Internetcafés für Seniorinnen und Senioren

Internetcafés für Seniorinnen und Senioren

Features

Zusammen gegen die Einsamkeit im Alter

Internetcafés als Ort der Begegnung für Seniorinnen und Senioren

Im Raum herrscht eine angenehme Kühle, obwohl es draußen 30 Grad sind. Eine ältere Frau starrt fragend auf das Tablet, das vor ihr auf dem Tisch liegt. Sie möchte wissen, wie es nun weitergehen soll. Online einen Arzttermin auszumachen, kann einige Hürden mit sich bringen, die aber überwunden werden müssen. Dafür ist der Tutor im Café Mouseclick da, der neben der älteren Frau sitzt. Er strahlt eine innere Ruhe aus, erklärt alles ausführlich und beantwortet alle Fragen geduldig.

Klaus Baumgarten erklärt Vera Basquitt den Umgang mit dem Tablet © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Maik Reuß
Vier Internetcafés für Seniorinnen und Senioren in Frankfurt gibt es insgesamt in Frankfurt: das Café Anschluss am Dornbusch, das Café Mouseclick in Höchst, Surftreff @uguste in Rödelheim und das Internetcafé Kontakt in Eckenheim. Dort wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein einfacher Einstieg in die digitale Welt ermöglicht, bei dem die Lernbedürfnisse des jeweiligen Teilnehmers an erster Stelle stehen. Eine strikte Altersgrenze wollte man in den Internetcafés nicht festlegen. Der Schwerpunkt liege zwar auf den Seniorinnen und Senioren; aber auch Interessierte ab Anfang 50, die sich von der Technologie abgehängt fühlen und dies nachholen wollen, sind gerne willkommen. „Man ist nie zu alt für die digitale Welt“, wirbt der Frankfurter Verband.

WhatsApp-Gruppen und Fotos der Enkel als Motivation

 

Schon seit dem Jahr 2000 gibt es das Café Mouseclick. „Als das Internet kam, sind immer mehr Seniorinnen und Senioren an uns herangetreten und sagten: Alle reden vom Internet. Wir wissen aber nicht, was das bedeutet“, sagt Klaus Baumgarten, der Leiter des Cafés Mouseclick. Von Beginn an wurden regelmäßig PC-Kurse angeboten, seit 2010 auch erstmals Einzelhilfen und Kurse, bei denen man den Umgang mit dem Smartphone erlernen kann. „Durch Corona ist wichtig geworden, wie bedeutend mobile Digitalität ist“, erklärt Baumgarten. Vor allem die Videocall-Plattform Zoom spielte dabei eine wichtige Rolle, um in Kontakt mit der Familie zu bleiben. Julia Söhngen, die Leitende Redakteurin von der Stadt Frankfurt herausgegebenen Senioren Zeitschrift erwähnt, wie wichtig es ist, Menschen durch Angebote in der virtuellen und der realen Welt aus der Einsamkeit zu holen und den Kontakt zueinander nicht zu verlieren. Aus diesem Grund betont Andrei Costache von der Leitstelle Älterwerden aus dem Rathaus für Senioren, wie wichtig es sei, spannende und abwechslungsreiche Angebote für Seniorinnen und Senioren zu schaffen, welche es ermöglichen, mit anderen in Kontakt zu treten sowie mit Freude gemeinsam an den verschiedenen Veranstaltungen teilzunehmen.

 

 Vera Basquitt lässt sich den Umgang mit dem iPad erklären, Foto: Maik Reuß
Vera Basquitt lässt sich den Umgang mit dem Tablet erklären © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Maik Reuß

„Es geht darum, Angebote zu schaffen und digitale Geräte zur Verfügung zu stellen“, sagt Baumgarten. Die Dankesstiftung hat die Anschaffung von zehn Tablets in fünf Einrichtungen finanziert und zwei davon an das Café Mouseclick gespendet. Vera Basquitt kommt regelmäßig in dieses Café, um den Umgang mit dem digitalen Gerät zu erlernen und nutzt eines dieser zwei Tablets. Die Dankesstiftung hat die Anschaffung von zehn Tablets in fünf Einrichtungen finanziert; zwei davon hat das Café Mouseclick erhalten. Sie sagt: „Die Notwendigkeit ist da, sich mit dem Internet zu beschäftigen. Man braucht gewisse Kenntnisse, um sich zurechtzufinden. Man kann nicht alles sofort.“ Ohne das Internet wäre heute kaum noch etwas möglich, von Arztterminen bis hin zur Abschließung eines Abos und genau aus diesem Grund ist sie hier. Die digitale Welt spiele im Alltag eine immer wichtigere Rolle. Des Weiteren bedauert sie, dass ein gewisses Tempo durch das Internet entstanden ist, das viele abhängt.

