Frankfurter Jugendliche im Jahr vor der Corona-Pandemie so gesundheitsbewusst wie nie

Frankfurter Jugendliche im Jahr vor der Corona-Pandemie so gesundheitsbewusst wie nie

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MoSyD 2019 bestätigt positiven Trend

Frankfurter Jugendliche im Jahr vor Corona so gesundheitsbewusst wie nie zuvor

 

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Konsum- und Freizeitverhalten der 15- bis 18-Jährigen in Frankfurt © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Strecker, Anita

 

Jugendliche im Jahr vor der Corona-Pandemie so gesundheitsbewusst wie nie 

Laut MoSyD 2019 haben Frankfurter Schüler*innen im Jahr vor Corona deutlich weniger Alkohol getrunken als in den Jahren zuvor. Sie haben auch deutlich weniger herkömmliche Zigaretten geraucht und deutlich weniger Cannabis konsumiert. So viele Jugendliche wie noch nie haben sogar ganz auf legale oder illegale Drogen verzichtet. Für die repräsentative Studie, die das Drogenreferat seit 2002 jährlich finanziell fördert, wurden wieder 1500 Frankfurter Schüler*innen zwischen 15 und 18 Jahren nach ihrem Konsum- und Freizeitverhalten befragt. 23 Schulen mit 88 Klassen haben sich an der Umfrage beteiligt.

 

Alkohol

2019 hat vor allem die Bedeutung von Alkohol deutlich abgenommen. So konsumierte nur gut jede*r zweite Befragte (51 %) in den zurückliegenden 30 Tagen Alkohol. Zwar gaben noch immer 36 % der Jugendlichen an, in den letzten 30 Tagen betrunken gewesen zu sein, dies ist aber der niedrigste Wert aller Erhebungen seit 2002. Oben auf der Beliebtheitsskala bei Jugendlichen standen Bier, Schnaps und Fertigmixgetränke mit Spirituosen.

 

Zigaretten, Shisha und E-Produkte

Beim Thema Rauchen ließen immer mehr Jugendliche die Finger von herkömmlichen Zigaretten, und auch Shishas verloren im Vergleich zu den Vorjahren an Bedeutung. Stattdessen griffen Jugendliche eher zu E-Produkten. 22 % der Jungen und Mädchen gaben an, in den zurückliegenden 30 Tagen E-Produkte konsumiert zu haben. Ein Jahr zuvor lag der Wert noch bei 19 %. Die Konsumerfahrung mit E-Produkten ist aber erstmals leicht gesunken.

 

Cannabis

Auch der Cannabiskonsum war 2019 bei Jugendlichen deutlich weniger verbreitet als in den Vorjahren. Nur noch jede*r dritte Jugendliche (33 %) gab an, mindestens einmal im Leben Cannabis konsumiert zu haben. Die Lebenszeit-Prävalenz von Cannabis erreichte damit ihren Tiefstwert seit Beginn der Befragung im Jahr 2002. In den zurückliegenden 30 Tagen nahmen 18 % der Jugendlichen Cannabis – in der Vorjahresbefragung lag der Wert bei 22 %.  Im langjährigen Vergleich handelt es sich hier allerdings um einen mittleren Wert.

Abstinenz

Parallel zu den deutlichen Rückgängen beim Konsum von legalen Drogen und Cannabis lebten immer mehr Jugendliche grundsätzlich abstinent. 2019 gaben 18 % der Schüler*innen an, noch nie in ihrem Leben eine legale oder illegale Droge genommen zu haben – so viele wie noch nie seit Beginn der Befragung (2002: 4 %). Mädchen waren häufiger abstinent als Jungen: 21 % der Schülerinnen, aber nur 14 % der Schüler haben noch nie eine legale oder illegale Droge konsumiert. 

