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Loewe, Otto und Mathilde

Otto Loewe und seine Mutter Mathilde Loewe, geb. Craizenach wurden in Frankfurt geboren, die Mutter wohnte in der Krögerstraße 10/III. Dr. Otto Loewe war mit der nach NS-Gesetzen als „Arierin“ geltenden evangelischen Ida, geb. Seeber, verheiratet und selbst protestantisch geworden. Otto Loewe war Facharzt für Chirurgie und Röntgenologe und hatte sich um den Aufbau des evangelischen St. Markuskrankenhauses verdient gemacht. Er belegte ab 1907 Betten im Diakonissenheim in der Falckstraße, stiftete 1910 aus eigenen Mitteln den ersten Röntgenapparat und engagierte sich für den Ausbau des Diakonissenheims zu einem Krankenhaus. Diese Pläne mussten wegen des Krieges zurückgestellt werden. 1918 kaufte er zusammen mit seiner Frau das Nachbarhaus in der Falkstraße und stellte dem Bockenheimer Diakonissenverein Räume für die Erweiterung des Krankenhauses zur Verfügung. Das war der Grundstock des Markuskrankenhauses, das 1928 in der Falkstraße eröffnet wurde. Löwe wurde Chefarzt.
1933 mussten viele Krankenhäuser ihre Ärzte jüdischer Herkunft entlassen, die frei praktizierenden Ärzte verloren ihre Kassenzulassung. In Absprache mit dem Diakonissenverein legte Löwe sein Amt als Chefarzt und Vorstandsmitglied nieder, um dem Krankenhaus Probleme zu ersparen. Er arbeitete aber unter seinen sich sehr kollegial verhaltenden Nachfolger weiter am Krankenhaus. Das ging erstaunlich lange gut. Nach Verabschiedung der Nürnberger Gesetze von 1935 wurde der Vorstand endgültig aufgefordert, Löwe zum 1.10.1935 zu entlassen. In einem einzigartigen, mutigen Akt des Widerstands weigerte sich der Vorstand, die Kündigung auszusprechen. Die Kollegen und vor allem die Schwestern stellten sich hinter diesen Beschluss. Daraufhin wurde das Krankenhaus gesperrt, d.h. die Leistungen der dort praktizierenden Ärzte wurden von den Kassen nicht mehr honoriert, das Krankenhaus hätte schließen müssen. Am 5. Oktober beendete Otto Löwe von sich seine Tätigkeit am Krankenhaus. Am 19. Oktober 1935 wurde die Sperre auf¬gehoben. Der bis dahin amtierende Chefarzt wurde durch einen Nazifunktionär ersetzt. Löwe praktizierte privat, so gut es ging, weiter, schickte seine beiden Söhne ins Ausland nach Mexiko, gab dem einen eine Röntgenausstattung als Starthilfe mit, und plante seine eigene Ausreise nach Mexiko.

Otto Loewe wurde beim November-Pogrom 1938 zusammen mit anderen jüdischen Männern in der Frankfurter Festhalle von Mitgliedern der Gestapo schwer misshandelt. Den Rückweg nach Hause schaffte der 60-Jährige nicht mehr: Er wurde am 12. November 1938 auf dem Beethovenplatz tot aufgefunden. Nach Hinweisen in den Entschädigungsakten soll sein Tod in der NS-Presse als „feiger Selbstmord“ dargestellt worden sein.

Bei der Verlegung der Stolpersteine war Sven Loewe (Hameln), Urenkel von Otto Loewe, anwesend.

Personen
Dr. Otto Loewe
Geburtsdatum:31.10.1878
Deportation:Opfer des Pogroms
Todesdatum:11.11.1938
Mathilde Loewe, geb. Creizenach
Geburtsdatum:24.3.1853
Deportation:1.9.1942 nach Theresienstadt
Todesdatum:14.9.1942
Stolperstein Arndtstraße 29, Mathilde Loewe © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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Stolperstein Arndtstraße 29, Otto Loewe © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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