 

Stressfreies Lernen wird im Café Mouseclick großgeschrieben, Fragen können sich immer mal wiederholen und Geduld spielt hierbei eine wichtige Rolle. Da die Lernziele bei jedem Teilnehmer individuell sind, können diese sie selbst bestimmen. „Der Teilnehmer sollte sich die Frage stellen: Was ist mein persönliches Ziel? Ist es die Google Suche, eine E-Mail zu schreiben oder doch etwas anderes? Darauf sollte man den Schwerpunkt setzen“, sagt Baumgarten. Der Tutor richtet sich somit nach dem jeweiligen Teilnehmer. Erfolge zu sehen, sei dabei sehr motivierend für die Teilnehmer. Baumgarten kennt viele, die jetzt in WhatsApp-Gruppen der Familie aktiv sind und regelmäßig Fotos ihrer Enkel geschickt bekommen.

Vereint in der digitalen und analogen Welt

 

Ortswechsel an den Dornbusch: Das Café Anschluss ist mit seinen 25 Jahren das älteste Internetcafé in Frankfurt. „Wir helfen Seniorinnen und Senioren, sich in der digitalen Welt zusammenzufinden“, sagt Peter Gehweiler, Fachbereichsleiter Freiwilliges Engagement und Seniorenreisen beim Frankfurter Verband. Auch hier finden, wie in den anderen Internetcafés, Einzelhilfestunden und Gruppenkurse statt, bei denen man den Umgang mit dem Smartphone, dem iPad oder dem PC erlernt. Dabei gehört die Einzelhilfe mit einem Tutor zu den beliebtesten Angeboten des Cafés, die nicht nur die digitale Welt abdecken. Von Facebook-Kursen und eBay-Workshops über Tanzveranstaltungen bis hin zu Konzerten – das Café Anschluss bietet ein vielfältiges Programm an. Es versucht dabei nicht nur den ersten Kontakt zur digitalen Welt zu schaffen, sondern auch die verschiedensten Gemeinschaftsaktivitäten zu organisieren. Ein Beispiel dafür ist die Kreativwerkstatt, die wie das Internetcafé zum Zentrum Dornbusch gehört – Stricken, Aquarellmalen und Töpfern, der Kreativität werden hier keine Grenzen gesetzt. „Geselligkeit ist wichtig, in der Gruppe zusammenwachsen, zusammenbleiben, Freundschaften schließen, das alles passiert bei uns. Ziel ist es, Gleichgesinnte zu finden“, erwähnt Gehweiler.

 

An eine besondere Teilnehmerin erinnert sich der im Café Anschluss tätige Steven McAvinue. Eine 91-jährige Dame sei bis zu ihrem 95. Lebensjahr ins Café gekommen, um den Umgang mit dem Smartphone und Laptop zu lernen. Da ihre Tochter in Kanada lebt, war der Umgang mit den digitalen Medien unumgänglich. Seit den Einzelstunden stehe sie in engerem Kontakt mit ihrer Tochter. Durch Fotos, Videos und Videoanrufe konnte die Teilnehmerin die räumliche Distanz überbrücken; ein schönes Beispiel für den Erfolg der Internetcafés. Der Umgang mit digitalen Medien ermöglicht Seniorinnen und Senioren, in engem Kontakt mit ihren Familien, Freunden und Bekannten zu stehen und dabei über Städte, Länder oder Kontinente hinaus verbunden zu bleiben.

 

Weitere Informationen finden sich unter cafe-mouseclick.deExternal Link und cafe-anschluss.deExternal Link sowie auf der Seite Leitstelle ÄlterwerdenInternal Link.

 

Text: Raluca Andreea

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