Zakowski, Josef und Elisabeth

Zakowski, Josef und Elisabeth

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Stolperstein-Biographien in Unterliederbach

Zakowski, Josef und Elisabeth

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Elisabeth Zakowski, rechts, gemeinsam mit ihrer Freundin Katharina Schulz und den Kindern von Anna Seghers © aus: "Anna Seghers. Eine Biographie in Bildern", Berlin 1994, S. 53., Foto: Keine Angabe

 

Elisabeth Zakowski wurde in Halle als Tochter des Gerichts-Assessors und späteren Landgerichtsdirektors Karl Georg Triebel und von Friederike Dorothee Franziska Elisabeth, geb. Wolff, geboren. Beide Eltern waren evangelisch. Sie hatte zwei Geschwister: Lena und Wolfgang, später Dr. Lena Deimling und Prof. Dr. ing. Wolfgang Triebel. Sie besuchte vor 1914 wahrscheinlich in Halle die Höhere Töchterschule, im Ersten Weltkrieg war sie als Krankenschwester in einem Knappschaftskrankenhaus und in verschiedenen Lazaretten tätig. Nach dem Abitur studierte sie ab 1919/20 Chemie in Jena, Halle, Berlin und Heidelberg. 1927 promovierte sie in Heidelberg zum Dr. der Chemie, anschließend war sie Assistentin an den Universitäten Göttingen und Münster, von 1929 bis 1931 Lehrassistentin an der Fachschule Münster zur Ausbildung chemisch-technischer und medizinisch-technischer Assistenten.

 

Josef Zakowski wurde in Lissa in Polen als Sohn des Kaufmanns Anton Zakowski und seiner Frau Maria Hedwig, geb. Wittig, geboren. Beide Eltern waren katholisch. Er hatte einen 1897 geborenen Bruder Edmund. Von Beruf wird er Chemiker und ist Dr. der Ingenieurwissenschaften. 1927 wurde er in Göttingen wissenschaftlicher Mitarbeiter der neugegründeten Membranfiltergesellschaft, Mitte 1929 wechselte er nach Ludwigshafen-Oppau, wo er als Chemiker im Hauptlaboratorium der I.G. Ludwigshafen mit Einsatz im Werk Oppau arbeitete.

 

Elisabeth und Josef Zakowski heirateten 1930 in Münster. Sie hatten sich 1927 in Göttingen kennengelernt. Beide traten aus den Kirchen aus und waren von kommunistischen Ideen begeistert. Mitte 1931 gab Elisabeth Zakowski ihren Beruf auf und zog zu ihrem Mann nach Mannheim. Sie unternahm in diesem Jahr eine mehrwöchige Reise nach Russland, veranstaltet vom staatlichen Reisebüro Inturist. Zurück in Deutschland beteiligte sie sich an Vorträgen der „Gesellschaft der Freunde des neuen Russlands“.

 

Von 1932 bis 1936 arbeiteten Elisabeth und Josef Zakowski bei der IG Farben in Frankfurt-Höchst. 1934/35 kauften beide in Unterliederbach bei Höchst ein Haus im Karl-König-Weg 36. Beide engagierten sich in der Frankfurter Bezirksleitung der Kommunistischen Partei Deutschlands, ohne Mitglied der KPD zu sein. Elisabeth Zakowski arbeitete vor allem mit dem Bezirksfunktionär Karl Fehler und seiner Frau Anni zusammen. (An Karl Fehler erinnert ein Stolperstein in der Tevestraße 43 im Gallus). Für Herbst 1932 ist ihre Mitarbeit bei Veranstaltungen der Interessengemeinschaft für Arbeiterkultur „auf sexual-hygienischem Gebiet“ belegt. Zu diesem Zeitpunkt war sowohl die genannte Gemeinschaft als auch der Einheitsverband für proletarische Sexualreform und Mutterschutz bereits verboten. Weiterhin unterstützte sie die „Rote Hilfe“ in Frankfurt durch Pakete mit Kleidungsstücken und Lebensmitteln für kommunistische Gefangene und deren Angehörige. Josef Zakowski soll dem führenden Frankfurter Kommunisten Alexander Nickel die Schreibmaschine der Eheleute überlassen haben, mit der Nickel dann Texte für Flugblätter geschrieben haben soll.