 

Alter beim Erstkonsum 

Frankfurter Jugendliche tranken im Schnitt mit 14,1 Jahren zum ersten Mal Alkohol (zum Vergleich 2002: 12,9 Jahre) und rauchten mit 14,5 Jahren zum ersten Mal Zigaretten (2002: 12,8 Jahre). Bei beiden Substanzen ist das Alter beim Erstkonsum gegenüber 2018 leicht gesunken. Bei Cannabis ist das Alter gleichgeblieben: Im Schnitt probierten Jugendliche mit 15,2 Jahren zum ersten Mal Cannabis (2002: 14,5 Jahre). „Dies scheint nun, nach fast zwanzig Jahren kontinuierlichem Anstieg des Erstkonsumalters - das kritische Alter zu sein, in dem Jugendliche meist aufgrund von Neugier Drogen ausprobieren“, so Regina Ernst, die Leiterin des Drogenreferats. Sie nennt es deshalb eine wichtige Aufgabe ihres Teams, „Jugendlichen auch weiterhin umfassende Informationen an die Hand zu geben und sie in einer reflektierten Haltung zu unterstützen“.

 

Illegale Drogen in Partyszenen

In Partyszenen mit elektronischer Musik wurde Kokain zum ersten Mal als wichtigste illegale Droge genannt. „Speed und Ecstasy haben dagegen weiter an Bedeutung verloren“, sagt Bernd Werse vom Centre for Drug Research an der Goethe-Universität in Frankfurt, der mit seinem Team die Forschung leitet. Bei Frankfurter Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist jedoch kein verstärkter Konsum zu verzeichnen: 3 % der 15- bis 18-jährigen Schüler*innen haben Kokain schon einmal ausprobiert, 2 % haben in den vergangenen 30 Tagen konsumiert.

 

Medien

Eine deutliche Veränderung wurde 2019 beim Glücksspiel um Geld registriert, vor allem bei Sport- und Online-Wetten. Nur noch 5 % der Befragten gaben an, im letzten Monat mindestens einmal um Geld gespielt zu haben. In den vergangenen sieben Jahren lag die Zahl immer konstant bei 9 %.
Ungebrochen begeisterten sich Frankfurter Jugendliche für Videos, Serien und Fernsehen. 27 Stunden pro Wochen verbrachten sie durchschnittlich pro Woche damit – wobei Schüler deutlich mehr Zeit mit Schauen verbrachten als Schülerinnen. Mediatheken wurden dafür am häufigsten genutzt, dicht gefolgt von „Influencer“-Videos und kostenpflichtigen Streaming-Angeboten/Pay-TV. „Klassisches“ Fernsehen dagegen nutzten überhaupt nur noch gut die Hälfte der Befragten. 

Das Internet nutzten Jugendliche etwa 3 Stunden pro Werktag auch für andere Zwecke als Fernsehen. 1,4 Stunden wurden im Schnitt für Kommunikation verwendet und jeweils 0,8 Stunden für Informationssuche oder Sonstiges. Von sozialen Medien und ähnlichen Diensten nutzten Jugendliche weiterhin am häufigsten WhatsApp (91 % täglich); außerdem spielten für sie täglich Instagram (79 %), YouTube (76 %), und Snapchat (62 %) eine wichtige Rolle. 

 

Prognosen für das Corona-Jahr 2020

Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf das Konsum- und Freizeitverhalten von Jugendlichen? Noch vor den Schulschließungen haben die Befragungen von Frankfurter Schüler*innen zwischen 15 und 18 Jahren für die jährliche Drogentrendstudie MoSyD (Monitoring System Drogentrends) 2020 begonnen. Nach ersten Erhebungen steht zu befürchten, dass sich die rückläufigen Konsumzahlen von 2019 im Pandemie-Jahr wieder negativ verändern könnten. Jugendliche sind durch die Schulschließungen, Kontaktverbote und Einschränkungen bei ihren Freizeitaktivitäten besonders hart betroffen.  Für Erwachsene liegen in Bezug auf Drogenkonsum schon erste Zahlen vor: Alkohol- und Cannabiskonsum sind in der Pandemie im Durchschnitt betrachtet gestiegen. Ähnliches ist auch bei Jugendlichen zu vermuten, die bereits vor Corona regelmäßig konsumiert haben. Für den Großteil der Schüler*innen bleibt aber zu erwarten, dass sich der grundsätzliche Trend zu einem rückläufigen Konsum und einem reflektierten Umgang mit Alkohol, Tabak oder auch Cannabis hält.

 

 

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