1988/89  Eva DemskiExternal Link  Daniel Cohn-BenditExternal Link
 1987/88  Ulla HahnExternal Link  Hermann BurgerExternal Link
 1986/87  Gerhard KöpfExternal Link  Erich FriedExternal Link
 1985/86  Ludwig FelsExternal Link  Peter HärtlingExternal Link
 1984/85  Friederike RothExternal Link  Axel EggebrechtExternal Link
 1983/84  Günter KunertExternal Link  Heinrich AlbertzExternal Link
 1982/83  Jurek BeckerExternal Link  Adolf MuschgExternal Link
 1981/82  Peter BichselExternal Link  Max FrischExternal Link
 1980/81  Dieter KühnExternal Link  Peter RühmkorfExternal Link
 1979/80  Helga M. NovakExternal Link  Dieter LattmannExternal Link
 1978/79  Nicolas BornExternal Link  Martin WalserExternal Link
 1977/78  Peter HärtlingExternal Link  Alfred GrosserExternal Link
 1976/77  Peter RühmkorfExternal Link  Walter JensExternal Link 
 1975/76  Karl KrolowExternal Link  Günter GrassExternal Link
 1974/75  Wolfgang KoeppenExternal Link

 Marcel Reich-RanickiExternal Link

 

 

 

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