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20.09.2019

Eva Raabe wird neue Direktorin des Weltkulturen Museums

Eva Raabe in der Ausstellung 'Lukim gen – ein Rückblick' im Weltkulturen Museum © Foto: Wolfgang Günzel
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(ffm) Der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main hat in seiner Sitzung am Freitag, 20. September, dem Vorschlag von Kulturdezernentin Ina Hartwig zugestimmt, Eva Raabe als neue Leiterin des Weltkulturen Museums zu ernennen. Ihre neue Funktion wird die studierte Ethnologin ab dem 1. Oktober wahrnehmen.

„Meine Entscheidung beruht auf der außerordentlich positiven Entwicklung, die das Haus unter der kommissarischen Leitung von Eva Raabe genommen hat“, erklärt die Kulturdezernentin. „Mit richtungsweisenden Ausstellungen wie etwa ‚Grey is the New Pink’ ist es ihr gelungen, die hauseigene, weltweit bedeutende Sammlung mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen zu verknüpfen und öffentliche Debatten mitzugestalten. Infolge dieses Ansatzes erfreut sich das Weltkulturen Museum einer deutlich erhöhten Wahrnehmung sowie gestiegener Besucherzahlen. Eva Raabe begleitet das Museum seit vielen Jahren und ist wie keine Andere mit der Sammlung sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vertraut. Ihre Ernennung gewährleistet ein hohes Maß an Kontinuität, zugleich besitzt Raabe einen ausgesprochenen Sinn für die Herausforderungen unserer Zeit.“

1985 begann Raabe als Kustodin ihre Laufbahn am Weltkulturen Museum. Nachdem sie 2011 zur stellvertretenden Museumsdirektorin aufgestiegen war, wurde sie vier Jahre später als kommissarische Leiterin eingesetzt. Die 62-jährige gilt als außerordentlich erfahrene Ethnologin mit klaren konzeptionellen Vorstellungen: „Mit dem Ausstellungsprogramm der letzten vier Jahre habe ich zusammen mit dem Team des Weltkulturen Museums die Ethnologie als kulturvergleichendes Fach wieder im Museum etabliert und gleichzeitig die Auseinandersetzung mit kolonialen Kontexten zu einem wichtigen Schwerpunkt gemacht. Eine moderne Museumsethnologie muss gesellschaftsrelevante Themen aufgreifen, sich interdisziplinär vernetzen und im Austausch mit indigenen Urhebergesellschaften stehen. Mit der nächsten Ausstellung ‚Weltenbewegend. Migration macht Geschichten‘ gehen wir diesen bereits angetretenen Weg konsequent weiter.“

Unter der kommissarischen Leitung von Eva Raabe verzeichnete das Weltkulturen Museum einen kontinuierlichen, zuletzt deutlichen Anstieg seiner Besucherzahlen. So wurde die Gesamtzahl aller 23.200 Besucherinnen und Besucher in 2018 bereits im laufenden Geschäftsjahr 2019 übertroffen.

Eva Raabe wurde 1957 in Osnabrück geboren. Auf ein 1982 abgeschlossenes Studium der Ethnologie an der Universität Göttingen folgte 1990 ihre Dissertation zu Kultur- und Besiedlungsgeschichte Neuguineas. Neben Sammel- und Forschungsaufenthalten in Papua Neuguinea und Australien, ging sie verschiedenen Lehraufträgen an den Universitäten Marburg und Frankfurt nach. Ihren Ruf als ausgewiesene Expertin für Kunstethnologie, Pazifikstudien und Museumsethnologie erwarb sie sich unter anderem über zahlreiche Fachpublikationen. 1998 bis 1999 absolvierte sie ein Forschungsjahr als International Research Fellow an der Australian National University in Canberra.

Ihre inhaltlichen Schwerpunkte als Kustodin und kommissarische Direktorin des Weltkulturen Museums bestanden bislang in der Verknüpfung von Ethnologie und nicht-westlicher zeitgenössischer Kunst, dem Aufbau einer entsprechenden Sammlung für den Bereich Neuguinea, der fortschreitenden Sammlungsdigitalisierung sowie der Aufarbeitung kolonialer Kontexte.

„Dank ihrer profunden Kenntnisse der ethnologischen Diskussionszusammenhänge sowie umfangreichen Erfahrungen bei der inhaltlichen Positionierung und Verwaltung des Weltkulturen Museums verfügt Eva Raabe über die notwendigen Voraussetzungen, um die anstehenden Forschungs- und Zukunftsfragen zu beantworten“, sagt Kulturdezernentin Hartwig. „Hierzu zählen insbesondere die Restitutionsproblematik und der Umgang mit Sammlungsobjekten aus dem kolonialen Zeitalter. Die Aufarbeitung kolonialer Geschichte erfordert eine umsichtige und kritische Auseinandersetzung im Einzelfall. Diese gesellschaftlich hoch relevante Aufgabe traue ich Eva Raabe uneingeschränkt zu.“