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Kauenhagen, Frieda und Hermann

Frieda bzw. Friederike Kauenhagen, geb. Schlesinger, wurde am 17. oder 14.7.1897 in Neumark geboren als Tochter des Bankdirektors Isaak Schlesinger und von Helene Schlesinger, geb. Hennig. Sie besuchte das Lyzeum, das sie nach dem zehnten Schuljahr mit Abschlusszeugnis verließ. Von etwa 1926 bis 1933 war sie als Buchhalterin bei der Herrenkleiderfabrik „Gebrüder Manes“ in Berlin, Holzmarktstraße 1, später Rosenthaler Straße 3, beschäftigt. Sie verlor ihren Arbeitsplatz vermutlich infolge der „Arisierung“ des Betriebes. Anschließend bis 1935 war sie in einem anderen Konfektionsgeschäft tätig, das ebenfalls „arisiert“ wurde. Sie zahlte Beiträge zur Angestelltenversicherung bis Juni 1937, sodass angenommen werden kann, dass sie bis zu diesem Zeitpunkt erwerbstätig war. Am 1.2.1936 heiratete sie den Kaufmann Hermann Kauenhagen in Frankfurt. Einem Bruder, der eine Arztpraxis in Berlin unterhielt, gelang 1939 die Flucht in das schweizerische Exil.

Hermann Kauenhagen, geb. in Ragnit (Ostpreußen), war Stiefsohn des Landwirtes Hermann Hennig, der im Dezember 1940 im Israeltischen Krankenhaus, Gagernstraße 36, an Leberkrebs starb. Der Stiefvater war Miteigentümer des Landgutes „Hof Schwall“ bei Nastätten im Taunus. Das Gut diente bis zu seinem erzwungenen Verkauf im Juli 1938 für 39.000 Reichsmark an den Bauer Rudolf Rudolph aus Münsterappel (Saarpfalz) zur landwirtschaftlichen Ausbildung jüdischer Emigranten. Hermann Kauenhagen kämpfte im Ersten Weltkrieg zuletzt als etatmäßiger Feldwebel an der Front, erhielt das Eiserne Kreuz II. Klasse und das Ehrenkreuz für Frontkämpfer. Er litt an Diabetes und hatte kurz vor der Deportation laut Angaben in den Entschädigungsakten rund 20 Kilo an Gewicht verloren.

Hermann Kauenhagen war als Vertreter großer Eisenwerke tätig, unter anderem für die Firma „Gebrüder Gienanth-Eisenberg“ in Eisenberg (Pfalz). Erzwungene Aufgabe der Beschäftigung Ende 1938. Im Zusammenhang mit dem November-Pogrom 1938 war er zeitweilig in Haft. Er unterstützte seinen Stiefvater nach dem erzwungenen Verkauf des Gutes laut Devisenakte mit monatlich 100 Reichsmark. Sein Vermögen belief sich Anfang Dezember 1938 laut Devisenakten noch auf 14.448,48 Reichsmark. Von seinem „beschränkt verfügbaren Sicherungskonto“ genehmigte die Devisenstelle im Juli 1939 einen monatlichen „Freibetrag“ von zunächst 500 und dann 850 Reichsmark, den sie im Dezember 1939 auf 350 Reichsmark reduzierte. Hermann Kauenhagen entrichtete zwangsweise „Judenvermögensabgaben“ in Höhe von mindestens 4.050 Reichsmark und noch im Oktober 1941 eine „Auswandererabgabe“ in Höhe von 266 Reichsmark an die Jüdische Gemeinde.Das Ehepaar wohnte ab 1936, später zog der Stiefvater zu ihnen, in einer Zwei-Zimmer-Wohnung Auf der Körnerwiese 11.

Personen
Hermann Kauenhagen
Geburtsdatum:7.7.1889
Deportation:1942 in Region Lublin
Todesdatum:unbekannt
Frieda Kauenhagen, geb. Schlesinger
Geburtsdatum:14.7.1897
Deportation:1942 in Region Lublin
Todesdatum:unbekannt
Stolperstein Körnerwiese 11, Frieda Kauenhagen © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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Stolperstein Körnerwiese 11, Hermann Kauenhagen © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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