Die Gefahren im Müll: Was macht Lachgasbehälter eigentlich so gefährlich?
20.02.2025, 14:12 Uhr
Der steigende Konsum von Lachgas hat die Gefahrenlage in Frankfurt am Main durch die zum Teil nicht restentleerten Behälter deutlich erhöht. 2024 hat die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) mehr als 6000 Lachgasbehälter im öffentlichen Raum eingesammelt, als Fehlwürfe aussortiert, auf Wertstoffhöfen entgegengenommen, zwischengelagert und an einen Dienstleister zur fachgerechten Entsorgung weitergegeben. Dafür sind alleine im vergangenen Jahr Kosten von rund 180.000 Euro entstanden.
Das Gefahrenpotenzial von Lachgasbehältern:
- Lachgasbehälter können explodieren. Dadurch können Menschen verletzt werden und schwere Schäden an Müllheizkraftwerken und Müllfahrzeugen entstehen.
- Lachgas (N2O) ist ein Treibhausgas, das rund 265-mal so klimaschädlich ist wie Kohlendioxid (CO2).
FES-Geschäftsführer Dirk Remmert sagt: „Jede fünfte
Lachgaskartusche ist unserer Schätzung nach nicht vollständig leer. Das
Gefahrenpotenzial für Menschen und Anlagen ist enorm. Würde ein solcher
Behälter im Müllheizkraftwerk explodieren und beispielsweise, wie in anderen
deutschen Anlagen schon passiert, den Rost oder die Feuerfestausmauerung
beschädigen, dann würde die Anlage für die Zeit der Reparatur stillstehen.
Damit könnte kein Abfall mehr angenommen und verbrannt werden.”
Lachgaskartuschen werden auf den FES-Wertstoffhöfen kostenfrei entgegengenommen
und bis zum Abtransport durch einen Dienstleister zwischengelagert. Ein
Pfandsystem würde vor allem die Problematik von Lachgasbehältern im
öffentlichen Raum mindern.
Remmert führt aus: „Eine bundesweite Pfandpflicht für Gaskartuschen ab 200
Milliliter würde helfen. Letztlich geht es auch um die Entsorgungssicherheit.
Je mehr Sortier- und Behandlungsanlagen durch die Explosion von
Lachgaskartuschen beschädigt werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für
einen temporären Ausfall.“
Im Müllheizkraftwerk Heddernheim (MHKW) kommt es täglich mehrmals pro Schicht
zur Explosion von Gasflaschen – bei einem Großteil davon handelt es sich
Schätzungen zu Folge um Lachgasflaschen. Größere Explosionen können zu
gravierenden Schäden führen. Im MHKW Frankfurt gab es bislang noch keine
größeren Schäden. Es kann aber bei massiven Verpuffungen, wie zuletzt am 10.
Februar, auch dazu kommen, dass die Druckwelle das Rauchgas schnell aus dem
Kessel drückt, so dass die Verweilzeit nicht ausreicht, um das Rauchgas
„auszubrennen“. Das kann zu temporär hohen Kohlenmonoxid-Werten führen; im
schlechtesten Fall auch zu einer Emissionsüberschreitung.