Frankfurt digitalisiert das Baugenehmigungsverfahren
06.03.2025, 12:11 Uhr

Meilenstein für eine moderne und effiziente Verwaltung
Die Bauaufsicht Frankfurt (BAF) treibt die Digitalisierung der Verwaltung
weiter voran: Ab Dienstag, 1. April, wird das
Baugenehmigungsverfahren vollständig digital abgewickelt. Damit reagiert die
Stadt auf die langjährigen Forderungen von Bauherren und Architekten nach einem
modernen, schnellen und transparenten Verfahren. Marcus Gwechenberger,
Dezernent für Planen und Wohnen, betont die Bedeutung dieses Schrittes:
„Digitale Verwaltungsprozesse sind kein Luxus, sondern ein Muss – für
Bürgerinnen und Bürger, für Unternehmen und für den gesamten
Wirtschaftsstandort Frankfurt. Mit der Einführung des digitalen Bauantrags
setzen wir Maßstäbe und stärken die Wettbewerbsfähigkeit unserer Stadt.“
Warum Digitalisierung?
Weniger Bürokratie und kürzere Bearbeitungszeiten
Frankfurt steht im internationalen Wettbewerb, und effiziente digitale
Verwaltungsprozesse sind ein entscheidender Standortfaktor. Besonders das
Bauantragsverfahren, eines der komplexesten Verwaltungsverfahren, profitiert
von der Digitalisierung. Weniger Bürokratie, kürzere Bearbeitungszeiten und
mehr Transparenz sind die unmittelbaren Vorteile für Bauherren, Planer und
Behörden.
Das digitale Bauportal:
Ein langer Weg mit großem Erfolg
Bereits 2017 hat die Bauaufsicht Frankfurt mit der Einführung der digitalen
Antragstellung für Werbeanlagen erste Schritte in Richtung Digitalisierung
unternommen. Dabei entschied sie sich bewusst gegen einen Alleingang und
initiierte eine landesweite Zusammenarbeit. Ein entscheidender Durchbruch
gelang 2018, als Frankfurt den Gesetzgeber dazu bewegen konnte, zentrale Hürden
in der Hessischen Bauordnung (HBO) abzubauen. Eine der wichtigsten Änderungen
war der Entfall der Schriftform, sodass digitale Bauanträge nun verbindlich
eingereicht werden können. Auf Grundlage dieser Entwicklung wurde die Ekom21
als Digitalisierungsdienstleister in den Jahren 2019 und 2020 mit der
Entwicklung eines zentralen digitalen Bauportals für Hessen beauftragt.
Frankfurt ist als Pilotbehörde maßgeblich an der Gestaltung des Bauportals
beteiligt.
Auch das Land Hessen unterstützt diesen Prozess. Hessens Wirtschaftsminister
Kaweh Mansoori betont: „Der digitale Bauantrag ist ein Meilenstein auf dem Weg
zur Digitalisierung und Vereinheitlichung der Antragsverfahren in Hessen. Mit
diesem wichtigen Schritt und den damit verbundenen kürzeren Genehmigungszeiten
schaffen wir ein attraktives Angebot für Bauherren und Investoren, die in den
Wirtschaftsstandort Frankfurt investieren. Die vollständige Digitalisierung des
Baugenehmigungsverfahrens ist Vorbild für weitere digitale Serviceleistungen
von Behörden in Hessen und ebenso richtungsweisend für den Bund.“
Das neue digitale Bauportal ermöglicht eine durchgängige und medienbruchfreie
Abwicklung des gesamten Genehmigungsprozesses – von der Antragstellung über die
Erteilung der Baugenehmigung bis hin zur Fertigstellung des Bauprojekts. Zudem
erleichtert es die digitale Beteiligung der verschiedenen Ämter in der
Stadtverwaltung und sorgt für eine nahtlose Kommunikation zwischen allen
relevanten Behörden und dem Regierungspräsidium in Darmstadt. Ein geführter
Dialog unterstützt Bauherren und Planer bei der Antragstellung, und das
einheitliche Portal für ganz Hessen gewährleistet eine sichere Weiterleitung
aller Daten und Unterlagen.
Um den Antrag überhaupt digital stellen zu können, hatte die Bauaufsicht der
Stadt Frankfurt als Voraussetzung ihre Software zur Anbindung an das Portal auf
eine neue Version aktualisiert. Dies wurde von der Hessischen Digitalministerin
mit über 100.000 Euro gefördert. „Bei Digitalisierungsvorhaben liegt großes
Potenzial in der Zusammenarbeit und im Transfer guter Lösungen. Dies ist eines
der inzwischen 92 Projekte aus dem Programm ,Starke Heimat Hessen‘, mit denen
sich Hessen zu einer Smart Region entwickelt und damit die Digitalisierung der
Kommunen wesentlich vorangetrieben wird“, ergänzte Digitalministerin
Prof. Kristina Sinemus.
Vorteile für Bauherren,
Planer und Verwaltung
Die Digitalisierung des Bauantragsverfahrens bringt zahlreiche Vorteile mit
sich: Die papierlose Bearbeitung reduziert Druck- und Plotterkosten erheblich,
da keine Mehrfachausfertigungen von Unterlagen mehr erforderlich sind. Kürzere
Abstimmungswege und reduzierte Nachforderungen führen zu einer schnelleren
Bearbeitung der Anträge. Besonders Bauherren und Entwurfsverfasser profitieren
von der erheblichen Zeitersparnis. Zudem entfällt der Unterschriftenaufwand für
Bauherrn, da digitale Anträge verbindlich eingereicht werden können. Auch die
Archivierung wird effizienter, da keine physischen Aktenberge mehr entstehen.
Simone Zapke, Amtsleiterin der Bauaufsicht Frankfurt, fasst die Bedeutung
dieser Entwicklung zusammen: „Mit der Digitalisierung des
Baugenehmigungsverfahrens macht Frankfurt einen großen Schritt in Richtung
Zukunft. Eine moderne Verwaltung, die effizient arbeitet und den Standort
Frankfurt stärkt – davon profitieren Bürger, Unternehmen und die gesamte
Stadt.“
Digitalisierung in
Frankfurt – konkrete Maßnahmen
Die Bauaufsicht Frankfurt setzt bereits heute auf digitale Lösungen und hat in
den vergangenen Jahren entscheidende Maßnahmen zur Modernisierung der
Verwaltung ergriffen. Eine zentrale Scanstelle erfasst Papierdokumente und
integriert sie in digitale Prozesse. Seit Juli 2023 erfolgt die Antragstellung
für Werbeanlagen ausschließlich digital. Zudem wurde ein digitales
Bestandsarchiv aufgebaut, in dem bereits über zehn Kilometer Akten
digitalisiert wurden. Bauherren können von ihrem eigenen PC aus auf relevante
Dokumente zugreifen. Ein weiteres Beispiel ist die digitale Baulastauskunft mit
E-Payment-Funktion, die jährlich rund 4000 Anfragen verarbeitet.
Mit der vollständigen Digitalisierung des Baugenehmigungsverfahrens setzt
Frankfurt ein starkes Zeichen für eine moderne und effiziente Verwaltung, die
den Anforderungen der Zukunft gerecht wird.