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04.12.2018

Cindy Sherman ist Max-Beckmann-Preisträgerin der Stadt Frankfurt 2019

Cindy Sherman, US-amerikanische Fotokünstlerin, © picture alliance/dpa/EPA, Foto: Franck Robichon
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(ffm) Der Max-Beckmann-Preis 2019 der Stadt Frankfurt am Main geht an die US-amerikanische Künstlerin Cindy Sherman.

Das entschied ein zehnköpfiges Kuratorium, dem Oberbürgermeister Peter Feldmann vorsteht und dem Kulturdezernentin Ina Hartwig, die Vorsitzende des Kulturausschusses Nina Teufel, der Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung Stephan Siegler, Städeldirektor Philipp Demand, die Direktorin des Frankfurter Kunstvereins Franziska Nori, die Künstlerin und stellvertretende Direktorin der Städelschule Judith Hopf, der Künstler Tobias Rehberger und der Architekt Peter Cachola Schmal angehören.

Cindy Sherman, geboren am 19. Januar 1954, ist eine Schlüsselfigur der konzeptuellen Fotografie. In ihrem Werk verhandelt sie die Repräsentation der Frau in einer von Konsum und Medientechnologie getriebenen Gesellschaft und hinterfragt tradierte, vor allem männlich geprägte Sehgewohnheiten und einen nicht selten voyeuristischen Blick auf die Frau.

Sherman wurde vor allem durch ihre Arbeiten „Complete Untitled Film Stills“ (1977-80) und ihre späteren Selbstportraits bekannt, in welchen sie verschiedene Rollen einnimmt: Sie ist die Kamerafrau, die Darstellerin, die Regisseurin, die Maskenbildnerin oder auch die Garderobiere. Sherman geht es um die Dekonstruktion von Rollenbildern und Klischees.

Wenngleich diese Zuweisung nicht von der Künstlerin selbst ausgeht, wird ihr Werk im Kontext feministischer Diskurse situiert. Für die Filmtheoretikerin Laura Mulvey ist Sherman mit ihren Arbeiten an der Deobjektivierung des weiblichen Körpers beteiligt und stellt sich somit gegen eine kapitalistische Vereinnahmung von eben diesem. Indem sie Stereotypen des kollektiven Bildgedächtnisses in der medialen Gesellschaft aufzeigt, regt sie zur kritischen Auseinandersetzung mit deren Funktion und Wirkung an.

„Ich freue mich, dass der renommierte Max-Beckmann-Preis an eine großartige Künstlerin geht, deren schillernde, gebrochene Bildsprache längst zum kulturellen Gedächtnis des frühen 21. Jahrhunderts zählt“, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig zur Wahl Cindy Shermans. „Die Jury hat sich für Cindy Sherman entschieden, weil sie in ihrer Arbeit bereits seit vierzig Jahren gesellschaftliche Themen verhandelt, die von höchster aktueller Relevanz sind. Ihre inszenierten Fotografien schärfen unseren Blick dafür, dass die Produktion und Rezeption von Bildern nicht unschuldig ist und bieten eine Folie, vor der Gender- und Identitätsfragen in den Blick rücken können. Über das Genre des Selbstportraits lässt sich zudem ein thematischer Bogen zu Max Beckmann schlagen, der ungewöhnlich viele Selbstbildnisse und Selbstdarstellungen in verschiedenen Rollen gemalt, gezeichnet, radiert und lithografiert hat.“

Mit dem Beckmannn-Preis ehrt die Stadt hervorragende Leistungen in den Bereichen Malerei, Grafik, Bildhauerei und Architektur. Der Preis wird alle drei Jahre vergeben. Die Verleihung erfolgt anlässlich des Geburtstags von Max Beckmann am 12. Februar 2019 durch Oberbürgermeister Peter Feldmann. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde seit 1978 insgesamt vierzehn Mal vergeben. Nach Maria Lassnig, Barbara Klemm und Agnès Varda ist Cindy Sherman erst die vierte weibliche Preisträgerin.

Max Beckmann, der von 1925 bis 1933 als Künstler und Lehrer an der Städelschule gearbeitet hat, gehört zu den bedeutendsten Malern des 20. Jahrhunderts. 1933 wurde er von den Nationalsozialisten gezwungen, seinen Lehrstuhl aufzugeben und ging ins Exil nach Amsterdam und New York, wo er 1950 starb. Ihm zu Ehren hat die Stadt 1976 den nach ihm benannten Preis eingerichtet, der an seinem Geburtstag verliehen wird.