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09.08.2019

Jubiläumsausstellung zum 80. Geburtstag: ‚Gisela Weber. Heute und zurück‘

Die Künstlerin Gisela Weber hinter einer Installation ihrer Marmorstelen, © Foto: Horst Ziegenfusz
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(ffm) Sie nennt sie „kleine Horde“ oder „Angelika“. Sie stehen einzeln oder zusammengefasst in Gruppen. Für die Jubiläumsausstellung in der AusstellungsHalle 1A, die in Kooperation mit dem Kulturamt Frankfurt entstand, formiert Gisela Weber eine Installation ihrer Marmorstelen mit 41 Arbeiten aller Längen zu einer „Frankfurter Gruppe“. Die Künstlerin nennt ihre Marmorstelen „Zeichen“, die durch die Bedeckung der Sockel mit organischem Material wie aus dem Boden zu brechen scheinen.

Obwohl Gisela Weber als ausgebildete Goldschmiedin auch hätte andere Materialien bevorzugen können, war sie von Anfang an fasziniert von der Eigenart und Schönheit des Steins vor allem des Marmors, aber auch von dessen Widerstand, der sich ihr beim Bearbeiten entgegensetzt. Schon früh experimentierte die Künstlerin mit diesem Werkstoff, wobei es ihr jedoch nie um eine historische Auseinandersetzung mit dem Material ging, sondern um dessen Charakter. Form und Farbe des Steins fordern sie seither heraus und beeinflussen das Ergebnis. Bis heute arbeitet Gisela Weber mit Marmor, den sie aus der regionalen Steinindustrie bezieht. In ihrem Atelier in der Ostparkstraße in Frankfurt entstehen lange Stangen, die sie nicht mit Hammer und Meißel, sondern mit einem Winkelschleifer und wie in alten Zeiten händisch bearbeitet.

„Diese filigranen, bis zu drei Meter hohen Stelen sind auf das Notwendigste reduzierte Skulpturen, die ihren Raum beanspruchen und sich in ihm behaupten“, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig. „Auffallend sind nicht nur die unterschiedlichen Höhen der Stelen, sondern auch die Gestaltung mit verschiedenen Abschlüssen und Knicken, die einen sofort in ihren Bann ziehen.“

Entgegen der klassischen Bildhauerei, lassen Gisela Webers Marmorstelen jede steinerne Schwere vergessen und öffnen sich in ihrer Transparenz dem durchscheinenden Licht. Durch die Reduktion auf das materialbedingt Mögliche treten die feinen Maserungen und Färbungen des Steins in erstaunlicher und einzigartiger Weise zum Vorschein und aus den Stelen werden individuelle „Zeichen“, die die Eigenschaften des Steins fast aufzulösen scheinen.

„Gisela Weber platziert ihre Skulpturen bewusst so, dass sie Korrespondenzen sowohl untereinander als auch zum Betrachter aufbauen können“, sagt Susanne Kujer, die Kuratorin der Schau. „Ihre Arbeiten zeichnen sich durch einen stark meditativen Charakter aus, der auf ein Innehalten des Betrachters zielt. Im Dialog mit den „Zeichen“ wird der Raum in der AusstellungsHalle zu einem kontemplativen Ort der Ruhe und Besinnung und das ästhetische Erleben der Formen im Raum zu einem kostbaren Moment.“

Neben den Marmorstelen ergänzen farbige Zeichnungen aus Wachskreide, bei denen Texte in geometrische Farbfelder einfließen das Œuvre der Künstlerin. Die Texte sucht Gisela Weber dabei nach ganz persönlichem angesprochen sein aus. Es sind Gedichte von Rose Ausländer oder Texte von Fernando Pessoa, Gino Cielino oder Paul Celan, die als Ergänzung in ihren Zeichnungen zu einem eigenen Gestaltungsmittel werden.

Gisela Webers Arbeiten sind meditativ. Besucher der Ausstellung sollten sich die Zeit nehmen, diesem ästhetischen Reiz zu folgen.

Weitere Details zur Eröffnung, der Ausstellung und der Künstlerin finden sich in dem beigefügten PDF.