 

Zum Bekanntenkreis von Elisabeth Zakowski gehörte eine Freundin aus Wertheim und die Schriftstellerin Anna Seghers (1900-1985), die sie bereits während ihres Studiums in Heidelberg kennengelernt hatte. Im Januar 1935 besuchte sie die Schriftstellerin in Meudon bei Paris, wohin diese nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten geflohen war.

 

Am 31. August 1936 wurde Josef Zakowski wegen „Vorbereitung des Hochverrats“ verhaftet. Nach der Inhaftierung wurde das Haus im Karl-König-Weg 36 enteignet. Neuer Eigentümer wurde ein Laborant, das Vorkaufsrecht hatte die I.G.-Farbenindustrie AG, die ihm auch am 4. September 1936 das Dienstverhältnis ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist und ohne das Urteil abzuwarten kündigte. Am 16. September 1936 wurde er in die „Untersuchungshaftanstalt“ in der Hammelsgasse 6-10 eingeliefert. Dort erhängte er sich in der Nacht vom 25. auf den 26. November 1936.

 

Elisabeth Zakowski wurde am 6. September 1936 verhaftet. Ab 16. September 1936 verbrachte sie zunächst vier Monate in Untersuchungshaft in der Frauenstraf- und Verwahrungsanstalt Aichach. Am 5. Januar 1937 wurde sie durch das Oberlandesgericht in Kassel wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ zu 3 1/2 Jahren Zuchthaus verurteilt, die bürgerlichen Ehrenrechte wurde ihr auf fünf Jahre entzogen. Im März 1937 entzog ihr die naturwissenschaftlich-mathematische Fakultät der Universität Heidelberg die Doktorwürde. Am 6. März 1940 wurde sie aus Aichach entlassen.

 

Mit der Entlassung wurde Elisabeth Zakowski von der Gestapo eine Rückkehr nach Frankfurt verboten. Das nächste Jahr verbrachte sie erwerbslos in Stendal (Thüringen) bei ihrem Vater. Doch sie reiste auch nach Frankfurt und teilte ihren Freunden mit, dass sie nach dem Nationalsozialismus wieder in Frankfurt wohnen wolle. Aus Wissenschaft und Industrie wurde sie bei der Suche nach einer Arbeitsstelle viel unterstützt, doch verhinderte die Gestapo mehrfach eine Anstellung. Freunde vermitteln ihr schließlich eine Stelle in einer Betonfabrik in Bitterfeld. Der Firmeninhaber war Mitglied der Bekennenden Kirche und hat Verfolgte unterstützt. Von 1941 bis 1973 lebte sie dann in dieser Stadt. Doch fühlte sie sich dort von Anfang an nicht wohl und meinte, dass sie sich nach Frankfurt „noch kaputt sehnen könnte“. 1973 zog Elisabeth Zakowski in ein Altersheim in Kassel, wo sie 1992 starb.

 

Die Stolpersteine wurden initiiert von Dieter Fauth, Wertheim

 

Literatur: Dieter Fauth, Josef & Elisabeth Zakowski, geb. Triebel. Lebensbilder zum kommunistischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Frankfurt/Main 

 

 

Josef Zakowski

Geburtsdatum:

Haft:

Todesdatum:

12.5.1895

31.8.-2.9.1936 Frankfurt Polizeigefängnis, 16.9.1936 Gefängnis Hammelsgasse 6-10

26.11.1936

 

Elisabeth Zakowski geb. Triebel

Geburtsdatum:

Haft:

18.2.1897

6.9.1936-6.3.1940, Frauenstrafanstalt Aichach

 

 

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Stolpersteine Karl-König-Straße 36, Josef Zakowski © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

 

 

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Stolpersteine Karl-König-Weg 36, Elisabeth Zakowski © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Foto: Keine Angabe

 

 

 

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