Seine Kreativität verwandelt Betonwüsten in kulturelle Oasen

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Seine Kreativität verwandelt Betonwüsten in kulturelle Oasen

Lorenzo Dolce hat mit Jazz Montez ein Veranstaltungsformat geschaffen.

Lorenzo Dolce, Preisträger der „Initiative Musik“ und Gründer des Vereins Jazz Montez © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Maik Reuß

Bereits als 13-Jähriger hat Lorenzo Dolce sein erstes eigenes Konzert organisiert und das Publikum von der Bühne aus begeistert. Als Albert Mangelsdorff, der Bruder von Jazz-Urgestein Emil Mangelsdorff, davon hörte, griff dieser spontan zum Telefon und wünschte dem Teenager viel Erfolg. „Ich habe mich schon als Kind sehr stark für Jazzmusik begeistert. Mit meinen Geschwistern hatte ich sogar eine eigene Band. Doch gerade als Jazz-Saxophonist erreicht man auf dem deutschen Musikmarkt vielleicht ein Prozent des Publikums. So habe ich wegen des mangelnden Angebots selbst diese Nische bespielt“, erklärt der 33-Jährige, weshalb er selbst vom Musiker zum Veranstalter wurde. 

Letztlich ging und geht es Dolce darum, jene Musik, die er selbst am liebsten hört, einem Publikum zugänglich zu machen, das bis dahin mangels Angeboten nicht die Möglichkeit hatte, ein solches Konzert zu besuchen. In der Frankfurter Veranstaltungsszene ist Dolce inzwischen eine feste Größe. Die von ihm ersonnenen Formate wie „Jazz Montez“ oder „Holidays“ schaffen es regelmäßig, einem größeren Publikum erstklassige Jazzmusik zu präsentieren und zugleich internationalen Künstlern wie einheimischen Talenten eine große Bühne zu bieten.


Ein Ort, wie geschaffen für Dolces musikalische Ideen

Impressionen von Holidays 2022, Foto: Tim Fraats
Impressionen von Holidays 2022 © Tim Fraats

Der bestens vernetzte Frankfurter organsiert Konzerte und Open Air-Veranstaltungen im großen Stil, seit er den unter der Honsellbrücke beheimateten Kunstverein Familie Montez für sich entdeckt hat. „Als ich das erste Mal die Räumlichkeiten betreten habe, war ich direkt von der Atmosphäre überwältigt und wollte sofort dort spielen“, sagt Dolce. Aus den ersten Konzertabenden mit seinem Partner und DJ John Steinmark wurde ab 2016 rasch eine feste Veranstaltungsreihe: Immer mehr Besucher kamen, um die Musiker von „Jazz Montez“ vor der Kulisse des Hafenparks spielen zu sehen.

So wurde 2018 aus der Veranstaltungsreihe ein eingetragener Verein, dessen erklärtes Ziel es ist, die lokale Jazz-Szene zu fördern und die Musik dorthin zu bringen, wo möglichst viele Menschen sie hören können: „Frankfurt hat derzeit keine zeitgeistige musikalische Identität. Aber die Geschichte der Stadt schafft Freiraum für Neues“, sagt der Jazzliebhaber, dessen Arbeit mit mehreren Kulturpreisen und Bundes- sowie Landesförderungen gewürdigt wurde. „Lorenzo Dolce engagiert sich auch für die Karriereentwicklung junger Nachwuchskünstlerinnen und -künstler in Frankfurt und gibt ihnen regelmäßig eine Bühne. Es freut mich sehr, dass Menschen wie Lorenzo Dolce das Kulturangebot in unserer Stadt mit zeitgemäßen und publikumswirksamen Formaten ergänzen“, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig.

Mit der Vereinsgründung haben Dolce und seine Mitstreiter binnen weniger Jahre aus einem losen Künstler-Kollektiv eine professionelle Event-Agentur geschaffen: „Wir haben angefangen, uns Instrumente und Equipment zu besorgen, haben uns Bar und Küche selbst gebaut, sind ins Tonstudio oder den HR-Sendesaal gegangen, haben Alben eingespielt und Videos einzelner Künstler aufgenommen“, zählt der Kulturpionier auf. Der Lohn: Sechsmal hintereinander hat der Verein „Jazz Montez“ den dem Spielstätten-Programmpreis „Applaus“ erhalten, 2022 wurde das Format gar als beste Konzertreihe Deutschlands ausgezeichnet.

Trotz Corona ging es weiter aufwärts

Impressionen von Holidays 2022, Foto: Tim Fraats
Impressionen von Holidays 2022 © Tim Fraats

Die Corona-Pandemie war für viele Kreative ein massiver Einschnitt: Es mangelte an Auftritts- und Verdienstmöglichkeiten, aufgrund der strikten Vorgaben war es unmöglich, große Konzerte zu spielen. Doch für Lorenzo Dolce und „Jazz Montez“ war die Pandemie in gewisser Weise der Durchbruch. „Wir haben ein Konzept erarbeitet, um Konzerte und Kultur draußen und umsonst anzubieten und unter dem Label ,Holidays‘ während der Sommerferien jedes Wochenende an den Treppen vor der Honsellbrücke Bands mit Jazz-Bezug auftreten lassen“, erläutert Dolce. Hunderte Gäste, die bis in die späten Abendstunden am Rande des Hafenparks feierten, honorierten die Initiative. „Corona sollte gezeigt haben, dass es neue und junge Formate gibt, die Kultur zu den Menschen bringt und zugleich die kreative Szene fördern“, sagt Dolce.

Und so wundert es nicht, dass „Holidays“ auch nach überwundener Pandemie in diesem Jahr vom 21. Juli bis zum 20. August fortgesetzt wird. „Die Bands, die wir buchen, müssen authentische Musik spielen und einen Jazz-Bezug haben – aber das Programm sollte so breit gefächert sein, dass es auch Menschen anspricht, die nicht aus der Szene kommen“, erklärt der Veranstalter. Sein Antrieb sei es nicht, Kulturpolitik zu betreiben, sondern „Publikum und Künstler gleichermaßen zufriedenzustellen“. Gleichwohl hat Dolce registriert, dass die Stadt „Jazz Montez“ als kreatives Vorzeigeprojekt versteht: „Ich bin sehr froh über die gute Zusammenarbeit mit der Stadt. Wenn wir wegen der Planung von Events bei einem Amt anrufen, stoßen wir auf große Hilfsbereitschaft“, sagt er.

„Lorenzo Dolce hat mit Jazz Montez ein großartiges Veranstaltungsformat geschaffen. Mit großer Leichtigkeit gelingt es der Reihe, junge Menschen an ungewöhnlichen Frankfurter Orten für Jazzmusik zu begeistern. Die Veranstaltungen sind äußerst professionell organisiert und mit hohem Musikfachverstand kuratiert. Völlig zu Recht wurde ,Jazz Montez‘ vergangenes Jahr mit dem Spielstätten-Programmpreis ,Applaus‘ als beste Konzertreihe Deutschlands der Initiative Musik ausgezeichnet“, lobt Kulturdezernentin Hartwig.

Weitere Informationen zum Veranstaltungsprogramm von „Jazz Montez“ gibt es online unter jazzmontez.de/eventsExternal Link. Und hier geht es direkt zum Programm von „Holidays“, das am Freitag, 21. Juli, beginnt: jazzmontez.de/event/holidaysExternal Link.

Text: Mirco Overländer

 


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