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29.05.2015

Sanierung und Erweiterung des Jüdischen Museums

Jüdisches Museum, Außenansicht, August 2013, © Foto: PIA/Stefan Maurer
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Magistrat beschließt Bau- und Finanzierungsvorlage

(pia) Der Magistrat der Stadt Frankfurt hat in seiner Sitzung am Freitag, 29. Mai, die Bau- und Finanzierungsvorlage für die Sanierung und Erweiterung des Jüdischen Museums beschlossen.

Dabei wurden der von der Stadtverordnetenversammlung gefasste Grundsatzbeschluss zur Sanierung und Erweiterung des Jüdischen Museums vom Februar 2012 sowie der Beschluss des Wettbewerbsergebnisses vom September 2013 weiterentwickelt. Auf Grundlage der Planung der Staab Architekten GmbH aus Berlin konnte eine detaillierte Kostenberechnung für die Sanierung der Bestandsbauten und für den Erweiterungsbau erstellt werden.

27 Jahre nach der Eröffnung des Ausstellungshauses im Rothschild-Palais und 23 Jahre nach der Eröffnung des Museum Judengasse verwirklicht das Jüdische Museum Frankfurt eine neue Ausstellungskonzeption, für die eine Sanierung und Erweiterung des Jüdischen Museums unabdingbar ist. Kulturdezernent Felix Semmelroth äußert sich hierzu begeistert: „Dieser Beschluss ermöglicht neben einem zeitgemäßen Museumsbetrieb, dass das Jüdische Museum sich neuen Aufgaben widmen kann. Das neue Jüdische Museum wird sowohl die Sammlung der Familie Frank präsentieren, als auch das ergänzende Programm zur Erinnerungsstätte an der Großmarkthalle.“ Der Kulturdezernent fasst zusammen: „Es entsteht ein neuartiges Zentrum jüdischer Geschichte und Kultur. Erstmals werden sowohl 800 Jahre jüdische Geschichte in einer europäischen Perspektive als auch die herausragenden Zeugnisse der jüdischen Stadtgeschichte, die sich aus dem Rothschild-Palais, den archäologischen Resten der Judengasse und dem mittelalterlichen Friedhof zusammensetzen, in einen Kontext gesetzt.“ Zurzeit wird die Feinkonzeption für die neue Dauerausstellung im Rothschild-Palais, die unmittelbar auf der Neukonzeption der Dauerausstellung im Museum Judengasse aufbaut, von Wissenschaftlern und Museografen gemeinsam erarbeitet.

Die Dauerausstellung des Jüdischen Museums nimmt rund 1.500 Quadratmeter der Bestandsgebäude ein und gliedert sich in drei Teile, verteilt auf drei Ebenen. Beginnend auf der dritten Ebene erkundet sie in einem historischen Überblick zunächst verschiedene Aspekte der Frankfurter jüdischen Geschichte von 1800 bis heute und setzt damit die Ausstellung im Museum Judengasse fort, die Geschichte und Kultur der Frankfurter Juden vom Mittelalter bis zum Ende des Ghettos um 1800 thematisiert.

Erweiterungsbau des Jüdischen Museums, Visualisierung, © Staab Architekten GmbH
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Anschließend gelangen die Besucher über das historische Treppenhaus auf die zweite Ebene: Hier zeigt die Ausstellung sowohl die Kunst- als auch die in Europa einzigartige Judaica-Sammlung in eigenen, den Objekten angemessenen Präsentationen. Auf der ersten Ebene erwartet die Besucher eine Ausstellung zur Geschichte jüdischer Familien, wobei die beiden berühmtesten Frankfurter Familien, die Rothschilds und die Franks, jeweils eigene große Abteilungen erhalten.

Das Museum mit seinem Archiv und seiner Bibliothek wird ein Ort der Forschung sein; Ausstellungen, Kinderwerkstatt und Veranstaltungsräume werden ein regionales ebenso wie ein breites internationales Publikum ansprechen, das sich an diesem Ort mit Geschichte und Gegenwart des Judentums auseinandersetzen kann.

Die neuen Räume der Wechselausstellung liegen im Untergeschoß des Neubaus und werden über eine großzügige Treppe vom unteren Foyer aus erschlossen. Es ist geplant, zwei bis vier Wechselausstellungen im Jahr zu zeigen. Die Größe der Räume und der hohe konservatorische Standard werden dabei in erheblich größerem Ausmaß als bisher Kooperationen mit den Jüdischen Museen in den USA, Israel oder in verschiedenen europäischen Ländern ermöglichen. Die kleineren Kabinette bieten auch die Chance, wertvolle Teile der eigenen Sammlung, die nicht in der Dauerausstellung präsentiert werden, in kleineren Ausstellungen zu zeigen.

Die Höhe der Kosten der gesamten Neubau- und Sanierungsarbeiten für das Jüdische Museum inklusive der Neuausstattung des Museums Judengasse in Höhe von 3.250.000 Euro sind nach wie vor auf 50 Millionen Euro begrenzt.

Das Jüdische Museum wird ab dem 19. Juli 2015 geschlossen sein und 2018 sowohl mit dem sanierten Altbau als auch mit dem Erweiterungsbau wiedereröffnen. Das Museum Judengasse präsentiert sich bereits im Frühling 2016 mit seiner neuen Ausstellungskonzeption.