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Amt für Straßenbau und Erschließung

Wie Straßenbegeher Gefahrenstellen auf Straßen und Gehwegen ermitteln

30.11.2021 Uhr

Im Auftrag der Sicherheit

Als sogenannter Baulastträger ist das Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE) für die Unterhaltung der öffentlichen Straßen im Frankfurter Stadtgebiet zuständig. Dazu gehören tägliche Begehungen, um Gefahrenstellen auf dem Gehweg und der Fahrbahn wie Schlaglöcher, lose Pflastersteine oder andere Stolperfallen rechtzeitig festzustellen und zu beheben. Unterwegs mit einem Straßenbegeher in Höchst:

Auf der Fußgängerzone der Königsteiner Straße in Höchst ist für einen nassgrauen Morgen erstaunlich viel los. Inmitten des geschäftigen Treibens auf der „Kö“ steht ein zwei Meter großer Mann mit auffälliger Kleidung: neongelbe Warnweste, signalrote Mütze und tannengrüne Hose mit Reflektoren. Der Mann betrachtet kritisch einen schiefen Schilderpfosten und rüttelt leicht daran. Dann tritt er zurück, tippt etwas in sein Smartphone und schießt ein Foto davon. Vorbeilaufende Passantinnen und Passanten werfen ihm dabei neugierige Blicke zu – was macht der da?

 

Matthias Raum von der Wiesbadener Firma Knettenbrech + Gurdulic ist im Auftrag des Amts für Straßenbau und Erschließung der Stadt Frankfurt als Straßenbegeher unterwegs. Auf der Suche nach Schäden im öffentlichen Verkehrsraum läuft er täglich die Straßen im Verantwortungsbereich des Baubezirks West ab. Pro Tag legt er dabei Strecken zwischen 15 und 25 Kilometern zurück – das ganze Jahr über, bei Wind und Wetter. Was andere abschreckt, ist für Matthias Raum gerade das, was ihm an seinem Beruf gefällt: „Wenn man wie ich gerne draußen ist und seinen Arbeitsalltag selbst gestalten kann, ist das ’ne tolle Sache“, findet er.

 

Für Matthias Raum beginnt jeder Dienst um 7 Uhr morgens in den Räumen des Baubezirks West in der Kurmainzer Straße 4b. Bevor der 58-Jährige seine heutige Tour antritt, bespricht er sich mit dem zuständigen Oberbegeher Matthias Lichtenberg. „Schau’ bitte auch nach dem Gerüst in der Gerlachstraße 41“, gibt der ihm mit auf den Weg. Einen Kaffee zur Stärkung, noch mal auf Toilette, bevor die Möglichkeiten dazu den ganzen Tag über nur sehr eingeschränkt sind  – und dann geht es los. Der per GPS-Verknüpfung erfasste Weg führt den Straßenbegeher von der Kurmainzer Straße zum Dalbergplatz. Von dort beginnt seine Tour über die Fußgängerzone der Königsteiner Straße.

 

Vor dem Technik-Geschäft an der Ecke Königsteiner Straße / Kasinostraße stößt Matthias Raum auf den ersten Schaden. „Das ist so ein typisches Beispiel“, sagt er und deutet auf eine lose Gehwegplatte – kaum erkennbar auf den ersten Blick. Erst als er auf die Platte tritt und sie nach oben kippt, zeigt sich die Stolperfalle. „Über die Jahre entwickelt man einen gewissen Blick dafür“, erklärt Raum, der seit 2014 als Begeher arbeitet. Als Quereinsteiger – zuvor war der gebürtige Sachse bei einer Firma für Autovermietungen angestellt – hat Matthias Raum seinen heutigen Beruf, wie er selbst sagt, „mit guter Anleitung und per Learning by Doing“ erlernt, also in der Praxis.

 

Seinen Blick für den Straßenraum vergleicht Matthias Raum mit einer 360-Grad-Kamera, die bei Auffälligkeiten automatisch scharf stellt. Die unterwegs gefundenen Mängel meldet der Begeher mittels einer mobilen Version der Fachanwendung „KommunalRegie“, einem Workflow-Management-System für die Datenübertragung, über das iPhone an den Baubezirk. „Erstmal prüfe ich, ob uns dazu schon etwas im System vorliegt“, erklärt er. „Wenn nicht,  lege ich einen neuen Vorgang an und ordne den Schaden in die richtigen Kategorien ein: Ist es ein Wurzelschaden? Wie hoch ist die Stolperkante? Wie groß sind die Gehwegplatten?“

Versteckte Stolperfalle auf dem Gehweg

Im nächsten Schritt setzt er auf der im System hinterlegten Straßenkarte eine virtuelle Stecknadel. So lässt sich der Schaden punktgenau lokalisieren und ist für die Kolleginnen und Kollegen im Baubezirk leicht wiederzufinden. Diese prüfen die übermittelten Vorgänge von der technischen Seite und koordinieren die Behebung des Mangels. Dabei stützen sie sich auf eine erste fachliche Beurteilung der Straßenbegeher vor Ort: Ist der gebogene Pfosten noch im vertretbaren Rahmen – oder schon eine akute Gefahr für Verkehrsteilnehmer? „Bei akuten Gefahren im Straßenraum müssen wir sofort handeln“, betont Claudia Lamby, die als Sachgebietsleiterin im Baubezirk West die Straßenunterhaltung verantwortet. „Ein sogenannter Notstand ist zum Beispiel ein Loch im Gehweg, über das jemand stolpern kann.“

 

In den drei Baubezirken des Amtes für Straßenbau und Erschließung (Nord/Ost, Mitte/Süd und West) – sind jeweils drei Begeher im Einsatz, die sich auf die Unterbezirke verteilen. Höchst etwa gehört neben den Stadtteilen Unterliederbach, Nied, Griesheim und Sossenheim zum Unterbezirk 3 des Baubezirks West. Die drei für den Frankfurter Westen zuständigen Begeher tauschen ihre Gebiete alle zwei Monate untereinander im Rotationssystem – „um nicht betriebsblind zu werden“, sagt Sachgebietsleiterin Claudia Lamby und erklärt den Ablauf: „Öffentliche Straßen im Stadtgebiet werden in 10-, 25- und 40-Tages-Intervallen begangen – je nach Zustand und Verkehrsaufkommen der Straße. Alle zehn Tage sind die Hauptverkehrsstraßen dran. Alle 25 Tage begehen wir Nebenstraßen und alle 40 Tage Anliegerstraßen.“

 

Die Königsteiner Straße, eine Hauptachse im Frankfurter Westen, gehört zu denjenigen, die alle zehn Tage abgelaufen werden. Und das zurecht – die Liste an gefundenen Mängeln auf Matthias Raums Tour ist im Verhältnis zu anderen Begehungen lang: ein Bauschutt-Container ohne Genehmigungsplakette, ein – vermutlich vom Lieferverkehr – umgefahrener Schilderpfosten, ein umgestürzter Verteilerkasten der Telekom und ein loser Gehwegstein. Raum hat mit seiner Arbeit an diesem nassgrauen Tag einen wichtigen Teil dazu beigetragen, die Straßen in Höchst sicherer zu machen. Auch persönlich profitiere er von seiner Arbeit als Straßenbegeher, sagt er. „Ich entdecke jeden Tag viele schöne Ecken, die ich ohne die Begehungen nie finden würde. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht, wie faszinierend sie doch ist.“

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