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12.04.2018

Oberbürgermeister Feldmann: Modernes Frankfurt ohne 68er-Bewegung nicht vorstellbar

Oberbürgermeister Peter Feldmann (r) zeigt zusammen mit dem Historiker Norbert Saßmannshausen (l) die Broschüre 'Revolte am Main', 12. April 2018, © Foto: Bernd Kammerer
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Medientour zu zentralen Orten der Revolte vor fünfzig Jahren

(ffm) Frankfurt gilt – neben Berlin – als eines der Zentren der Studentenbewegung vor fünfzig Jahren. Das hat die Stadt zum Anlass genommen, am Donnerstag, 12. April, Medienvertreter zu einer Reise durch die Stadt „Auf den Spuren der 68er-Revolte“ einzuladen. Oberbürgermeister Peter Feldmann begrüßte die Teilnehmer. Dabei würdigte er die Bedeutung der Bewegung für die Entwicklung der Stadt. „Das moderne, weltoffene Frankfurt können wir uns ohne diese Entwicklung nicht vorstellen“, sagte Feldmann.

Los ging es am Römerberg, gefolgt von einem kleinen Fußmarsch zur Paulskirche. Der Platz vor dem Rathaus diente 1968 als Kundgebungsort zu verschiedenen Anlässen. Hierzu gehörten etwa Demonstrationen gegen die Notstandsgesetze, der Ostermarsch oder ein Trauerzug aus Anlass der Ermordung Matin Luther Kings. Vor der Paulskirche demonstrierten Studenten gegen die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an den senegalesischen Staatspräsidenten Léopold Senghor. In dem Gebäude entrissen während einer Magistratsveranstaltung zum fünfzigjährigen Jubiläum des Frauenwahlrechtes Feministinnen dem damaligen Oberbürgermeister das Mikrofon, um für Gleichberechtigung zu demonstrieren.

Nächstes Etappenziel war der Campus Bockenheim mit dem Institut für Sozialforschung (IfS), dem Studentenwohnheim „Kolbheim“ sowie dem alten Universitätsgelände. Am IfS legten Theodor W. Adorno und Max Horkheimer die philosophische und intellektuelle Basis der Bewegung. Das Universitätsgelände war Schauplatz verschiedener Proteste, die auch die eigene Bewegung selbstkritisch aufs Korn nahmen wie die „SDS-Weiberratssitzung“. Von dort ging es auf dem klassischen Demonstrationsweg von damals zum Opernplatz. Im heutigen Operncafé befand sich damals die erste Buchhandlung der neuen Linken mit dem Namen „libresso“. Sie versorgte die Protestbewegung mit linken Zeitschriften und bot einen Platz zum Lesen. Von dort ging es zum Club Voltaire in der Kleinen Hochstraße. Zwar schon 1962 eröffnet, gehörte er zu den wichtigsten Treffpunkten der Bewegung.

Der Oberbürgermeister bilanzierte: „Es war kein Zufall, dass Frankfurt damals eine zentrale Rolle einnahm. Denn die Stadt, ihre Institutionen und ihre Gesellschaft stehen traditionell für Aufbruch und Neues. Die Tatsache, dass sich die Proteste auch gegen ihre Strukturen richteten, ändert hieran nichts. Denn zum Geist der Stadt gehört es, Widerspruch als Bestandteil gesellschaftlichen Fortschritts zu begreifen.“

Viele weitere aktuelle Termine zu 50 Jahren 1968 sowie eine ausführliche Chronik der Ereignisse sind in unserem Themen-Special unter http://www.frankfurt.de/68wird50 im Internet abrufbar.